direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Inhalt des Dokuments

Hochschulpolitik

Viertelparität, Innovationsprofessuren und neue Möglichkeiten in der Exzellenzinitiative

Mittwoch, 25. Mai 2016

TU-Präsident Christian Thomsen im Interview

Seit zwei Jahren ist Christian Thomsen Präsident der TU Berlin. „Ich war sehr überrascht, wie gut und positiv Initiativen an der Universität angenommen werden“, sagt er heute
Lupe

Die Versorgungskasse des Bundes und der Länder (VBL) zahlt an Berlin und dessen öffentliche Unternehmen 410 Millionen Euro zurück. Die TU Berlin bekommt 9,3 Millionen. Was tun wir damit?

Christian Thomsen: Unserem Haushalt fehlen rund zehn Millionen Euro. Diese sogenannte Pauschale Minderausgabe auf rund fünf Millionen zu reduzieren, ist naheliegend und nur gerecht. Damit gäbe es Erleichterungen beim Personal. Wir könnten mehr Assistentinnen und Assistenten einstellen, das kommt wiederum der Lehre zugute. Auch in der Verwaltung verschaffen wir uns mehr Luft und beheben Engpässe. Wir sollten aber auch investieren. Eine Möglichkeit wäre die Zusammenlegung der Werkstätten, die langfristig strukturelle Effekte hat, wobei jedoch die eigentliche Zusammenlegung Kosten verursacht. Wir laden die Fakultäten ein, sich zu beteiligen. Eine Grundvoraussetzung für die Reduktion der pauschalen Minderausgabe ist – das betone ich immer wieder –, dass die finanziellen Reserven der Fakultäten nicht steigen. Eine größere Rücklage ist nicht gut eingesetztes Geld.

Wie schätzen Sie die Gespräche zur Exzellenzinitiative mit Ihren Kollegen ein? Was tun wir, um uns vorzubereiten?

Zum einen werden die Exzellenzcluster in ähnlicher Form wie jetzt weitergeführt. Unsere Forscherinnen und Forscher sind dafür aktiv. Wir haben einen Exzellenz-Beirat unter Federführung der Vizepräsidentin Christine Ahrend einberufen und konzentrieren uns jetzt auf die Projektideen, die wir zur Antragstellung empfehlen wollen. Wie die Förderlinie für Verbundanträge aussehen wird, war lange ungewiss. Nun gibt es sie. Ich möchte mich ausdrücklich bei Senatorin Sandra Scheeres und Staatssekretär Steffen Krach bedanken, die sich in der Gemeinsamen Wissenschaftskommission für diese Förderlinie eingesetzt haben. Verbünde müssen zeigen, dass sie besser sind als die Summe der einzelnen Einrichtungen. Hier sehe ich für Berlin großes Potenzial. Wir sitzen mit den anderen Präsidenten seit einiger Zeit zusammen, um das zu diskutieren und intensiv zu prüfen. Die Berliner Universitätspräsidenten und der Vorstandsvorsitzende der Charité sehen das Potenzial für eine Verbundbewerbung.

Vor zehn Monaten haben Sie mit dem Regierenden Bürgermeister den Berliner Kreis zur Digitalisierung gegründet, und Anfang Dezember 2015 legten Sie die 10-Punkte-Agenda vor. Ziel waren 30 neue IT-Professuren. Wie ist der Stand heute?

Das Projekt hat sich in erstaunlicher Geschwindigkeit so entwickelt, dass wir einen beträchtlichen Anteil der Finanzierung für ein großes Digitalisierungsprojekt aus der Wirtschaft bekommen haben. Kürzlich konnten wir mit allen Berliner Universitäten und der Charité unter Federführung der TU Berlin einen Förderantrag bei der Einstein Stiftung einreichen. Das Projekt sieht vor, knapp 50 zusätzliche Professuren, also außerhalb der existierenden Struktur, zu generieren. Sie werden über die Universitäten verteilt, allerdings auch mit einem sichtbaren Schwerpunkt an der TU Berlin. Im Juli wird das neue Einstein-Zentrum Digitale Zukunft begutachtet, sodass sich im Spätsommer Genaues sagen lässt.

2013 beschloss der Erweiterte Akademische Senat die Viertelparität. Zur Umsetzung kam es nicht. Jetzt steht das Thema wieder auf der Tagesordnung. Wie geht die TU Berlin damit um?

