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TU Berlin

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Forschung

Geteiltes Erbe

Freitag, 27. Juni 2014

Umayyadisches Wüstenschloss Qasr al-Mschatta nach umfangreicher Restaurierung an Jordanien übergeben

Eine Stele neben einem restaurierten Torbogen kündet von den gemeinsamen Bemühungen um das Kulturerbe
Lupe

Mit einem Festakt übergaben am 18. Mai 2014 Stephan Steinlein, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Dorothee Dzwonnek, Generalsekretärin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, und Herman Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das restaurierte Wüstenschloss Qasr al-Mschatta den jordanischen Behörden. Es ist ein Beitrag der Bundesrepublik Deutschland zur Förderung von Wissenschaft, Kultur und Tourismus im Lande. Projektleiter war Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer, Professor für Bau- und Stadtbaugeschichte an der TU Berlin. Sein Team arbeitete eng mit den Staatlichen Museen zu Berlin und der Antikenverwaltung des Königreichs Jordanien zusammen.

Ein Erdbeben zerstörte die weitläufige Palastanlage Qasr al-Mschatta, eines der bedeutendsten Zeugnisse der frühislamischen Kunst und Architektur, bereits im 9. Jahrhundert. Seit 2009 wird das von dem als prunksüchtig bekannten Umayyaden-Kalifen Walid II. um 743 n. Chr. erbaute Wüstenschloss, das rund 30 Kilometer südlich von Amman in Jordanien liegt, erforscht und restauriert. „Wir konnten durch Bauforschung, archäologische Ausgrabungen, geophysikalische, naturwissenschaftliche und restauratorische Untersuchungen sowie durch Materialuntersuchungen zahlreiche neue Erkenntnisse zur Geschichte und der höchst aufwendigen Innenausstattung der Anlage gewinnen“, erklärt Johannes Cramer. „Sie korrigieren den bisherigen Forschungsstand deutlich. Unter anderem konnten wir eine abbasidische Nutzungsphase nachweisen, die mindestens ein halbes Jahrhundert andauerte und die bisher unbekannt war.“

Von der Anlage, bis 2009 nur noch in Ruinen vorhanden, steht ein 47 Meter langes Stück der Hauptfassade seit mehr als 100 Jahren als Geschenk des osmanischen Sultans Abdul Hamid II. an den deutschen Kaiser Wilhelm II. im Museum für Islamische Kunst des Berliner Pergamonmuseums. „Die detailreiche und kunstvolle Bauzier dieses Prunkstücks ist ein herausragendes Beispiel frühislamischer Steinmetz- und Ornamentkunst. Sie legt Zeugnis ab von der Herausbildung einer eigenständigen islamischen Kunst, die sich allmählich gegen die älteren antiken und christlichen Vorbilder abzugrenzen beginnt“, so Cramer. Die Mschatta-Fassade im Berliner Pergamonmuseum wurde allein im vergangenen Jahr von 893 000 Besuchern bestaunt. Der Originalort blieb dagegen wenig beachtet und war durch Verfall und Plünderung erheblich gefährdet. Sowohl die geplante Neuaufstellung der Fassade im Pergamonmuseum im Jahr 2019 als auch die Restaurierung der Ruine in Jordanien sind Teil einer engen Kooperation beider Länder im Sinne der gemeinsamen Verantwortung für ein Kulturerbe an zwei Orten: „Shared Heritage“. Das Forschungsprojekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 850 000 Euro gefördert und ist damit eines der größten in der Region. Auch das Auswärtige Amt unterstützte das Projekt mit 500 000 Euro. Bauforscher Johannes Cramer: „Wir sind sicher, dass die enge Verknüpfung von bauhistorischer Forschung und kritischer Restaurierung zum Modell für den Umgang mit antiken Stätten und deren geteiltem Erbe geworden ist. Sie kann auch für andere Orte Vorbildcharakter haben.“

Patricia Pätzold "TU intern" Juni 2014

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