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Theoria cum praxi

Dienstag, 08. Dezember 2015

Gert G. Wagner zum 200. Geburtstag des Mathematikers Karl Weierstraß in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

Karl Weierstraß 31. 10. 1815–19. 2. 1897
Lupe

„Wenn man die Wissenschaftsgeschichte, so auch die der Mathematik, betrachtet, fällt auf, dass im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert die Akademien – und damit also die außeruniversitäre Forschung – eine deutlich stärkere Rolle bei der Erzielung von Forschungsresultaten und auch in der Lehre hatten als später im Laufe des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Seit etlichen Jahren gewinnt nun aber wieder die außeruniversitäre Forschung – und die von ihr getragene Lehre in den Universitäten – an Bedeutung.

Es ist interessant, dass die aktive Zeit von Karl Weierstraß in die Zeit der größer werdenden Bedeutung der universitären Forschung und Lehre fiel. Karl Weierstraß forschte und lehrte ausschließlich innerhalb der Universität. Allerdings nahm er aktiv an den Belangen der Preußischen Akademie der Wissenschaften teil, die ja im Jahre 1700 auf Anregung des großen Universalwissenschaftlers und bedeutenden Mathematikers Gottfried Wilhelm Leibniz gegründet worden war. Und damit sind wir wieder bei der Leibniz-Gemeinschaft und der außeruniversitären Forschung.

Aber ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dann die Spitzenforschung fast vollständig aus den Akademien heraus in die Hochschulen hinein verlagert. Deswegen war Weierstraß in der Universität sehr gut aufgehoben. Und es gab, so lautet zumindest die offizielle Geschichtsschreibung, ein gutes Einvernehmen zwischen Universitäten, außeruniversitären Forschungsinstituten und Akademien.

Die Geschichte des Weierstraß-Instituts WIAS ist eng mit dem Aufstieg der außeruniversitären Forschung nach dem zweiten Weltkrieg verbunden. Dieser Aufstieg geschah in Westdeutschland und erst recht in Ostdeutschland mit den „Akademie-Instituten“. Die Vorgängereinrichtung des WIAS (gegründet 1946) fungierte als Forschungsinstitut in der Akademie der Wissenschaften der DDR; ab 1985 als „Karl-Weierstraß-Institut für Mathematik“. Nach der Wende wurde das Institut Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, ein – wie mir berichtet wurde – intensiv diskutierter, aber letztlich einvernehmlicher Übergang von der zentralistischen Akademie zur dezentral organisierten Forschungsgemeinschaft. Wenn man am Beispiel von Karl Weierstraß auf die realen Aspekte des wissenschaftlichen Lebens schaut, sieht man, dass – jenseits allen institutionellen Wandels – bestimmte Dinge sich damals wie heute ganz ähnlich verhalten. Wie etwa die mit dem weltweiten Ringen um die besten Köpfe ihrer Generation verbundenen langen Berufungszeiten für herausragende Forscherpersönlichkeiten: Es gelang der Berliner Universität erst acht Jahre nach Weierstraß’ Ankunft am „Gewerbeinstitut“ in Berlin, ihn als ordentlichen Professor an sich zu binden! Erlauben Sie mir bitte als TU-Professor die Anmerkung: Am „Königlichen Gewerbeinstitut“ wäre er auch gut aufgehoben gewesen. Leider wurde aber erst im Jahr 1879 aus dem Gewerbeinstitut die „Technische Hochschule Charlottenburg“, aus der die TU Berlin hervorging. Und genau im Jahr 1879 wurde Weierstraß an die Friedrich-Wilhelm-Universität, die heutige Humboldt-Universität zu Berlin, berufen. Aus TU-Sicht hätte ruhig länger verhandelt werden können, damit er an der TH Charlottenburg hätte bleiben können.

Das Weierstraß-Institut und die Leibniz-Gemeinschaft – beides berühmte Namen – kommen hier mit ihren indirekten und inhaltlichen Verbindungen sehr herrlich zur Geltung, hat doch Weierstraß sich der von Leibniz, einem Mathematikerkollegen, mitgegründeten Akademie immer sehr verbunden gefühlt, und kam er doch auch dem Leibniz’schen Wahlspruch „theoria cum praxi“ durchaus nahe.

Ein anderes instruktives Beispiel für die guten Kontakte zwischen der Akademie und einem Leibniz-Institut ist natürlich auch diese Festveranstaltung, für deren Ausrichtung ich dem Weierstraß-Institut und allen, die dazu beitrugen, herzlich danke. Ich wünsche dieser Partnerschaft eine lange Zukunft und freue mich persönlich, im weiteren Verlauf der Veranstaltung etwas über Mathematik (und vielleicht auch Statistik?) zu lernen!“

Prof. Dr. Gert G. Wagner, TU-Fachgebiet Empirische Wirtschaftsforschung und Wirtschaftspolitik, Vorstandsmitglied des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin


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