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Forschung

Wir brauchen alle Menschen für das große Abenteuer

Mittwoch, 25. Mai 2016

David Miller und Ellen Stofan erklären im Interview, warum sie weltweit für die Marsmission werben – und welchen Beitrag Frauen leisten können

David Miller
Lupe
Ellen Stofan
Lupe

Warum wollen wir Menschen überhaupt zum Mars?

Ellen Stofan: Einmal ist es die Neugier der Menschheit: Sind wir allein im Weltall? Gibt es noch Leben innerhalb oder außerhalb unseres Sonnensystems? Wie viele bewohnte Planeten sind dort draußen? Und wie erkennen wir sie? Doch, was Wissenschaft von Science-Fiction unterscheidet: Wir suchen keine Aliens, sondern Lebensformen, um sie zu studieren und schließlich das Leben auf unserem Planeten besser zu verstehen. Zunächst schauen wir nach Wasser als Grundlage für Leben, wir schauen, ob sich etwas verändert. Die meisten der bereits bekannten Planeten und Planetensysteme bestehen zum Beispiel nur aus Gas. Der Marsrover „Curiosity“ aber hat uns gezeigt, dass es auf dem Roten Planeten für Millionen von Jahren Wasser gab. Ein zweiter wichtiger Grund ist natürlich: Die Erde und damit das Leben der Menschen auf der Erde verändern sich, zum Beispiel durch den Klimawandel. So bleibt es eine gute Idee, zu schauen, ob der Mensch auch außerhalb der Erde leben könnte. Eine Reise zum Mars könnten wir nach derzeitigem Stand der Technik innerhalb von zwei Jahren bewältigen: acht Monate hin, acht Monate Aufenthalt, acht Monate zurück. Dort können wir viele wichtige Tests für das Leben im Weltraum durchführen, wie die zu Auswirkungen von Strahlung, Sand und Staub auf das Equipment und die Gesundheit der Astronauten.

Wann genau hoffen Sie, den Mars mit einer bemannten Mission zu erreichen?

Stofan: Die kommenden Dekaden sind dem Sammeln weiterer Informationen und der Entwicklung weiterer Technologien gewidmet. Wir werden viel von den Erfahrungen und Experimenten an Bord der International Space Station (ISS) profitieren, wie wir in der Vergangenheit viel von den Apollo-Missionen profitiert haben. Drei Schritte markieren den geplanten Weg der Astronauten: hinfliegen, landen und sich dort aufhalten, gesund zurückkommen. Dafür brauchen wir die Hilfe der ganzen Welt. Der erste bemannte Flug zum Mars soll in den frühen 2030ern stattfinden. Wir werden zunächst im Orbit bleiben, den Mars umrunden. Landen werden wir dann erst später.

Vor welche Herausforderungen stellt es die NASA noch, den Mars zu erreichen?

David Miller: Wir benötigen noch mehr Informationen über Kommunikationssysteme, Transportsysteme, Systeme, die die Bewohnbarkeit einer lebensfeindlichen Umgebung sicherstellen, und auch darüber, wie der Mensch im tiefen Weltraum überleben kann ohne Gesundheitsprobleme, psychologische wie physiologische. Wir müssen lernen, wie wir Menschen vor Strahlung schützen können, vor den Auswirkungen der Schwerelosigkeit und wie wir ihre physische und psychische Gesundheit erhalten können.

Welche Vorarbeiten sind schon geleistet worden?

