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Innenansichten

Und zack – Ein Mann der Tat

Mittwoch, 16. April 2014

Worüber elf Jahre debattiert worde war, baute Wolfgang Zick in fünf Jahren: eine moderne Bibliothek für das digitale 21. Jahrhundert. Nun ging er in den Ruhestand

Nach 15 Jahren als Bibliotheksdirektor hinterlässt Wolfgang Zick (r.) seinem Nachfolger ein gut bestelltes Haus. Nach 14 Jahren an der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, zuletzt als stellvertretender Direktor und Leiter der IT-Abteilung, hatte Jü
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Schlüsselübergabe – „Schönen guten Tag, ich bin der Neue!“, begrüßte Jürgen Christof Gäste und Bibliotheksbeschäftigte am 31. März. Die Universitätsbibliothek hatte eine Zeremonie vorbereitet, in der sein Vorgänger Dr. Wolfgang Zick in den Ruhestand verab
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Zick kann Bibliothek. 1999 Direktor der Unibibliothek geworden, und zack, fünf Jahre später war der Neubau fertig, über den zuvor elf Jahre debattiert worden war. Und alles ohne Kostenexplosion. „Kann nicht jeder“, sagt Dr. Wolfgang Zick fröhlich. Stimmt, und in Berlin allemal erwähnenswert, wo eine Postkarte mit der Botschaft, Berlin könne alles außer S-Bahn, Fußball und Flughafen, zum Running Gag geworden ist.

Wenn der Neubau der Universitätsbibliothek der TU Berlin im Dezember dieses Jahres zehn Jahre alt wird, ist Wolfgang Zick bereits im Ruhestand. Am 31. März 2014 war sein letzter Arbeitstag. 15 Jahre war er ihr Direktor, und in dieser Zeit veränderte sich mehr als in den 115 Jahren zuvor seit ihrer Gründung 1884. Deshalb kann er auf die Frage, welche eine Neuerung ihm besonders wichtig ist, mit einer einzigen nicht aufwarten. Wolfgang Zick zählt auf: Planung und Bau einer auf den digitalen Wandel zugeschnittenen Bibliothek, Zusammenführung von 20 auf dem Campus verstreuten Bibliotheken in der neuen Zentralbibliothek, anstelle eines großen Lesesaals Arbeitsplätze, die sich an den unterschiedlichsten Bedürfnissen der Leser orientieren – vom großen Gruppenarbeitsraum bis zum Einzelarbeitsraum –, Einrichtung eines Selbstverbuchungsbereichs, die Qualifizierung des Personals und und und …

1982 trat der Bibliotheksreferendar Wolfgang Zick als promovierter Mathematiker in den Dienst der Deutschen Zentralen Fachbibliothek für Technik und deren Grundlagenwissenschaften in Hannover. Dass er einmal mitten in eine Revolution hineingeraten würde, war da nicht absehbar. Wohl auch nicht, dass er sich an den umstürzlerischen Umtrieben aktiv beteiligen würde. Aber dann machte 1991 der englische Informatiker Tim Berners-Lee seine Erfindung des Word Wide Web publik, und es deutete sich an, dass in den Bibliotheken kein Zettelkatalog neben dem anderen stehen bleiben würde.

Als Wolfgang Zick 1999 die Leitung der TU-Universitätsbibliothek übernahm, waren die digitalen Umwälzungen auch dort in vollem Gange. Der erste Web-„Auftritt“ lag bereits drei Jahre zurück und die erste Dissertation war 1997 ins Netz gestellt worden. Die Pläne für den Bau eines eigenen Bibliotheksgebäudes aus dem Jahr 1988 (bis dato war die Hauptbibliothek im TU-Hauptgebäude untergebracht), die Wolfgang Zick zu seiner vorrangigen Aufgabe machte und die ursprünglich noch viel Platz für Zettelkataloge vorsahen, mussten an das Internet-Zeitalter angepasst werden. Es wurde eine Bibliothek ohne Karteikartenschränke gebaut, und in der Chronologie der Unibibliothek findet sich der Eintrag: „2002/2003 Retrokonversion des Zettelkatalogs“, was nichts anderes bedeutet, als dass er in eine digitale Existenz „gebeamt“ worden war. Zur Eröffnung der Unibibliothek 2004 waren die Kataloge also online und ein neues Kapitel Bibliotheksgeschichte aufgeschlagen.

