direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Inhalt des Dokuments

Forschung

Direktleitung zur ISS

Freitag, 27. Juni 2014

TU-Professor Dietrich Manzey ist psychologischer Betreuer von Astronaut Alexander Gerst

ESA-Astronaut Alexander Gerst beim Vorbereitungstraning für seine Weltraummission im NASA-Trainingszentrum in Houston/Texas
Lupe

Mit dem Begriff „psychologische Betreuung“ verbinden die meisten Menschen sofort das Bild von der Couch. Allerdings ist kaum ein Bild unpassender als dieses, wenn man versucht, die psychologische Betreuung zu beschreiben, die Prof. Dr. Dietrich Manzey vom Fachgebiet für Arbeits-, Ingenieur- und Organisationspsychologie der TU Berlin anbietet. Zum einen betreut er keine Patienten, zum anderen könnten die betreuten Personen gar nicht liegen, da sie in der Schwerelosigkeit schweben. Dietrich Manzey ist bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) verantwortlich für die alle zwei Wochen stattfindenden „private psychological conferences“, die jeder europäische Astronaut während einer Langzeit-Mission führen muss, so auch Alexander Gerst, der deutsche Astronaut, der sich bis November auf der ISS aufhalten wird.

„Tatsächlich geht es meiner Erfahrung nach in diesen Gesprächen nicht um tiefe psychologische Probleme – bei den Astronauten handelt es sich immerhin um „High Performer“, deren mentale und physische Konstitution Hochleistungssportlern gleicht und die im besten Fall schon ähnlich extreme Erfahrungen gemacht haben. So ist Alexander Gerst bereits mehrfach monatelang auf Antarktis-Expeditionen gewesen“, weiß Dietrich Manzey. „Sinn und Zweck dieser Gespräche – und auch der der wöchentlich stattfindenden Gespräche mit einem Arzt – ist es, die optimale Leistungsfähigkeit und Motivation der Astronauten über einen langen Zeitraum zu erhalten. Dazu kann es hilfreich sein, auch mal über ganz alltägliche Probleme – wie zum Beispiel die hohe Arbeitsbelastung auf der ISS, die Schulnoten der Kinder – oder auch über schöne Erlebnisse oder gelungene Experimente zu sprechen.“ Dietrich Manzey sieht sich daher auch eher als einen geschulten, neutralen Gesprächspartner, der den Astronauten die Möglichkeit gibt, einfach mal „drauflosreden zu können“.

Entgegen der naheliegenden Vermutung ist auch das Gefühl von „eingesperrt sein“ selten ein Problem. „Zum einen gibt es nicht allzu viel Freizeit“, weiß Dietrich Manzey. „Im Schnitt dauert die Arbeitszeit der Astronauten pro Tag acht bis neun Stunden, in denen sie Experimente durchführen müssen und ihre täglichen zwei bis zweieinhalb Stunden Sport – auf der ISS gibt es ein spezielles Fahrradergometer und ein Laufband. Dazu kommen die täglichen Planungskonferenzen. E-Mail, Internet, DVDs, E-Bücher und ein Internet-Telefon, mit dem theoretisch täglich die Familie angerufen werden kann, füllen die wenige Freizeit – sodass die Astronauten heute nur selten den Eindruck haben, völlig von der Erde abgekoppelt zu sein. Nicht zu vergessen der Fotoapparat – einige bringen über 15 000 Bilder mit.“

Einmal im Laufe einer Mission ist „Wünsch dir was“-Tag: Jeder Astronaut hat schon vor der Mission Gelegenheit, einen ganz besonderen Wunsch zu äußern. Die Bodencrew setzt dann alles daran, diesen Wunsch zu erfüllen. „Meistens sind das Kontakte zu berühmten Politikern, Musikern oder Filmstars“, erzählt Manzey.

Was macht also die psychologische Belastung einer Mission aus? „Einerseits werden die Astronauten oft bewundert und haben einen gewissen ,Promi‘-Status – andererseits sind sie während der Mission vor allem fremdbestimmt – mit sehr geringen Freiheitsgraden. Gleichzeitig ist die ISS kein Luxushotel – das Essen kommt aus der Tüte, und sich ein halbes Jahr nicht duschen zu können, ist auch keine Freude. Sie brauchen eine hohe Flexibilität, um sich auf unterschiedliche Menschen einzustellen – einerseits auf die Crew, aber auch auf die unterschiedlichen Experimentatoren am Boden. Da ist ein selbstbewusster Teamplayer gefragt – kein Alphatier“, so Dietrich Manzey.

Auch wenn der eine oder andere Astronaut den Gesprächen mit einem Psychologen anfangs kritisch gegenübersteht, entwickelt sich doch meistens schnell eine „professionelle Vertrautheit – die nach der Mission genauso schnell wieder endet“, schließt Manzey. Einer der Astronauten hat ihm gesagt: „Für mich war es gar nicht so wichtig, ob wir ein Problem lösen konnten oder nicht, sondern dass da unten einer wusste, wie es mir hier geht.“

Katharina Jung "TU intern" Juni 2014

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Matomo für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.