direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Inhalt des Dokuments

Forschung

Schiffbruch mit Navi?

Freitag, 17. Juni 2016

TU-Professorin erforscht die Auswirkungen des Einsatzes von digitalen Orientierungssystemen beim Segeln

Sensorenbrille und Multifunktionsdisplay sollen der Skipperin helfen, sicher ans Ziel zu kommen
Lupe

Wenn Gisela Müller-Plath die Leinen ihres Segelbootes „Mary Read“ festmacht, liegt kein Sonntagsausflug hinter ihr, sondern ein Forschungstörn. Die Professorin für Psychologie Neuer Medien und Methodenlehre am Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft der TU Berlin untersucht mit ihrem studentischen Team auf der „Mary Read“, wie sich der Einsatz sogenannter digitaler Multifunktionsdisplays (MFDs) beim Segeln auf Skipper auswirkt. Erweitern sie die Fähigkeiten ihrer Nutzerinnen und Nutzer oder schränken sie diese ein? MFDs dienen der effizienten Navigation und vereinen unter anderem GPS-Kartenplotter, Winddaten, Echolot und Radar auf nur einem Display. Was zum leichteren Navigieren beitragen soll, ist spätestens seit dem Unfall der „Vestas Wind“ beim Segelrennen Volvo Ocean Race im Dezember 2014 umstritten. Aufgrund eines Navigationsfehlers fuhr die Jacht der dänischen Crew trotz guter Wetterbedingungen nachts auf ein Riff auf. In der Hochseeregatta-Szene sorgte der Vorfall für Spott, warf aber auch die Frage auf, in welchem Verhältnis der Einsatz digitaler Hilfsmittel zu traditionellen stehen sollte und wie menschzentrierte technische Weiterentwicklungen aussehen könnten. „Warum erleidet eine so hochtechnisierte Jacht mit einer erfahrenen Crew dennoch Schiffbruch?“, fragt Prof. Dr. Müller-Plath, „und welche Rolle spielen diese Mensch-Technik-Interaktionen beim typischen Freizeitsegeln, wo MFDs ebenfalls zunehmend Verbreitung finden, und wie müssen sie gestaltet sein, um zu helfen und nicht zu behindern?“ Im Projekt „Anemos“ (Analyzing Use and Impact of New Media on Sailboats), geht die Psychologin diesen Fragen nach. Zum Projekt gehören Befragungen und Experimente am Seesimulator sowie auf der „Mary Read“. Hierbei kommen verschiedene empirische Methoden zum Einsatz. Sie liefern Ergebnisse darüber, inwiefern die Benutzung elektronischer Seekarten auf winzigen Displays die Raumorientierung und das Situationsbewusstsein der Person am Steuer verändert. Eines der Experimente trägt den Namen „Leistung und Blickverteilung beim Segeln“. Hierbei steuert die Testperson bei gleichbleibenden Bedingungen nacheinander über zwei gleich lange Kreuzkurse: einmal unter Verwendung elektronischer Geräte, das zweite Mal nur mit Kompass und Windanzeiger. Eine Spezialbrille mit Sensoren, die die Testperson trägt, misst das Blickverhalten. „Wir messen die auf das Ziel hin gutgemachte Strecke und die Blickverteilung und können so herausfinden, ob die Geräte die Segelleistung positiv oder negativ beeinflussen“, erklärt Gisela Müller-Plath. Das Team hatte in der ersten Projektphase zunächst interne Testpersonen – die Crewmitglieder – herangezogen. Um valide Daten zu erhalten, die verlässliche Aussagen zulassen, werden in den kommenden Monaten externe Testpersonen, typische Fahrtenseglerinnen und -segler, eingeladen. „Am Ende unserer Arbeit sollen Handlungsempfehlungen beim Einsatz von MFDs für die Segelnden stehen sowie für die Produktionsfirmen von MFDs. Denn die Bedienfreundlichkeit spielt eine große Rolle beim optimalen Einsatz“, fasst Gisela Müller-Plath das Ziel zusammen.

www.tu-berlin.de/?id=157047

Susanne Cholodnicki "TU intern" Juni 2016

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Matomo für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.