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Bücher aus der TU Berlin

Dienstag, 08. Dezember 2015

Lupe

Weiter Blick über 2000 Jahre

Rund 500 Seiten hat das Buch „Die Welt zur Zeit Jesu“ von Werner Dahlheim. Und es lohnt sich, dieses Geschichtsbuch von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen. Das lehrreiche – nicht belehrende – Buch öffnet den Blick für Zusammenhänge der Weltgeschichte, für die politischen und kulturellen Entwicklungen einer Zeit, die die Entfaltung und Verbreitung der großen Religionen begünstigte und die einen Wendepunkt unserer Geschichte markiert. Dabei stehen die Spuren eines Mannes im Mittelpunkt, der, obwohl kein Politiker, so doch ein Mensch war von unermesslichem Einfluss auf die Kunst, die Literatur, die Philosophie und auf die gesamte Historie der Menschheit in den letzten 2000 Jahren: Jesus von Nazareth.

Für dieses Werk erhielt Werner Dahlheim, emeritierter Professor für Alte Geschichte der TU Berlin, am 28. November 2015 im Deutschen Historischen Museum den mit 15 000 Euro dotierten Golo-Mann-Preis für Geschichtsschreibung, den die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ermöglicht. In der Begründung der Jury heißt es: „Der Althistoriker Werner Dahlheim nimmt den Leser mit auf eine Reise in den Orient unter römischer Besatzung. Anschaulich und stilistisch auf hohem Niveau schildert er mit erzählerischer Kraft ein großes Panorama der Zeit und der Umwelt Jesu. Dahlheim beherrscht die Kunst, Strukturen literarisch anspruchsvoll darzustellen. Das opulente Werk findet nicht nur Antworten auf wichtige Fragen zum Alltagsleben im Imperium Romanum: Wie lebten die Römer und welche Götter beteten sie an? Wie wurde die römische Fremdherrschaft in Palästina organisiert? Werner Dahlheim nimmt sich auch der großen Fragen der Kirchengeschichte an: Wie wurde der Wanderprediger Jesus aus Nazareth zum Christus, das heißt zum Messias einer kleinen jüdischen Gruppe, die nach und nach immer mehr Anhänger anzog? Unter welchen Bedingungen vollzog sich der Bruch zwischen Judentum und Christentum? Was waren die zeitgenössischen Kontexte der biblischen Wundergeschichten?“ Auf überzeugende Weise gelingt ihm so der Blick zurück auf eine Zeit, in der Wunder und das böse Treiben von Dämonen genauso zum Alltag der Menschen gehörten wie die Heilverfahren der Medizin.

Werner Dahlheim: Die Welt zur Zeit Jesu, Verlag C. H. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-65176-2


Helden und Märtyrer

Ebenfalls mit Jesus befasst sich Henrike Zilling. Das verwundert nicht, war sie doch Doktorandin des TU-Professors Werner Dahlheim (siehe auch Artikel rechts). Doch Zilling nimmt ein anderes Thema in den Fokus. Sie betrachtet vorchristliche literarische Helden wie Odysseus und Herakles und fragt, welchen Einfluss die Darstellung dieser Heroen auf die christliche Märtyrer- und Heldentypo logie hatte. Nicht nur Jesus entsprach dieser in weiten Teilen, sondern auch seine Jünger und Nachfolger, die in den 300 Jahren nach ihm, aller Unbill, aller Bedrohung, Gefangenschaft und Folter zum Trotz, an ihrer Mission festhielten, aus einer kleinen jüdischen Sekte eine Weltreligion zu etablieren. Das Buch „Jesus als Held“ ist eine Überarbeitung der Habilitationsschrift von Henrike Zilling. Zentrale Elemente sind die Gottessohnschaft, die auch Herakles auszeichnet, der Stellvertretertod zum Wohle der Gemeinschaft, das Martyrium am Mast beim zentralen Sirenenabenteuer des Odysseus, das für diesen das Überleben sicherte, während das Kreuz für Jesus eine Durchgangsstation auf dem Weg zum ewigen Leben war, und sie untersucht viele weitere parallele Motive, Deutungen und Umdeutungen antiker Heldenverehrung. Die Historikerin zeigt zentrale Verbindungspunkte nichtchristlicher und christlicher Heldentradition auf. Sie verfolgt und durchleuchtet damit den Transformationsprozess älterer literarischer Motive, auf denen die christlichen Märtyrer- und Heiligenfiguren nach ihrer Auffassung basieren.

