direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Inhalt des Dokuments

Forschung

Die Humboldts in Paris

Freitag, 16. Mai 2014

Erstmals widmet sich eine große Ausstellung beiden Universalgelehrten

Die Kuratoren der Pariser Ausstellung, Bénédicte Savoy und David Blankenstein, „im Kreise“ der Gelehrten eines der berühmtesten Pariser Salons der 1820er-Jahre. Dort verkehrte auch Alexander von Humboldt
Lupe

Eine Ausstellung in Paris über die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt hätte um 1900 nicht für Verwunderung gesorgt. Heute tut sie es schon. „Obwohl sich in Paris unzählige Zeugnisse ihres Wirkens finden und Alexander von Humboldt über 20 Jahre dort lebte, sind die zwei Forscher, jenseits der gelehrten Zirkel, aus dem kollektiven Gedächtnis der Franzosen verschwunden“, sagt Bénédicte Savoy, Professorin für Kunstgeschichte an der TU Berlin.

Deshalb will die Ausstellung „Les frères Humboldt. L’Europe de l’esprit“, die am 15. Mai 2014 im Observatoire de Paris eröffnet und von den beiden TU-Kunstwissenschaftlern Bénédicte Savoy und David Blankenstein kuratiert wurde, diese bedeutsame Facette deutsch-französischer Geistesgeschichte ans Licht holen. Der Titel der Ausstellung sagt viel über ihr Anliegen: Hier werden zwei geniale Gelehrte ins Blickfeld gerückt, für die grenzüberschreitendes Arbeiten und Denken, der Austausch mit den Kollegen – ob in Paris, London, Wien, Madrid, St. Petersburg oder Caracas – selbstverständlich waren. Von daher stehen sie beispielhaft für eine zusammen gedachte und empfundene deutsch-französische, für eine europäische Geschichte“, sagt Savoy, „und insofern sind sie uns heute weit voraus, die wir uns ständig unserer gemeinsamen europäischen Wurzeln vergewissern müssen. Sie dachten nicht Europa. Sie lebten es.“

Die Vernetzung der Wissenschaften war für den Naturforscher Alexander von Humboldt (1769–1859) und den Sprachforscher Wilhelm von Humboldt (1767–1835) essenziell. „Trotz ihrer verschiedenen Forschungsdisziplinen haben sie sie immer wieder in Beziehung gesetzt. Alexander zum Beispiel brachte seinem Bruder Wilhelm aus Südamerika Materialien über die Sprachen der Azteken für dessen linguistische Forschungen mit. Wilhelm wiederum gab, beruhend auf seinen sprachwissenschaftlichen Arbeiten, seinem jüngeren Bruder Anregungen zu anthropologischen Studien“, sagt David Blankenstein.

Die Vielzahl der Objekte, die Blankenstein in Paris fand, war überraschend. Ob Nationalbibliothek, Nationalarchiv, Naturkundemuseum oder Louvre – alle bewahren sie „wunderschöne Zeugnisse der engen Beziehungen zu den Institutionen und Persönlichkeiten der Stadt auf“, so Blankenstein.

Die Ausstellung ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen, weil sie die erste ist in der Geschichte der „Humboldt-Ausstellungen“, die sich bewusst beiden Brüdern widmet – sowohl hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Lebenswege als auch hinsichtlich ihrer Bezogenheit aufeinander. Zum anderen, weil sie als Gegenentwurf betrachtet werden kann zu der bei Humboldt-Foren und Humboldt-Boxen zu beobachtenden Tendenz, den Namen der Brüder lediglich als Label zu nutzen. Den Machern der Schau geht es um das intellektuelle Erbe der Humboldts. Es hat für sie das Potenzial, sich mit ihnen noch heute auf anregende Weise auseinanderzusetzen – und das ohne das gesamte Arsenal interaktiver Medien in Stellung zu bringen, wie die omnipräsenten Touchscreens. Sie vertraut, und das ist die dritte Besonderheit der Schau, ganz der Faszination des Originals und dem Genius Loci der Pariser Sternwarte.

Sybille Nitsche "TU intern" Mai 2014

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Matomo für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.