Im vergangenen Jahr führte Wolfgang Zick eine Befragung unter den Bibliotheksnutzern durch. Zu- tage kam neben positivem Feedback Frust über den teuren und mangelhaften Kopierdienst. Deshalb entschloss sich Zick, den outgesourcten Kopierdienst wieder in die Verantwortung der Bibliothek zu integrieren, und entwickelte mit dem IT-Service-Center tubIT eine hochmoderne Kopierinfrastruktur, die, zack, Ende 2013 in Betrieb genommen wurde.

Die Befragung zeigte auch, dass das Verlangen nach E-Books und E-Journalen ungebrochen wächst. Doch für Wolfgang Zick haben die elektronischen Medien einen „Pferdefuß“. Was viele nicht wüssten, sei, so Zick, dass die Bibliothek mit dem Kauf eines E-Books lediglich ein Zugriffsrecht erwerbe, aber eben kein Eigentum, wie das bei einem gedruckten Buch der Fall sei. „Das heißt, dass die Bibliotheken durch das wachsende Angebot von elektronischen Medien immer mehr Geld ausgeben für Bestände, die sie nicht besitzen. Die Frage, ob wir in 50 Jahren noch auf ein E-Book werden zugreifen können, für das wir jetzt eine Lizenz kaufen, ist ein ungelöstes Problem“, so Zick.

Er ist jedoch keiner, der schwarzmalt. Wolfgang Zick weiß einfach, wovon er spricht. Den Fall, dass ein Verlag den Zugang zu seinen Servern sperrte, sodass wichtige Online-Zeitschriften zwei Wochen nicht verfügbar waren, hätte er lieber nicht erlebt. „Dies warf ein Schlaglicht auf die Abhängigkeit der Bibliotheken.“ Denn nichts treibt ihn mehr um, als wenn die Interessen der Nutzer beeinträchtigt werden. Und weil das so ist, wurmt es ihn auch, dass zwei Dinge unerledigt bleiben: die schwierigen klimatischen und akustischen Verhältnisse im Gebäude. Zumindest konnte auf den Weg gebracht werden, dass demnächst eine zusätzliche Kälteanlage installiert wird. Ein Ärgernis bleibt vorerst die Akustik. Da die Trittschalldämmung nicht ausreicht, bohrt sich jeder Schritt eines Stöckelschuhs wie eine Nadel ins Gehirn. „Unschön“, stöhnt Wolfgang Zick. Er kennt die seitenlangen Beschwerden und weiß, diese Baustelle hinterlässt er seinem Nachfolger.

Ansonsten hadert er mit „seiner“ Bibliothek nicht, vielmehr schätzt er mittlerweile ihren simplen Grundriss. Das Gebäude sei übersichtlich und Besucher fänden sich schnell zurecht. „Manchmal ist einfach einfach mehr.“

Umtriebig bis zum Schluss hat er auf die Frage, was er tun würde, wenn er noch einmal zehn Jahre als Bibliotheksdirektor hätte, sofort eine Antwort parat: Mitwirkung beim Aufbau einer Infrastruktur zur Speicherung der Forschungsprimärdaten, jener Daten, die während des Forschungsprozesses erzeugt werden. „In diese Nische müssen die Bibliotheken einsteigen.“

Wer jetzt glaubt, der Mann könne nicht loslassen und habe keinen Plan für die Zeit danach, der irrt. Wolfgang Zick hat sich als Schöffe beworben. Seine aktuelle Lektüre: das Strafgesetzbuch.

 

„Das Weltwissen muss ins Netz“

Der neue Direktor der TU-Universitätsbibliothek, Jürgen Christof, über seine Ziele und Schwerpunkte

Herr Christof, warum wollten Sie Direktor der Universitätsbibliothek der TU Berlin werden?

