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TU Berlin

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Hochschulpolitik

Das neue Präsidium im Porträt: Die Freiheit lässt er sich nicht nehmen

Mittwoch, 16. April 2014

Warum Hans-Ulrich Heiß Wissenschaftler werden wollte und nicht Pilot und was ihn am Amt des Vizepräsidenten reizt

Lupe

Was für eine Frage! Ob er hedonistische Züge habe, will sein Gegenüber wissen. Es amüsiert ihn, dass daran Zweifel bestehen, aber seine Antwort fegt jeden Zweifel hinweg. „Ich bin ein ausgesprochener Hedonist“, sagt Hans-Ulrich Heiß, und so wie er es sagt, ahnt man, er fände es fade, keiner zu sein. Er kann vieles genießen – einen Sonnentag, die Zigarette nach dem Kaffee, ein Glas Rotwein, Musik, den frühen Gauguin. Und er rede auch gern einmal nicht über seine Arbeit, bekennt Heiß. Das ist gut zu wissen. Denn es räumt Bedenken aus, ob er der Idee etwas abgewinnen kann, ihn ausdrücklich nicht zu seiner zweiten Amtszeit als Vizepräsident zu befragen, sondern diesmal über anderes, auch Privates zu sprechen.

Also legen wir ihm von den 25 Fragen, die der Schriftsteller Max Frisch 1987 an die TU Berlin stellte, einige vor. Ist er sicher, dass die Erhaltung des menschlichen Geschlechts ihn auch dann noch interessiert, wenn er und alle seine Bekannten nicht mehr sind? „Ich glaube, ja“, antwortet er vorsichtig. Hat die Französische Revolution oder haben technologische Erfindungen wie Elektronik die menschliche Gesellschaft mehr verändert? – „Was fundamentaler ist, schwer zu sagen.“ Ob er sich denken kann, dass der menschliche Geist auf die Selbstvernichtung der Spezies angelegt ist. „Nein“, so Heiß, „denn der menschliche Geist will tätig sein und das steht im Widerspruch dazu, sich selbst vernichten zu wollen“, begründet er seine dezidierte Meinung. Glaubt er an die Freiheit der Forschung trotz technischer Machbarkeit der Apokalypse? Ja, die sei für ihn nicht verhandelbar. „Zu ergründen, wie die Welt funktioniert, sollte immer frei sein. Wie jedoch Forschungsergebnisse in Technologien umgesetzt werden sollen, darüber muss die Gesellschaft diskutieren.“ Auf Max Frischs Frage, was er als Laie erfunden habe möchte, antwortet Hans-Ulrich Heiß, ein Gerät, mit dem sich der Mensch ganz leicht durch die Lüfte bewegen könne. Denn Fliegen bedeutet für Heiß Freiheit, und unabhängig zu sein ist für ihn elementar. „Das macht im Übrigen auch den Reiz meines Amtes aus, eigenverantwortlich etwas gestalten zu können“, sagt Heiß.

40 Jahre ist er selbst geflogen. 15 war er, als er mit dem Segelfliegen begann. Er erinnert sich noch genau, wie er es genossen hat, das erste Mal ganz allein aufzusteigen – angstfrei sei er gewesen –, und wie sich dieses Gefühl von Freiheit einstellte. Als Abiturient stand er vor der Frage: Pilot oder Wissenschaftler? Pilot wurde er nicht, weil sich Anfang der 1980er-Jahre abzeichnete, dass dieser künftig nur noch ein besserer Gehilfe des Autopiloten sein wird. Das war Heiß entschieden zu wenig Autonomie. Die Unabhängigkeit, die er braucht, bot sich ihm dann doch nur in der Forschung. Er entschied sich für eine wissenschaftliche Karriere und studierte Informatik. Dass er sich dennoch ein Leben ohne Computer vorstellen kann, verblüfft. „Es hätte einige Unbequemlichkeiten zur Folge, aber ob das Leben an Qualität so viel verlieren würde, gäbe es den Computer nicht, wer weiß das schon“, sagt Hans-Ulrich Heiß mit souveräner Lässigkeit.

Freiheit ist im Leben des bekennenden Europäers eine entscheidende Konstante, Musik auch. Er hatte Klavierunterricht von klein auf, verausgabte sich als Schüler in einer Rockband, findet Ten Years After und Deep Purple „cool“, mag Jazz und liebt Barockmusik. „Barockmusik geht immer, schon am Morgen.“

Danach befragt, was er richtig gut kann, abgesehen von seiner Arbeit als Vizepräsident und Professor für Informatik, nennt er sein Abstraktionsvermögen und verweist auf seinen „analytischen Verstand, der gern in Strukturen denkt“. Er könne auch gut zuhören, aber nicht gut streiten, und „aus mir herausgehen, na ja, da habe ich so meine Grenzen“.

Dann ist das Gespräch wieder beim Fliegen und beim Segelsport. Heiß erzählt, wie das ist, wenn er das Boot durch hohe Wellen steuert, wie ihn dieses „Zwiegespräch“ mit den Elementen fasziniert, und da gerät er, der zuvor ganz ruhig dagesessen hatte, plötzlich in Bewegung.

Sybille Nitsche "TU intern" April 2014

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