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TU Berlin

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Forschung

Sternenstaub am Meeresboden

Mittwoch, 25. Mai 2016

Wie die Astrophysikerin Jenny Feige extraterrestrische Spuren auf der Erde fand

Jenny Feige erhielt den Klaus-Tschira-Preis für verständliche Wissenschaft 2015
Lupe

Schon mit 14 war ihr klar: Ich will Weltraumforscherin werden! Jenny Feige kaufte sich ein Teleskop und erfuhr gleich im Laden, dass man in Wien Astronomie studieren kann, in Deutschland dagegen nur als Nebenfach in Physik. „Dabei ist die Physik unabdingbar in diesem Fach“, lacht die 34-jährige Astrophysikerin heute. Seit 2015 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Astronomie und Astrophysik (ZAA) der TU Berlin. Im November 2014 hatte sie an der Uni Wien mit dem Thema „Supernova-produced radionuclides in deep sea sediments measured with AMS“ promoviert und dafür den Promotionspreis 2015 der Fachgruppe Nuklearchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. erhalten.

Mit Sternenexplosionen, den Supernovae, hatte sich Jenny Feige bereits in ihrer Diplomarbeit beschäftigt, die 2011 mit dem Diplomarbeitspreis der Österreichischen Gesellschaft für Astronomie und Astrophysik ausgezeichnet wurde. Ihr Betreuer, Prof. Dr. Dieter Breitschwerdt, bekam bald einen Ruf an die TU Berlin, doch man blieb in Kontakt. Heute erforschen beide, zusammen mit Dr. Michael Schulreich – der übrigens ebenfalls aus Wien kam –, Spuren, die außerirdische galaktische Ereignisse auf der Erde hinterlassen haben. Insbesondere die Tiefsee hat es Jenny Feige angetan. Dort fand sie, unter anderem in Sedimenten aus dem Indischen Ozean, radioaktive Signale, die zwei bis drei Millionen Jahre alt sind. Damit hatte kaum ein Wissenschaftler gerechnet. Denn unter 1015 Eisenatomen kommt nur ein einziges radioaktives Eisen-60-Atom vor, das es natürlicherweise auf der Erde nicht gibt. So war bewiesen, dass vor etwa zwei bis drei Millionen Jahren Sternenstaub aus einer Supernova auf die Erde gerieselt war. Dieser Erfolg basierte auf langwierigen exakten Messungen per Beschleunigermassenspektrometrie, für die sie internationale Labore in Wien, in Canberra (Australien) und in Dresden nutzen konnte. „Die Mangankrusten und Sedimente Tausende von Metern unter dem Meeresspiegel haben ein Langzeitgedächtnis, das hat sich hier bewiesen. Man nennt sie daher auch ,Tiefsee-Archive‘ “, erklärt Jenny Feige. „Radioaktive Teilchen von anderen Sternen, die bei einer Sternenexplosion ins Weltall geschleudert werden, zum Beispiel das Eisenisotop 60Fe, lagern sich dort ab und sind noch lange zu finden, weil sich die Sedimente und Krusten in der Tiefsee viel langsamer verändern als die Erdoberfläche.“ In ihrem Artikel „Astronomie unter dem Meer“ erklärte sie die Zusammenhänge so wissenschaftlich korrekt und gleichzeitig allgemein verständlich, dass ihr vor Kurzem der „Klaus-Tschira-Preis für verständliche Wissenschaft 2015“ in Physik zuerkannt wurde. In der Zukunft möchte sich Jenny Feige gern mit der Frage beschäftigen, welches die genaue Herkunft des Sternenstaubs und des auf der Erde auffindbaren Signals ist. Unsere Sonne übrigens, beruhigt Jenny Feige, wird zwar in einigen Milliarden Jahren ausbrennen, aber sie wird nicht in einer Supernova explodieren. Dazu ist sie viel zu klein.

Patricia Pätzold "TU intern" Mai 2016

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