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TU Berlin

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Forschung

Visionen für die City West

Freitag, 27. Juni 2014

Die Städteplaner Jochen Brückmann von der IHK und Harald Bodenschatz von der TU Berlin haben über die Hardenbergstraße nachgedacht

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Jochen Brückmann ist Bereichsleiter Infrastruktur und Stadtentwicklung der IHK Berlin
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Prof. Dr. Harald Bodenschatz war von 1995–2011 Leiter des Fachgebietes Planungs- und Architektursoziologie der TU Berlin und 2009–2010 Sprecher des Transatlantischen DFG-Graduiertenkollegs Berlin – New York am Center for Metropolitan Studies. Als Assoziie
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Mehr als nur Breitscheidplatz

Die City West braucht dringend eine abgestimmte Gesamtkonzeption

von Jochen Brückmann

Die City West ist ein Zentrum in einer dynamischen Stadt Berlin. Berlins Wirtschaft prosperiert in vielen Facetten, seine Bevölkerung und die Zahl der Gäste wachsen. Die deutsche Hauptstadt wird europaweit als Stadt mit Potenzial eingestuft. Als natürliche Reaktion darauf nimmt die Nachfrage nach Wohn- und Gewerberaum zu. Die klugen Köpfe in den Universitäten, Laboratorien, Unternehmen, freien Berufen und der kulturellen Einrichtungen der City West haben ihren Anteil an dieser Entwicklung. Städtebaulich wird die Region durch viele neue herausragende, private Bauvorhaben geprägt – Bikini Berlin sowie das Waldorf Astoria sind beispielsweise bereits entstanden und weitere sind im Werden. So weit, so gut. Unbeantwortet ist aber derzeit die Frage, ob der Umgang mit dem öffentlichen Raum diese Entwicklung nur nachvollzieht oder ob die anstehenden Investitionen so vollzogen werden, dass sie selbst Innovationstreiber sein können.

Warum sollte nicht die City West Vorreiter für neue Mobilitätslösungen sein? Sicher sind die Wissenschaftler und Ingenieure der TU Berlin und der IAV (Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr) gern bereit, Konzepte über Anforderungen zu entwickeln, damit sie auch in 20 Jahren noch bequem und preiswert zu erreichen sind. Wenn wir heute Vorbild sind, können wir 2030 übertragbare Lösungen für andere Metropolen anbieten. Warum soll die City West technologische Lösungen von morgen nicht bereits heute umsetzen und im Stadtbild – zum Beispiel auf dem Ernst-Reuter-Platz – präsentieren?

Seit Jahren wird über die Öffnung der Hertzallee als verbindendes Element zwischen Bahnhof Zoo und dem Ernst-Reuter-Platz geredet. Passiert ist nichts. Hier könnten sich die verschiedenen Forschungseinrichtungen des Campus in einem „Walk of Fame“ mit Skulpturen, historischen Ausstellungsstücken und neuen Technologien angemessen präsentieren. Das öffentliche „Energie-Plus-Haus“ des Bundesumweltamtes wirkt heute trotz Nähe zur TU Berlin seltsam deplatziert und fern der Besucherströme. Oder warum soll die City West als hochattraktiver Shoppingstandort nicht maßgeschneiderte Lösungen entwickeln, die die räumlichen Auswirkungen eines sich durch den E-Commerce verändernden Einzelhandels pilothaft und experimentell umsetzen?

Um diese Ideen schnell in die Tat umzusetzen, braucht die City West dringend eine abgestimmte Gesamtkonzeption für ihre Straßen und Plätze! Die anhaltenden, teils lähmenden Diskussionen um den Hardenbergplatz, den Breitscheidplatz, den Ernst-Reuter-Platz, den Olivaer Platz oder um die Maaßenstraße zeigen in aller Deutlichkeit, dass man die einzelnen Plätze nicht länger zu losgelöst voneinander betrachten sollte.

Jeder Platz hat eine bestimmte Fuktion – in Wechselwirkung mit dem Straßennetz, mit nahen und weiter entfernten Nutzern und anderen Plätzen. Wir sollten zunächst die Funktionen aller wichtigen Plätze anschauen – und können dann abgestimmt über Gestaltungen reden. „Künstliche“ Hektik, verursacht durch auslaufende Fördermittel und politischen Erfolgsdruck von Legislaturperioden, ist hier kein sinnvoller Ratgeber. Sie wirkt einem notwendigen komplexeren Ansatz entgegen und führt zu nur vermeintlich besser umsetzbaren Einzelplanungen. Das wird dem Zentrum insgesamt nicht gerecht.

Dies zeigen unter anderem die aktuellen Betrachtungen zum Hardenbergplatz. Sie fokussieren sich stark auf die Gestaltung der Platzfläche und auf das Thema Parken. Dabei kommt dem Hardenbergplatz eine wichtige Funktion als Verkehrsplatz und als Eingang zur City West zu. Er ist Eingang zum Breitscheidplatz, zum Kurfürstendamm, zur Hertzallee und zur Hardenbergstraße. Gerade der Hertzallee und der Hardenbergstraße wohnen durch die für die nächsten zehn bis 15 Jahre absehbaren Quartiersentwicklungen rund um die Berliner Bank und die Volkswagen-Bibliothek enorme Entwicklungschancen inne. Von hier aus, können sich TU- und UdK-Campus zur City West hin sowie zum revitalisierten Ernst-Reuter-Platz öffnen und neue Kooperationen eingehen. Helmut-Newton-Museum, „C|O Berlin“, Aletto, Volkswagen-Bibliothek stehen für den baulichen Beginn dieser Entwicklung.

