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Menschen

„Wir sind keine Weltverbesserer, aber wir zeigen Wege“

Donnerstag, 18. Februar 2016

Wir sind TU Berlin: Ehrung 2015

Baris Ünal und Katharina Kube entwickelten das Programm für Geflüchtete „In(2)TU Berlin“ mit

Baris Ünal und Katharina Kube
Lupe

Geflüchteten so unbürokratisch wie möglich eine erste Anlaufstelle bieten, ihnen eine Chance geben, sie nicht für Wissenschaft und Gesellschaft verlieren – das war die Aufgabe, die der Leiter des Studierendenservice Abraham van Veen sich und seinem Team stellte. Heraus kam „In(2)TU Berlin“, ein Programm – ambitioniert und eigentlich unmöglich –, in dem Geflüchtete Deutsch lernen und Seminare besuchen können, noch bevor sie ein reguläres Studium aufnehmen dürfen. Dass es dann doch ging, ist allen voran den beiden Studienberatern Baris Ünal und Katharina Kube zu verdanken. In vielen Stunden, unermüdlich, in vielen Gesprächen entwickelten sie Konzepte für die Beratung von jungen Menschen, die kaum die ihnen fremde Landessprache sprechen, die noch nicht wissen, wohin, die oft überfordert und traumatisiert sind. Das begeisterte auch den Berliner Senat, und er machte sofort Geld locker, stellte rund 370 000 Euro für die Kurse zur Verfügung. Für die Studienberater auch eine ganz neue Klientel, mit einem besonderen Hintergrund, mit einer besonderen Problemlage.

„Eigentlich machen wir bei ,In(2)TU Berlin‘ nichts anderes, als das, was ohnehin unser Kerngeschäft ist: Wir fangen auf …“, erzählt die 29-jährige Studienberaterin Katharina Kube, „aber wir können Strukturen erklären, Hilfestellung geben und zeigen: ,Wir stehen euch zur Seite und zeigen euch einen Weg.’“

„Dabei ist zunächst die individuelle Einzelberatung wichtig. Die Studienberatung der TU Berlin hat damit als Erstanlaufstelle auch eine besondere Rolle in der Hochschullandschaft“, ergänzt ihr Kollege Baris Ünal, der auch die TU-Infotage betreut. In der Konzeptionsphase habe sie natürlich immer wieder die Frage umgetrieben: „Können wir das schaffen?“ Doch dann wurde angepackt – und die Sache funktionierte. „Die Leute sind gut vernetzt, die Kunde verbreitete sich fast von allein, nachdem der Präsident in einem Interview darauf aufmerksam gemacht hatte“, erzählen Baris und Katharina. Die Leute kämen mit ganz unterschiedlichen Vorkenntnissen, wer kein Deutsch und kein Englisch könne, bringe jemanden mit.

246 Erstgespräche haben die beiden seitdem geführt, 116 Personen besuchen bereits im Programm „In(2)TU Berlin“ Vorlesungen, 25 Personen haben mit dem Deutschkurs des Studienkollegs begonnen, 25 weitere werden am 1. März beginnen.

Sie seien keine „Weltverbesserer“, betonen die beiden Studienberater, es handele sich auch nicht um ein „Mitleidsprogramm“, sondern es seien kluge und sehr gut zu dem Angebot der TU Berlin passende Leute, die zu ihnen kommen, die teils bereits mit einer akademischen Ausbildung begonnen haben, die sie dann kriegsbedingt abbrechen mussten, und die nun an der TU Berlin ein neue akademische Heimat finden.

Von den Kolleginnen und Kollegen wird die Leidenschaft und Leistungsbereitschaft der beiden unterstrichen, ohne die das Programm nicht in so kurzer Zeit derart viel Zuspruch erhalten hätte. Das habe sich auch an dem von den beiden kurzfristig organisierten „Tag der Menschenrechte“ gezeigt, bei dem Geflüchtete und TU-Mitglieder sowie weitere Interessierte Kontakt aufnehmen konnten.

Baris Ünal (38) studierte an der FU Berlin Publizistik und arbeitete seit 2003 zunächst als studentischer Mitarbeiter in der Studienberatung der FU, seit 2011 ist er als Studienberater an der TU Berlin.

Katharina Kube ist im November 2014 an die TU Berlin gekommen. Doch mit Studium und Beruf hatte sie schon vorher zu tun. Nach ihrem Bachelor in Anglistik und Germanistik an der TU Dresden hat sie einen Master an der HU zu Berlin in Europäischer Literatur gemacht. Danach arbeitete sie bei TU9, dem Verband der neun führenden technischen Universitäten in Deutschland, als Beraterin für internationale Studieninteressierte. Ihr gemeinsames Ziel ist es, den umfangreichen Service der Universität für Ratsuchende durchschaubar zu machen, die grundlegende Frage „Wohin soll ich mich wenden?“ zu beantworten, damit Interessierte sich von der großen, übermächtig wirkenden Institution Universität nicht abschrecken lassen und ihnen schließlich „durch die Lappen gehen“.

Aktiv sind die beiden auch in ihrer Freizeit. Baris Ünal hat einen kleinen Sohn, der viel Aufmerksamkeit fordert. Doch es bleibt ihm noch Zeit, als ehrenamtlicher Schöffe beim Jugendgericht Tiergarten tätig zu sein und in der Jury des Schülerstipendiums „grips gewinnt“ der Joachim-Herz-Stiftung. Katharina treibt viel Sport. Neben dem Radsport ist das Klettern ihr Favorit, vor allem das Bouldern – das Klettern ohne Seil –, das sie in einer Halle in Pankow betreibt.

Patricia Pätzold

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