Henrike Maria Zilling: Jesus als Held. Odysseus und Herakles als Vorbilder christlicher Heldentypologie, Verlag Ferdinand Schöningh Paderborn 2011, ISBN 978-3-506-77236-7


Migranten starten Unternehmen

Wirtschaftliche Aktivitäten und gesellschaftliches Engagement von Migranten geraten wieder zunehmend in den Fokus von Politik, Forschung und Medien. Zwar wird die wachsende Konzentration von Einwanderern in deutschen Städten durchaus kontrovers diskutiert, doch es werden zunehmend auch die Potenziale gesehen: ein zunehmender Anteil an der Gesamtwirtschaftsleistung, die Sicherstellung der Grundversorgung in benachteiligten Stadtteilen, als Arbeitgeber und Anbieter von Ausbildungsplätzen, als Standortfaktor und Imageträger sowie als sozialer Treffpunkt und Informationsbörse für Einwanderer. Paul-Martin Richter vom Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin hat migrantisches Unternehmertum, gesellschaftliches Engagement von Unternehmen und von Migranten und Migrantinnen untersucht, um eine erste Annäherung an ein aktuelles und zugleich komplexes Thema zu finden. Empirische Befunde zu diesen zentralen Untersuchungsgegenständen hat er in einer Fallstudie zusammengeführt. Dabei kommt er zu einer erstaunlichen – aber möglicherweise zu der entscheidenden – Erkenntnis: Eine „ethnische Ökonomie“ als Kategorie existiert aus seiner Sicht nicht. Der Volltext ist downloadbar.

Paul-Martin Richter: Möglichkeiten und Grenzen gesellschaftlichen Engagements migrantischer UnternehmerInnen Universitätsverlag der TU Berlin, 2015
URN urn:nbn:de:kobv:83-opus4-62650
ISBN 978-3-7983-2712-2


Kunst im NS-Staat

Welche Rolle haben Künstler, welche Rolle hat die Kunst für das NS-Regime gespielt? Mit „Blut und Boden“-Ideologien, mit volkhafter Dichtung im Dritten Reich und insgesamt mit dem Einfluss, den die nationalsozialistische Kultur auf Literatur, Bildende Kunst, Theater, Bühne, Film und auch Architektur genommen hat, beschäftigt sich ein neues Buch aus dem Metropol Verlag. Welchen Verlockungen und welchen Zwängen unterlagen die Künstlerinnen und Künstler des Dritten Reichs und wie gingen sie damit um? Welche Freiräume gab es? Die Analyse der Autoren kulminiert schließlich in der Frage: Gibt es eine spezifisch „nationalsozialistische Kunst“? Und welches Vakuum hinterließen die emigrierten beziehungsweise mit Berufsverbot bedachten Künstler? Der Band fasst die Ergebnisse einer Veranstaltungsreihe in der „Topgraphie des Terrors“ in Berlin zusammen, die der staatlich geförderten und gefeierten Kunst im Dritten Reich gewidmet war. In den 28 von Fachexperten verfassten Beiträgen präsentieren diese einen Überblick über die Geschehnisse und Entwicklungen in den Gattungen Bildende Kunst, Literatur, Theater und Tanz, Film, Architektur sowie Musik und widmen sich der Politik der diesen Gattungen zugeordneten Einzelkammern der Reichskulturkammer.

Wolfgang Benz, Peter Eckel, Andreas Nachama (Hrsg.): Kunst im NS-Staat. Ideologie, Ästhetik, Protagonisten, ISBN 978-3-86331-264-0


Ernst Reuter – Stadtplanung im Exil

Von 1935 bis1946 hatte Ernst Reuter in der Türkei Exil genommen. Er arbeitete als Experte für Tariffragen beim Wirtschafts- und Transportministerium und lehrte später an der Hochschule für Politische Wissenschaften in Ankara. Aus seiner Zeit als sozialdemokratischer Kommunalpolitiker in der Weimarer Republik brachte er sehr konkrete Erfahrungen zu den Problemen der Verstädterung ein. So nutzte er die sogenannten westeuropäischen Konzepte, um die Transformation in der Türkei zu beschreiben, sich an der öffentlichen Diskussion zu beteiligen und seine praxisorientierten Vorschläge zu präsentieren. Ein neues zweisprachiges Buch aus dem Center for Metropolitan Studies der TU Berlin richtet den Blick erstmals auf sämtliche kommunalwissenschaftlichen Schriften Ernst Reuters, die zwischen 1938 und 1946 entstanden sind. Zugleich untersucht es dessen Visionen zum Prozess der Produktion von Wissen über die Urbanisierung in der Türkei. Das Buch wurde im Oktober in der Botschaft der Türkei vorgestellt.