Hinzukommen muss eine stärkere Vernetzung dieser Orte und ihrer klugen Köpfe. Gut eingeübt ist das hier schon zwischen der TU Berlin und der Wirtschaft. In der City West gibt es gerade jetzt eine große Chance, über die Gestaltung öffentlicher Orte Kooperationen mit weiteren Akteuren der Stadtgesellschaft anzuregen. Eine Chance, die wir alle als aktive Akteure dieser Entwicklung ergreifen sollten.


Aschenputtel der City West

Die Hardenbergstraße – eine unterschätzte Region

von Harald Bodenschatz

Der Breitscheidplatz, Herz der „City West“, mausert sich wieder einmal. Als Romanisches Zentrum streng historisierend um 1900 angelegt, als Zentrum von West-Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg ultramodern und autogerecht wiederauferstanden, findet er jetzt, fast 25 Jahre nach der Wiedervereinigung, seine dritte Form. Zwei neue Hochhäuser werden den Platz künftig beherrschen. Dass sich auch seine unmittelbaren Nachbarschaften – die Tauentzienstraße, der Kurfürstendamm und die Joachimsthaler Straße – seit 1989 neu positionieren, wird aufmerksam beobachtet. Dagegen wird oft übersehen, dass die für die UdK und die TU Berlin besonders wichtige Hardenbergstraße ebenfalls in Bewegung ist.

Die Hardenbergstraße war in der Nachkriegszeit die bedeutendste neue Hauptstraße des alten West-Berlin. Sie verband den wichtigsten neuen Stadtplatz, den Ernst-Reuter-Platz, mit dem radikal erneuerten Breitscheidplatz. An dieser Straße konzentriert sich bis heute eine einzigartige Vielfalt von zumeist sehr eleganten Bauten der 1950er Jahre: das Amerika-Haus (1956–57) samt umgebender Bebauung (1957–58 und 1958–60), die (alte) Industrie- und Handelskammer (1954–55), der Hauptsitz der Berliner Bank (1951–54), der Konzertsaal der ehemaligen Hochschule der Künste (1952–54), das Hoechst-Haus und das TU-Gebäude für Bergbau und Hüttenwesen (1955–59). Auch der die Mitte der Straße markierende Steinplatz wurde 1950 neu gestaltet und erhielt 1951 seine beiden Gedenksteine. All diese Bauten gliederten sich zwanglos entlang der alten Straße in die Baulücken ein. Richtig urban wurde die Hardenbergstraße dadurch trotzdem nicht, denn in den 1950er-Jahren war sie eine autogerechte Straße, wenngleich mit Straßenbahn. Von dieser Zeit zeugen noch heute die Autovorfahrten vor der Berliner Bank und vor dem Konzertsaal, aber auch die typisch US-amerikanischen, stark störenden Parkplätze neben der Berliner Bank, vor dem Konzertsaal und hinter vielen Gebäuden, nicht nur hinter dem IBM-Gebäude. Dazu kommen die baulichen Barrieren der TU Berlin. Während sich die UdK zur Straße hin öffnet und auch die TU an der Mensa ein attraktives Eingangstor bietet, verödet das ewig lange, weithin abweisende Eugene-Paul-Wigner-Gebäude (1978–84) die östliche Hardenbergstraße. Das Gleiche gilt für das TU-Gebäude für Bergbau und Hüttenwesen.

Die Hardenbergstraße ist an einigen Stellen ein harter Spiegel unserer Zeit: sozial gespalten, mit acht Spuren für das Auto und einem kaum querbaren Mittelstreifen dem Auto untergeordnet. Doch zeigt auch sie erste Zeichen einer Reurbanisierung. So hat hinter dem Amerika-Haus ein Hostel jugendliches Leben in die Straße gebracht. Der bevorstehende Umzug des Ausstellungshauses für Fotografie „C|O Berlin“ in das Amerika-Haus wird diesen Ort erheblich verändern. Zudem wurde der Steinplatz ein wenig geordnet. Das Renaissance-Theater hat sich eindrucksvoll etabliert. Und die TU Berlin? Sie ist seit 2011 ganz nahe an das Herz der „City West“ herangerückt. Im alten Gebäude der Industrie- und Handelskammer arbeiten international bedeutende, aber auch in die Stadt hineinwirkende Einrichtungen wie das Center for Metropolitan Studies, das Zentrum Technik und Gesellschaft sowie die Zentraleinrichtung Moderne Sprachen. Der Außenwelt bleibt das allerdings verborgen. Es wäre wichtig, dass sich auf dem Abstandsgrün zwischen Gebäude und Gehweg die TU-Einrichtungen in Vitrinen neuen Typs kreativ und denkmalgerecht präsentieren. Zudem verfügt der Bau über einen beeindruckenden Veranstaltungssaal, der als Kommunikationsraum zwischen TU und Stadt noch besser genutzt werden sollte. Und eigentlich brauchen wir einprägsame, programmatische Namen für das Haus wie den Saal.

Doch nicht nur für die TU Berlin besteht Handlungsbedarf. Nötig ist ein strategisches Gesamtkonzept für die öffentlichen und halböffentlichen Räume, für die Reurbanisierung der Hardenbergstraße. Spätestens wenn „C|O Berlin“ das neue Amerika-Haus eröffnet, sind die Anrainer wie die öffentliche Hand gefordert.

"TU intern" Juni 2014

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