Miller: Die NASA hat die Aufgabe, die Entdeckungsfahrten der Menschen zu begleiten, zum Beispiel die ISS-Missionen im Erd-Orbit zur Erkundung des Sonnensystems. Wir haben bereits mehr als 25 Jahre Erfahrung mit dem astrophysikalischen Teleskop „Hubble“, das uns schon viele Messungen und Einblicke in die Gegebenheiten im Weltraum erlaubt hat. Das 2009 gestartete Weltraumteleskop „Kepler“ hat schon Hunderte von Exoplanetensystemen gefunden. Bei vielen davon würde sich die Untersuchung auf extraterrestrisches Leben wahrscheinlich lohnen. Zusammen mit anderen Nationen und internationalen Wissenschaftlern, zum Beispiel mit der ESA, testen wir Systeme, die die Marsmission ermöglichen werden. Unsere Aufgabe ist es ebenso, Weltraum-Technologien für die Entdeckung und Erforschung des Universums zu entwickeln, zum Beispiel sichere, effiziente und umweltfreundliche Systeme für den Transport in den Weltraum. Das nächste Ziel ist es, die planetare Unabhängigkeit zu erreichen, indem wir den Mars, seine Monde und weitere Ziele im tieferen Weltraum erreichen und untersuchen und damit die Unabhängigkeit von der Erde anstreben. Dabei steht die Sicherheit ganz besonders im Fokus – vom Mars aus kann man nicht so einfach einen telefonischen Hilferuf absetzen. Ruft man „Hallo?“, kann es bis zu vierzig Minuten dauern, bevor jemand antwortet: „Ja?“ Und von allen diesen Erkenntnissen profitiert die Menschheit schon heute. Eins von vielen Beispielen ist die Astronautennahrung. Ein Nahrungszusatz, der für Astronauten entwickelt wurde, hat heute Eingang in 95 Prozent aller weltweiten Babynahrungsprodukte gefunden.

Was versprechen Sie sich von dem Besuch in Deutschland?

Stofan: Unser Besuch hier in der Technischen Universität hat uns gezeigt, dass sich unsere Hoffnungen erfüllen, die wir in die nächste Generation setzen. Hunderte von technikinteressierten Studierenden haben unserem Vortrag zugehört und haben großartige Fragen gestellt. Sie sind diejenigen, die unsere Missionen vorantreiben werden.

Wie viel Geld wird benötigt, um den Mars zu erreichen?

Miller: Wenn wir sagen, dass wir Hilfe benötigen, bezieht sich das nicht nur auf eine finanzielle Unterstützung. Wir brauchen die Expertise, die Forschungskraft, die innovativen Menschen weltweit, die uns helfen, dieses Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Die ISS, die ESA, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR sind in der Vergangenheit sehr verlässliche wissenschaftliche Partner gewesen und wir hoffen, dass das in Zukunft so bleibt.

Stofan: Einen konkreten Betrag kann man gar nicht nennen. Wir sind gerade dabei, durch die internationale Zusammenarbeit Doppel- und Dreifachausgaben zu vermeiden. Es muss leistbar bleiben. Natürlich spielen bei der Voraussage, dass wir innerhalb der nächsten 20 Jahre in der Lage sein werden, zum Mars zu fliegen, auch monetäre Aspekte eine Rolle. Wir müssen erst die Mittel aufbringen.

Als technische Universität sind wir sehr daran interessiert, gerade Frauen für Technik und Naturwissenschaft zu interessieren. Dafür ist es notwendig, auch Führungspositionen in Aussicht stellen zu können. Dr. Stofan, Sie haben eine sehr hohe Führungsposition erreicht. Welche Widerstände mussten Sie persönlich überwinden?

Stofan: Ich hatte das Glück, dass ich sehr stark ermutigt wurde, von meinen Eltern, Lehrern und anderen Menschen, die ich im Verlauf meiner Karriere getroffen habe. Die Forschung hat gezeigt, dass das ein sehr wichtiger Punkt ist, Mädchen zu ermutigen. Wenn man in einer Umgebung ist, und niemand sieht so aus wie du, bist du leicht entmutigt und fragst dich: „Gehöre ich wirklich hierher?“ Ich bin oft in einer Situation, dass ich, wenn ich in ein Meeting gehe, dort 45 Personen vorfinde und nur drei sehen aus wie ich. So war die größte Schwierigkeit in meiner Karriere immer wieder, das Selbstbewusstsein aufzubringen, mir zu sagen: „Ja, ich gehöre hierher. Ich habe hier einen wichtigen Beitrag zu leisten.“ Deshalb kann ich aus eigener Erfahrung die Forderung unterstreichen, jungen Mädchen früh von allen Seiten deutlich zu machen: „Du gehörst hierher. Du hast etwas Wichtiges beizutragen!“ Um den Herausforderungen der Menschheit zu begegnen, brauchen wir die Beiträge aller Typen von Menschen, aller Rassen, aller Charaktere und Persönlichkeiten und aller Geschlechter.

Vielen Dank!

Das Gespräch führte Patricia Pätzold

"TU intern" Mai 2016

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