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TU Berlin

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Forschung

Europas Westwinde und Asiens Gletscher

Freitag, 17. Januar 2014

Neue Studie von TU-Klimaforschern deckt bisher unbekannten Zusammenhang auf

Weit über der Baumgrenze: die Expeditionsgruppe um Dieter Scherer auf dem Weg zum Zhadang-Gletscher auf dem südlichen Tibet-Plateau
Lupe

Klimaforscher der TU Berlin deckten einen bisher unbekannten Zusammenhang zwischen Gletscheränderungen und den mittleren Breiten auf. In einer neuen Studie weisen Dr. Thomas Mölg, Fabien Maussion und Prof. Dr. Dieter Scherer nach, dass auch Westwinde über Europa die Gletscher Asiens am Tibet-Plateau steuern. Ihre Ergebnisse wurden in „Nature Climate Change“ veröffentlicht.

Bisher ging man davon aus, dass die Gletscheränderungen außerhalb der nordwestlichen Gebirge (Karakorum und Pamir) von der Aktivität des tropischen Monsuns gesteuert werden. Die neue Studie der drei TU-Wissenschaftler zeigt aber nun anhand eines Gletschers auf dem südlichen Tibet-Plateau, dass diese Annahme nur bedingt gilt und wesentliche Steuerfaktoren ihren Ursprung in den mittleren Breiten haben.

Ein zentrales Problem bei solchen Untersuchungen liegt darin, dass meteorologische und glaziologische Messungen in Hochasien selten sind. Deshalb wurde am Fachgebiet Klimatologie der TU Berlin ein neuer Datensatz erzeugt, der ein räumlich komplettes Bild des atmosphärischen Zustands über Hochasien seit 2001 wiedergibt. In diesen Prozess flossen auch direkte Messungen aus großer Höhe (> 5500 Meter) ein, die die Wissenschaftler vorgenommen hatten. Da der neue Datensatz eine hohe räumliche Auflösung besitzt (bis zu zwei Kilometern), konnte damit ein Modell des Gletschermassenhaushalts ohne die Notwendigkeit statistischer Korrekturen errechnet werden. Dieses Modell berücksichtigt alle wichtigen physikalischen Prozesse, die dem Gletscher im Laufe eines Jahres Masse zuführen – vor allem durch Schneefall – und Masse entziehen – vor allem durch Schmelze. Massengewinn minus Massenverlust ergibt dann die sogenannte Massenbilanz des Gletschers in einem bestimmten Jahr. „Durch die neue Methode erhielten wir somit eine elfjährige Zeitreihe der Massenschwankung am Zhadang-Gletscher zwischen 2001 und 2011, der auf dem südlichen Tibet-Plateau im Einflussbereich des indischen Monsuns liegt“, sagt Prof. Dr. Dieter Scherer, Leiter des TU-Fachgebietes Klimatologie.

Die Ergebnisse zeigen, dass nur eine beschränkte Anzahl von jährlichen Massenbilanzen durch die Aktivität des Monsuns erklärt werden kann. Ein Faktor, der die Massenvariabilität aber in allen Jahren beeinflusst, ist die Stärke der regionalen Strömung über dem zentralen Tibet-Plateau. Die Analysen ergaben, dass diese Strömungsstärke wiederum von der Intensität der Westwinde in den mittleren Breiten abhängt – ein Zusammenhang, der sich bis nach Europa und in den Nordatlantik zurückverfolgen lässt. „Bildlich gesprochen entscheidet also auch die Stärke, mit der das Westwindband über Deutschland im Frühsommer schwingt, über den jährlichen Zustand des weit entfernten Gletschers. Somit konnten wir zum ersten Mal darlegen, dass Gletscherschwankungen in der asiatischen Monsunzone auch vom Klima der mittleren Breiten mit gesteuert werden“, so Dieter Scherer.

tui "TU intern" Januar 2014

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