Es ist ein großer Unterschied, ob man viertelparitätisch oder mit bisheriger Zusammensetzung die Gremien leitet. Die Beschlussfassung vor drei Jahren erfolgte ohne Diskussion in der TU Berlin. Es ist ein ordnungsgemäß zustande gekommener Beschluss, aber er wurde nicht von außerhalb des Erweiterten Akademischen Senats getragen. Ich halte eine weite universitätsöffentliche Diskussion darüber für wünschenswert und angemessen und habe das auch angestoßen. Im Juni und Juli werden wir die Stellungnahmen des Akademischen Senats und des Kuratoriums hören und danach den Erweiterten Akademischen Senat einberufen. Dieses Gremium fällt die Entscheidung – sicherlich nicht nur über die Viertelparität, sondern auch über weitere Änderungen in unserer Grundordnung. Dies wird sich jetzt konkretisieren.

Sie wollen Innovationsprofessuren als neues Instrument einführen. Wie geht es damit weiter?

Mit den zusätzlichen Innovationsprofessuren wollen wir der Universität die Möglichkeit eröffnen, Themen zu besetzen, die nicht schon durch den Strukturplan festgelegt sind. Nach meiner Vorstellung können die Fakultäten wettbewerblich Anträge stellen und damit ein Thema definieren und besetzen, das sie für wichtig in Forschung und Lehre erachten. Es gibt hier die Chance auf etwas Neues, und dafür benötigt man inhaltlich nicht belegte Hochschullehrerstellen. Darüber hinaus diskutiert das Präsidium, wie die Anzahl von sechs Innovationsprofessuren kontinuierlich erhalten werden kann. Wir erarbeiten auch einen Vorschlag zur Verbesserung der Berufungsqualität, der Ausschreibungen und der Zuweisungsanträge, die mit einer freieren Zweckbestimmung der Fachgebiete verbunden sind. Wir erhoffen uns die Unterstützung durch die Senatsverwaltung, die ja tendenziell stark an den Strukturplänen festhält. Das halte ich für nicht mehr zeitgemäß. Es ist moderner, sich innerhalb von Rahmenbedingungen zu bewegen, die zum Beispiel durch Lehre und allgemeine Strukturargumente gegeben sind. Wir sollten dies freier tun können als bisher.

Welche Themen haben Sie für die nächsten Monate auf der Agenda?

Die Umsetzung des bereits erwähnten Einstein-Zentrums Digitale Zukunft wird ganz wichtig sein. Zum einen betrifft dieses Thema nicht nur eine einzelne Fakultät, sondern die gesamte universitäre Landschaft. Wir freuen uns, dass wir Odej Kao aus der TU Berlin als Sprecher des beantragten Zentrums gewinnen konnten. Dieses Projekt werde ich eng verfolgen. Ein weiteres Thema sind die nächsten Hochschulverträge. Vorgespräche dazu werden noch vor der Sommerpause stattfinden. Konkret verhandelt wird dann nach den Berliner Wahlen im Herbst. Das wird sicher ein Jahr lang auf der Tagesordnung sein. Die Exzellenzinitiative ist in Bezug auf die Exzellenzcluster ein stärker von unseren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geleiteter Prozess, der unterstützt werden muss. Die Verbundlösung – sollte sie zustande kommen – wird auch zentral sehr viel Zeit und Energie in Anspruch nehmen, um einen erkennbaren Vorteil für alle bei gleichzeitiger Erhaltung des Profils der eigenen Einrichtung herzustellen.

Sie sind zwei Jahre im Amt. Welche Themen haben Sie sich als Präsidentschaftskandidat nicht so vorgestellt?

Etwas, das ich damals schon erkannte, was aber noch der konkreten Umsetzung bedarf, ist unser Campus-Management, das SAP-Projekt. Es ist eine schwierige Aufgabe – schwierig für die Leitung, aber genauso schwierig für alle TU-Beteiligten, weil sie alle mitziehen und alle etwas Neues lernen müssen. Ich freue mich sehr auf die ersten tatsächlich funktionierenden Elemente, die wir im Herbst für das Student Lifecycle Management und etwas später für die anderen Bereiche der Verwaltung avisieren. Ein zweiter Punkt: Mir war damals nicht klar, wie gut und wie positiv Initiativen wahrgenommen werden. Ein Präsident kann immer nur „anstoßen“ und sagen: „Warum nicht dies? Versucht doch das!“ Ich war überrascht, wie gut Vorschläge aufgegriffen werden. So haben sich zum Beispiel viele TU-Mitglieder für Geflüchtete engagiert, und wir sind jetzt beispielhaft in Deutschland. Das war nicht vorhersehbar. Dafür bin ich allen sehr dankbar und sehr stolz auf die TU Berlin.

Die Fragen stellte Stefanie Terp

"TU intern" Mai 2016

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Matomo für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.