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Forschung

10 Jahre Telekom Innovation Laboratories – Praktizierte Fairness

Freitag, 27. Juni 2014

Wie alles begann und beide Seiten profitieren konnten – von Kurt Kutzler

Der Mathematiker Prof. Dr. Dr. h. c. Kurt Kutzler war von 2002 bis 2010 Präsident der TU Berlin
Lupe

Deutschland ist arm an Naturstoffen, aber reich an Ideen, deshalb werden wirtschaftlicher und damit sozialer Wohlstand nur durch seine Innovationskraft gesichert. Basis hierfür ist einerseits eine gut funktionierende Forschung in den Universitäten, den großen Forschungseinrichtungen sowie den FuE-Abteilungen der Wirtschaft und andererseits eine gute Kommunikation zwischen diesen Partnern. Leider bestand bisher eher eine gewisse „Versäulung“ hinsichtlich des Informationsflusses zwischen diesen Einrichtungen. So hat es der Wissenschaftsrat im Jahre 2007 in seiner Stellungnahme „Empfehlungen zur Interaktion von Wissenschaft und Wirtschaft“ analysiert und angeregt, dieser Versäulung entgegenzuwirken, indem Kommunikations- und Kooperationsplattformen zwischen den eher grundlagenorientierten Forschungsinstitutionen und den Entwicklungsabteilungen der Wirtschaft geschaffen werden. Dabei hat der Wissenschaftsrat ausgeführt: „Ein Beispiel für eine solche Kooperationsplattform ist das im Juni 2006 ins Leben gerufene ,European Center for Information and Communication Technologies‘ an der TU Berlin (EICT), an dem neben der TU die Fraunhofer-Gesellschaft und drei Großunternehmen beteiligt sind. Die Partner führen hier auf der Basis langfristiger Kooperationsverträge Forschung in sieben strategisch definierten Feldern der Informations- und Kommunikationstechnologien im vorwettbewerblichen Bereich durch.“ Am Anfang dieser Entwicklung stand die Gründung der T-Labs im Jahr 2004 als eine Einrichtung, in der TU-Wissenschaftler mit Kollegen aus den Entwicklungsabteilungen der Deutschen Telekom AG zusammentreffen und im Dialog Impulse aus der universitären Forschung in die Entwicklung senden sowie aus der industriellen Entwicklung neue Fragestellungen für die Grundlagenforschung erhalten. Mit der Gründung der T-Labs haben die Deutsche Telekom und die TU Berlin in den vergangenen zehn Jahren eine Erfolgsgeschichte geschrieben, denn dieses Projekt hat sich nicht nur bewährt – es ist in unerwartetem Maße gewachsen. Zunächst entstand als eine Erweiterung dieser Idee das vom Wissenschaftsrat gelobte EICT, in dem unser bewährter Partner, die Fraunhofer-Gesellschaft, eine Reihe von international aufgestellten Unternehmen und die TU Berlin sehr erfolgreich kooperieren. Schließlich war das EICT wiederum Keimzelle der 2009 vom „European Institute for Innovation and Technology“ (EIT) gegründeten und von der EU und fünf europäischen Staaten getragenen „Knowledge and Innovation Communities“ (KICs) für Informations- und Kommunikationstechnologien, die die globale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Union im IT-Bereich sicherstellen. Dieser ist einer der wichtigsten Wirtschaftsbereiche der modernen Welt.

Solche Partnerschaften zu schaffen ist alles andere als einfach, denn natürlich bewegen sich auf den Plattformen auch Unternehmen, die auf dem Markt Konkurrenten sind. Es ist wichtig, die Grenzen der Zusammenarbeit zu erkennen und zu respektieren, wo die individuellen Interessen der Partner zu Kontroversen führen können. Diese praktizierte Fairness der Partner hat sich über die Jahre bewährt.

Bei den soeben beschriebenen Kooperationsformen ist aber auch der Respekt privatwirtschaftlicher Partner dafür wichtig, dass Forschung in den Universitäten öffentlich zugänglich sein muss oder, etwas grober formuliert, eine „Privatisierung öffentlicher Mittel“ ausgeschlossen ist. Hier haben wir mit der Telekom immer einen verständnisvollen Partner gefunden.

Die Universität hat aus dieser Kooperation für sich einen großen Gewinn gezogen, ebenso wie auch die Telekom beachtlich davon profitierte. Die Telekom finanzierte über acht Jahre eine Reihe von Professuren und Juniorprofessuren. Wir waren dadurch in der Lage, in der Exzellenzintiative den Antrag auf einen Exzellenzcluster, „HC3“ (Human Centric Communication Cluster), zu stellen, der leider an der Knappheit der Finanzen scheiterte, aber in anderer Form weitergeführt wurde und so Forschungssynergien schafft, die zuvor nicht möglich waren.

Unsere IT-Studierenden haben in den T-Labs und mit EICT die große Chance erhalten, Probleme und Fragen der übernächsten Generation in den Informations- und Kommunikationstechnologien kennenzulernen, sie in ihren Diplom-und Master-Arbeiten zu behandeln und so Wissen zu erwerben, das sie in besonderem Maße für eine Tätigkeit in einem Unternehmen der IT- Branche qualifiziert oder die Option eröffnet, mit einer neuen Produktidee selbst ein kleines Unternehmen zu gründen. Die Kooperation mit der Telekom hat so in besonderem Maße das Anliegen der Universität unterstützt, sich als Gründeruniversität auszuzeichnen.

Das Vorbild der Netzwerkbildung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, das durch die Gründung der T-Labs entstand, hat eine Reihe erfolgreicher Nachahmer. Zu erwähnen ist hier vor allem die ebenfalls vom EIT gegründete Klima-KIC, an der die TU Berlin ebenfalls beteiligt ist. Es war für ein Unternehmen wie die Deutsche Telekom, die als Aktiengesellschaft zunächst den Wertvorstellungen ihrer Aktionäre verpflichtet ist, ein besonderer Schritt und ein besonderer Vertrauensbeweis, mit der TU Berlin zusammen Geschäftsziele zu verfolgen, deren Ertrag erst mittel- und langfristig geerntet werden kann. Ich denke, dass der Beweis erbracht wurde und dass die Partner in den nächsten zehn Jahren weiterhin erfolgreich kooperieren zu gegenseitigem Nutzen.

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