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Innenansichten

Steinerne Schätze im Stadtbild

Freitag, 16. Mai 2014

Natursteine im urbanen Raum werden viel ignoriert – ein Führer zu den geologischen Kleinoden will das ändern

Das Elefantentor, durch das man den Berliner Zoologischen Garten betritt, wurde 1943 zerstört und 1984 rekonstruiert: aus Postaer Sandstein
Lupe [1]

Häuserschluchten grau in grau? Wer sich kenntnisreich angeleitet in Städten wie Berlin auf Entdeckungsreise macht, dem erzählen Fassaden, Brücken, Brunnen und Pflastersteine viele Begebenheiten aus der bewegten Geschichte unserer Erde. Die Häuser und Denkmäler, Geschäftsgebäude wie Meilensteine der Architektur bestehen nicht nur aus Beton, Ytong und gebrannten Ziegeln.

Hunderte von Natursteinplatten, -blöcken und Steinen, teils kunstvoll behauen und als Bauschmuck verwendet, sind überall im Stadtbild verbaut. Im berühmten „Marmorhaus“ am Kurfürstendamm war nicht nur jahrzehntelang großes Kino zu sehen. Sehenswert ist auch heute noch seine Fassade. Die besteht tatsächlich großflächig aus wunderschön gebändertem Marmor aus dem einheimischen Großkunzendorf, aber auch aus dem türkischen „Marmara“. Und wer beachtet schon, wenn er den Gloria-Palast betritt, den gelben italienischen Kalkstein „Chiampo“ im Sockel? In dem Muschelkalk findet man Hunderte von Fossilien gehäusetragender Tiere, die schon Millionen von Jahren in diesem Stein überdauert haben. Sie stammen aus dem erdgeschichtlichen Tertiär. Ein Hotel hat die Wände seines Eingangsbereichs mit dem weiß-grauen Granulit-Stein „Rio Branco“ aus Brasilien verkleidet. Wer genau hinschaut, findet hier zahlreiche kleine Edelsteine in der Wand, Granat-Kristalle. „Wir alle laufen täglich an Natursteinfassaden vorbei und über Natursteinpflaster hinweg“, sagt Johannes Schroeder, ehemaliger TU-Professor im Institut für Angewandte Geowissenschaften und Herausgeber der Führer. „Nach wie vor sind die Naturwerksteine in unseren Städten wahrscheinlich die am meisten ignorierten Elemente des urbanen Raumes, der Bauten wie der Freiräume.“ Für ihn ist das ein trauriger Missstand, den er mit seinen Architekturführern der Naturwerksteine ändern will. Wie schon im ersten Band sind alle Routen auf etwa zwei Stunden angelegt, eine Zeitspanne, die sich bewährt hat. Um die Handhabung zu erleichtern, sind vor allem steinerne Sehenswürdigkeiten untersucht und erklärt, die von außen zugänglich sind. Wandernde in Sachen Naturwerksteine lernen dabei auch gleich noch viel über den Weg der Steine tief aus dem Inneren der Erde bis in die Granitwerke und verarbeitenden Betriebe der Neuzeit.

Mehr als 20 Fachautoren aus ganz Deutschland, unterstützt von vielen Technikern, Steinmetzen, Museumsmitarbeitern und anderen, haben zusätzlich zu den 18 Routen aus dem ersten Band des Steineführers 14 weitere Routen in ebenso vielen deutschen Städten zusammengestellt, erklärt und mit mehr als 500 Farbfotos, 14 Routenkarten, 28 Tabellen und 37 weiteren Grafiken illustriert. Sie schlagen dabei einen schwungvollen Bogen von Sachsen über Brandenburg und Sachsen-Anhalt nach Norden bis Hamburg, weiter nach Westen, nach Münster, dann in den Süden bis nach Freiburg und schließlich ins östliche und ins nordöstliche Bayern. Wer diese Gegenden bereist und sich für Natursteine interessiert, sollte das Buch ins Reisegepäck stecken, denn, so Johannes Schroeder: „Wichtig war uns eine zwar wissenschaftlich fundierte, aber dennoch allgemein verständliche Darstellung, die interessierten Laien, Bewohnern und Besuchern der Städte dieses oft übersehene Element des Charakters und der Schönheit ihrer Städte nahebringt.“

www.tu-berlin.de/steine-in-der-stadt [2]

 

Buchtipp

Steine in deutschen Städten II – Entdeckungsrouten in Architektur und Stadtgeschichte, herausgegeben von Johannes H. Schroeder mit besonderer Unterstützung von G. Schirrmeister & E. Bielefeldt. Selbstverlag Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg e.V., November 2013, ISBN 978-3-928651-16-5, 12,50 Euro

Patricia Pätzold "TU intern" Mai 2014

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