direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Inhalt des Dokuments

Forschung

Kulturerbe und Denkmalpflege

Freitag, 17. Januar 2014

Denkmäler des Jüdischen Friedhofs Weißensee erstmalig flächendeckend erfasst

Mehr als 100 000 Grabstellen befinden sich auf dem Jüdischen Friedhof, einem der größten Europas. Heute finden wieder Beisetzungen statt
Lupe

„Jüdische Gräber dürfen niemals eingeebnet werden, damit Platz für eine erneute Belegung entsteht. Sie haben, da sie Eigentum des in ihnen Ruhenden für alle Zeit sind, dauernden Bestand. Das ist der entscheidende Unterschied zu den Gräbern auf christlichen beziehungsweise kommunalen Friedhöfen“, erklärte Hermann Simon, Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, bei der Vorstellung einer neuen Publikation über den Jüdischen Friedhof Weißensee. Zum ersten Mal wurden die wertvollsten Zeugnisse des mit 42 Hektar flächengrößten jüdischen Friedhofs in Europa – die Grabsteine und Grabstätten – systematisch erfasst.

Der vorliegende Band unter dem Titel „115 628 Berliner“ dokumentiert die flächendeckende Inventarisierung von über 100 000 Grabstellen durch das Institut für Architektur, Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte der TU Berlin, und gibt erste Antworten auf viele Fragen. Der Leiter des Fachgebiets, Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer, und Dr.-Ing. Tobias Rütenik waren federführend in diesem Projekt, das zusammen mit dem Landesdenkmalamt durchgeführt wurde. Die Fragen, die sich unter anderem daran knüpfen, sind: Wie viele Bestattungen erfolgten? Woher kamen die Mitglieder der einst so bedeutenden Jüdischen Gemeinde zu Berlin? Welche Hinweise lassen sich zur fortschreitenden Emanzipation der Berliner Juden ablesen? Seit wann und in welchem Umfang gingen die hebräischen Inschriften zurück? Aus welchem Material und von wem wurden die Grabzeichen gefertigt und in welchem Zustand haben sie überdauert? Welche Schlüsse lassen sich daraus für die zukünftige Erhaltung des Friedhofs ziehen?

Auf 110 Seiten, vielfältig farbig bebildert, deckt das Buch in deutscher und englischer Sprache die bislang verborgenen Hintergründe des Friedhofs auf.

Der Jüdische Friedhof Berlin-Weißensee ist ein Denkmal von internationaler Bedeutung. Glücklicherweise musste dieser große Begräbnisplatz seit seiner Eröffnung im Jahr 1880 kaum Verluste durch Kriege oder Vandalismus erleiden. Der Senat von Berlin hat den einzigartigen Friedhof der Ständigen Konferenz der Kultusminister der deutschen Länder inzwischen zur Nominierung für die UNESCO-Welterbeliste vorgeschlagen.

Für die TU Berlin sei das Projekt vor allem unter zwei Gesichtspunkten von besonderer Bedeutung, so TU-Präsident Professor Jörg Steinbach in seinem Vorwort: Zum einen seien Denkmalpflege und Bauforschung als Forschungsgebiete in den vergangenen Jahren immer wichtiger und erfolgreicher geworden. Einzelne Projekte hätten dabei nicht nur in Berlin, sondern auch international, speziell im Nahen Osten und in Nordafrika, viel Interesse und Anerkennung gefunden. Zum anderen sei die wissenschaftliche Auseinandersetzung gerade mit einem jüdischen Friedhof von besonderer Relevanz, weil sich die Universität, in der Verantwortung ihrer eigenen Geschichte, der Erforschung des jüdischen Erbes und dessen Bedeutung für die heutige Gesellschaft besonders verpflichtet fühle. Das seit 1982 bestehende Zentrum für Antisemitismusforschung ist dafür ein sprechender Beweis.

115 628 Berliner

Der Jüdische Friedhof Weißensee – Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin, Bd. 40. Hrsg.: Landesdenkmalamt Berlin und Technische Universität Berlin. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2013, ISBN 978-3-86568-963-4

Die Publikation kann beim Imhof-Verlag für 7,80 Euro bestellt werden oder ist als PDF downloadbar unter: stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/landesdenkmalamt/de/neuerscheinungen/index.shtml


www.imhof-verlag.de

Patricia Pätzold "TU intern" Januar 2014

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Matomo für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.