Heinz Reif, Bari Ülker: Herausforderung und Inspiration. Ernst Reuter als Stadtreformer in der Türkei, Berlin 2015, ISBN 978-3-95410-102-3


Kinder auf der Flucht

„Das Exil kann den Menschen von seinen Wurzeln trennen. Oder auch nicht“, schreiben Hanna und Gustav Papanek im Vorwort zu der jetzt erstmals veröffentlichten Textedition von Werken Ernst Papaneks. Der Wiener Reform-Pädagoge und sozialdemokratische Politiker (1900–1973) floh 1934 ins Exil in die Tschechoslowakei, arbeitete von 1938 bis 1940 in Frankreich und danach in den USA mit Kindern und Jugendlichen. Analysen seiner bedeutenden Arbeit fehlen weitgehend in der deutschsprachigen Literatur. Der vorliegende Band macht den Anfang, diese Lücke mit einer Auswahl der pädagogischen Schriften in deutscher Übersetzung und einer Ein führung zu seinem Leben und Werk zu schließen. Einen weiteren Zugang bietet ein mit zahlreichen Fotos illustrierter Essay, der aus historischer Perspektive und persönlichem Erleben über seine Arbeit mit jugendlichen jüdischen Flüchtlingen in den von ihm geleiteten französischen Kinderheimen und seine lebenslange Sorge um traumatisierte Kinder weltweit berichtet. Herausgegeben wurde das Buch von Inge Hansen-Schaberg, Hanna Papanek und Gabriele Rühl-Nawabi. Sie versuchen den ganzen Menschen darzustellen: als jugendlichen Rebellen, politischen Kämpfer und unermüdlichen Lehrer. Für Papanek flossen Pädagogik und Politik nahtlos ineinander über.

Inge Hansen-Schaberg, Hanna Papanek, Gabriele Rühl-Nawabi (Hrsg.): Ernst Papanek – Pädagogische und therapeutische Arbeit. Kinder mit Verfolgungs-, Flucht- und Exilerfahrungen während der NS-Zeit, Boehlau Verlag, Wien 2015, ISBN 978-3-205-79589-6


Facetten der Berliner Mitte

Mit der Zukunft des Freiraums unter dem Berliner Fernsehturm, dessen Deutung und Bewertung sowie den existierenden, äußerst gegensätzlichen Auffassungen setzen sich die TU-Professoren Paul Sigel und Kerstin Wittmann-Englert auseinander. Die Debatten um seine historische Einordnung und zukünftige Perspektive verdeutlichen das Ringen um neue Aneignungspotenziale dieses zentralen Stadtbereichs. Ein geschichtsloser Ort ist er jedenfalls nicht. Zahlreiche Experten aus Architektur- und Stadtgeschichte, Denkmalpflege und Planungspolitik haben zur vorliegenden Publikation beigetragen. Erstmals scheinen die unterschiedlichen Facetten der Geschichte dieses Kernbereichs der Berliner Mitte intensiv auf. Untersucht werden die planungsgeschichtlichen, architektonischen, gartenarchitektonischen, künstlerischen, sozialen Dimensionen, aber auch die Probleme bei der Entwicklung und Neuaneignung dieses markanten Stadtraums.

Paul Sigel, Kerstin Wittmann-Englert (Hrsg.): Freiraum unterm Fernsehturm. Historische Dimensionen eines Stadtraums der Moderne, mit zahlreichen Abbildungen, Theater der Zeit, Edition Gegenstand und Raum, 2015, ISBN 978-3-95749-036-0


Technik und Kunst

Technische Innovationen ermöglichen nicht nur neue Produktionsverfahren, sondern eröffnen auch neue Möglichkeiten der Formgebung. Zugleich wirken sie auf bereits etablierte Verfahren, Medien und Gattungen zurück. In ihrem Buch beschäftigen sich die Herausgeberinnen mit der Zeit zwischen 1430 und 1550, in der Differenzen zwischen künstlerischen Konzepten und deren Umsetzung in der Praxis greifbar wurden. Auf der einen Seite standen Experimente mit neuen Materialien und Verfahren, andererseits wurden kunsttheoretische Modelle diskutiert, die eine Entmaterialisierung der Kunst forderten und damit die Marginalisierung handwerklich-technischer Aspekte betrieben. Die Beiträge untersuchen die Rolle der künstlerischen Techniken in diesem Spannungsfeld.

Magdalena Bushart, Henrike Haug (Hrsg.): Technische Innovationen und künstlerisches Wissen in der Frühen Neuzeit, Boehlau Verlag, 2015, ISBN 978-3-412-21090-8

ehr

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