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Ein Kilobyte Programm

Mittwoch, 25. Mai 2016

Wie TH-Alumnus Konrad Zuse vor 75 Jahren den Computer erfand

Horst Zuse, Sohn des berühmten Computererfinders, führt derzeit einen Nachbau im Technikmuseum vor
Lupe

Konrad Zuse war kein Mathematiker. Das war sicherlich einer der Gründe, warum sich der Ingenieur das Rechnen erleichtern wollte. So erfand er vor 75 Jahren den Computer und leitete damit die digitale Revolution ein, die die Welt seitdem verändert hat und weiterhin fundamental verändert.

Schon in seiner Jugend interessierte sich Zuse für Technik. Er reparierte Fahrräder und konstruierte mit einem Stabil-Metallbaukasten verwegene Maschinen. 1928 schrieb er sich an der Technischen Hochschule Berlin ein, um Maschinenbau zu studieren und schließlich Erfinder zu werden. Schon bald aber wechselte er zur Architektur, denn auch im Zeichnen war er sehr begabt, entschied sich aber schließlich für das Bauingenieurwesen. Er erfand ein automatisches Fotolabor, ein elliptisches Kino und einen geldwechselnden Warenautomaten, bis er seine Talente in das Objekt investierte, das sein Leben begleiten sollte: eine programmgesteuerte Rechenmaschine. Im ersten Modell, der „Z1“, im elterlichen Wohnzimmer entstanden, im Krieg zerstört und von ihm selbst 1989 wieder rekonstruiert, waren bereits alle wichtigen Bausteine eines Computers realisiert. Was heute das Programm ist, nannte Zuse 1936 „Rechenplan“. Es wurde per Lochstreifen – aus Filmmaterial – eingespeist. Und die Rechenmaschine hatte einen Motor – konnte aber mit einer Kurbel notfalls auch von Hand betrieben werden. Doch die Maschine, die als der erste betriebsfähige, programmgesteuerte und vollautomatische Computer der Geschichte gefeiert wird, ist die Version „Z3“. Sie entstand in seinem ersten, kleinen eigenen Büro 1940/41 in Berlin und wurde am 12. Mai 1941 erstmalig einer ausgewählten Gruppe von Forschern präsentiert. Es war eine elektrische Konstruktion, deren Programmablauf immer noch von einem Zelluloid-Lochstreifen gesteuert wurde und die dann mit Unterstützung einer Fernmeldefirma gebaut wurde. Der erste wirtschaftliche Erfolg kam 1950, als die Firma Zuse KG, die sich nach dem Krieg ins Allgäu zurückgezogen hatte, die Weiterentwicklung „Z4“ an der ETH Zürich installierte. Der „Z4“ blieb als erster funktionierender kommerzieller Computer weltweit bis 1955 in Zürich in Betrieb. Mit dem „Z4“ ist auch noch eine weitere historische Besonderheit verbunden. Sie wurde von Ursula Walk programmiert, der ersten deutschen Programmiererin. Sie erstellte in Zuses Ingenieurbüro in Hopferau bei Füssen Rechenpläne – die Vorläufer der heutigen Programme – im Code des „Z4“ mit 35-mm-Filmstreifen. Ursula Walk verstarb in diesem Jahr 91-jährig in Essen.

Erstmalig elektronisch gesteuert wurde dann 1957 der „Z22“. Monatelang hatte man im schwäbischen Neukirchen in einem zum Labor ausgebauten ehemaligen Stall getüftelt, bis der „Z 22“ zum Leben erwachte. Sie musste fertig werden, denn sehr ungeduldig wartete der erste große Kunde in Deutschland auf die elektronische Rechenanlage: die Technische Universität Berlin. Im Januar 1958 war es endlich so weit. Der erste TU-Rechner las das Grundprogramm ein. Sein Umfang: ein Kilobyte! Im Deutschen Technikmuseum präsentiert Prof. Dr. Horst Zuse noch bis Mitte Juni 2016 den Nachbau des „Z3“, des ersten Computers der Welt. Das Zuse-Institut Berlin hat eine Vorlesungsreihe zum Thema gestartet.

Zur Langen Nacht der Wissenschaften lässt Horst Zuse in der „Großen Wissenschaftsshow“ im Audimax der TU Berlin mit dem Vortrag „Mit Zuse in die Zukunft – der Beginn des Computerzeitalters“ die Anfänge des Computers wieder lebendig werden. Beginn: 18 Uhr

www.lndw.tu-berlin.de/programm

Patricia Pätzold "TU intern" Mai 2016

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