Die Themen, die in der Stellenausschreibung angesprochen wurden, wie zum Beispiel das der Forschungsinformationssysteme, moderne Rechercheumgebungen und innovative Web-Auftritte, decken sich mit den Themen, in denen ich meine beruflichen Herausforderungen sehe. Die Ausschreibung war deshalb wie maßgeschneidert für mich.

Was erwartet die TU Berlin von ihrem neuen Bibliotheksdirektor?

Nun, dass ich mit neuen Schwerpunkten den Wandel hin zu einer digitalen Bibliothek konsequent vorantreibe.

Was qualifiziert Sie für diese Aufgabe?

In den vergangenen acht Jahren habe ich mich in Hamburg intensiv mit dem weiten Feld der digitalen Bibliothek beschäftigt. Ich habe Infrastrukturen aufgebaut, um völlig neuartige bibliothekarische Geschäftsgänge zu etablieren wie die Digitalisierung der Bestände. Dafür bin ich tief eingestiegen in die Entwicklung von Arbeitsabläufen, beginnend beim Ausheben entsprechender Materialien aus den Magazinen, ihrer Erschließung und freien sowie nutzerfreundlichen Bereitstellung im Internet bis hin zur Entwicklung der dazugehörenden Software. Da hat sich gezeigt, dass eine meiner Stärken ist, dicke Bretter zu bohren, langfristige Ziele nicht aus den Augen zu verlieren und die Belegschaft bei dem nicht einfachen Prozess der strategischen Neuausrichtung einer Bibliothek im digitalen Zeitalter mitzunehmen. In Hamburg ist mir das ganz gut gelungen. Ob es mir auch hier gelingen wird, wird die Zukunft zeigen.

Was ist Ihr langfristiges Ziel für die TU-Unibibliothek?

Ich möchte der Unileitung vermitteln, dass das Thema der digitalen Informationsversorgung für die Zukunft der Universität von zentraler Bedeutung ist und dabei vom Präsidium zuallererst die Expertise der Unibibliothek einzufordern ist. Will sagen: Eine wissenschaftliche Bibliothek wie die der TU Berlin muss auf dem Campus der Ort sein, an dem hinsichtlich digitaler Informationsaufbereitung, -beschaffung und -versorgung kein Weg vorbeiführt.

Mit welchen neuen Schwerpunkten wollen Sie die Bibliothek profilieren, damit sie auf der Höhe der Zeit bleibt und kein Papiermuseum wird?

Erstens: Open Access, also das freie elektronische Publizieren von Forschungsergebnissen. Hier kann sich die Bibliothek als Dienstleister für die Wissenschaftler einen Namen machen. Zweitens: Mitarbeit der Unibibliothek bei der Etablierung eines umfassenden Forschungsinformationssystems, in dem die eigenen Forschungsleistungen der TU Berlin im Netz dokumentiert werden. Drittens: Erarbeitung eines Masterplans zur Digitalisierung wissenschaftlich relevanter Bestände. Zwar muss irgendwann das gesamte Weltwissen im Netz abrufbar sein, aber nicht jede Bibliothek muss ihren gesamten Bestand digitalisieren.

Das Interview führte Sybille Nitsche

 

Schlüsselübergabe

„Schönen guten Tag, ich bin der Neue!“, begrüßte Jürgen Christof Gäste und Bibliotheksbeschäftigte am 31. März. Die Universitätsbibliothek hatte eine Zeremonie vorbereitet, in der sein Vorgänger Dr. Wolfgang Zick in den Ruhestand verabschiedet und „der Neue“ begrüßt wurde. Ein wichtiges Symbol, der große goldene Schlüssel, der dem Bibliotheksdirektor 2004 zur Eröffnung der neuen Universitätsbibliothek überreicht worden war, wechselte im Beisein der Kanzlerin Prof. Dr. Ulrike Gutheil an diesem Tag wieder den Besitzer (Foto). Die Bibliothek werde auch in Zukunft kein „Papiermuseum“ sein, wie vielfach geunkt werde, sondern sich auch als digitale Bibliothek weiter zu einem Lern- und Arbeitsort, einem zentralen Ort der Zusammenkunft, einem „Marktplatz der Universität“ weiterentwickeln, versprach der neue Bibliothekschef.

pp "TU intern" April 2014

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