direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Inhalt des Dokuments

Forschung

Ideen aus der Mitte der Gesellschaft

Dienstag, 08. Dezember 2015

Nachgefragt bei Prof. Dr.-Ing. Christine Ahrend – wie die TU Berlin transdisziplinäre Forschung fördern will

Prof. Dr.-Ing. Christine Ahrend, Este Vizepräsidentin der TU Berlin und zuständig für Forschung, Berufung und Nachwuchsförderung Kester von Kuczkowski
Lupe
Kester von Kuczkowski
Lupe

Frau Ahrend, Sie sind als Vizepräsidentin unter anderem mit dem Ziel angetreten, das transdisziplinäre Profil der TU Berlin auszubauen. Kann man sagen, dass Transdisziplinarität eine höhere Form der Interdisziplinarität ist?

Es ist eine Erweiterung, die das Methodenwissen um interdisziplinäres Arbeiten voraussetzt, ein Sprung von der Universität in die Gesellschaft und von der Gesellschaft in die Universität. Hier geht es allerdings nicht mehr um das Forschen für die Gesellschaft, sondern gemeinsam mit der Gesellschaft. Zusammen mit außeruniversitären Partnerinnen und Partnern werden Fragestellungen entwickelt, um ein Problem zu lösen.

Was genau verstehen Sie darunter?

Transdisziplinarität meint, mit Verbänden, Vereinen, kleinen Unternehmen, sozialen Einrichtungen oder mit der Politik auf Augenhöhe gemeinsam an Problemen des beiderseitigen Interesses zu forschen. Beide Seiten bringen unterschiedliches Wissen in die gemeinsame Arbeit ein. Das unterstützt nicht nur den Aufbau und die Durchführung von Forschungsprogrammen, sondern sichert auch die Relevanz, Akzeptanz, Verwendbarkeit von und Nachfrage nach den Ergebnissen. Es handelt sich also um ein strategisches Instrument des Innovationsmanagements.

Was erwarten Sie sich davon?

Ich bin sicher, wir werden als Universität von diesen Fragestellungen profitieren. Neben der Problemlösung werden neue, vielleicht auch unübliche Fragestellungen aufgeworfen und so neue Forschungsideen an die Universität gebracht. Ich erhoffe mir auch, dass Anwendungs- und Grundlagenforschung in transdisziplinären Projekten besser bezogen aufeinander forschen.

Wie kann man die bisher beobachtete Kluft zwischen der Anwendungs- und der Grundlagenforschung überwinden?

Die beiden Seiten können sich in ihrer Arbeit sehr unterstützen und befruchten, denn beide stoßen oft auf Probleme, die sie ohne den anderen gar nicht lösen können. Das kann ich als Ingenieurin, die aus der Industrieforschung kommt, aus eigener Erfahrung sagen. Man muss die Bereitschaft zeigen, offen und neugierig aufeinander zuzugehen, die andere Seite zu verstehen, zu respektieren und anzuerkennen. Dann wird der Gewinn auf beiden Seiten liegen.

Welche Forschungsfelder kann man sich vorstellen?

Ich habe zu dem Thema bereits mehrere Workshops veranstaltet. Dabei waren 60 bis 70 Vertreterinnen und Vertreter aus allen Fakultäten beteiligt. Daraus und aus anderen Quellen sind bereits viele Vorschläge für Forschungsideen entstanden. Wir werden übrigens sehr unterstützt von unserer Kuratorin Professorin Dr. Gesine Schwan von der Humboldt-Viadrina Governance Platform, die sehr leidenschaftlich an dieser Thematik mitwirkt, ebenso wie die Vorsitzende unseres Kuratoriums, Professorin Dr. Dr. h. c. Rita Süssmuth. Hervorragend geeignet für ein transdisziplinäres Pilotprojekt an der TU Berlin ist zum Beispiel das Thema „Stadtentwicklung Berlin“: ein komplexes Problembündel aus eng verwobenen wissenschaftlich-technischen, lebensweltlichen und politischen Aspekten wie Migration, Vielfalt, Integration, Nachhaltigkeit, Klima, Digitalisierung, Sicherheit, Freiheit, Finanzkrise oder Transformation des öffentlichen Sektors. Die notwendige Breite relevanter sozial-, geistes-, natur- und technikwissenschaftlicher Fächer ist an der TU Berlin vertreten. Erfahrungen mit fach- und fakultätsübergreifenden Kooperationen und vielfältige Praxiskontakte sind vorhanden. Aber auch Themen, die sich aus der aktuellen Flüchtlingssituation ergeben und Wirtschaft, Immobilien, Gesundheitswesen, Energiewirtschaft und moderne Verwaltung betreffen, sind geeignet. Denn sie sind weder nur natur- oder technikwissenschaftlich noch geisteswissenschaftlich zu denken. Ein zentrales Handlungsfeld für transdisziplinäre Projekte weit über Berlin hinaus ist die globale Klima- und Umweltkatastrophe. Auch hier ist die TU Berlin vom Fächerkanon her besonders gut aufgestellt. Ohnehin sind bereits mindestens 50 Projekte an der TU Berlin transdisziplinär unterwegs – ohne dass sie dieses Etikett haben.

Wie funktioniert die Finanzierung?

Wir freuen uns, dass die Forschung entlang der gesellschaftlichen Herausforderungen bereits stark in den Ministerien diskutiert wird. Nicht nur die BMBF-Förderung hat entsprechende Ansätze, sondern auch im EU-Programm Horizon 2020 wird transdisziplinäre Forschung unterstützt. Sicherlich werden wir zum Start auch einen Teil aus der TU-internen Forschungsförderung beisteuern können.

Was sind die nächsten Schritte?

Derzeit arbeiten wir verschiedene Formate aus: die Workshops zur Themenfindung, eine Diskussionsplattform zum praktischen Methoden-Know-how, in beiden ist auch das technische und das Verwaltungspersonal eingebunden, eine Plattform für den Wissenschaftsaustausch zwischen Anwendungs- und Grundlagenforschenden und eine „Galerie“, ein Ausstellungsforum, auf dem bereits transdisziplinär arbeitende Projekte weiträumig und öffentlich vorgestellt werden können. Es handelt sich um Angebote an Interessierte. Selbstverständlich muss sich niemand gezwungen sehen, transdisziplinär zu forschen, aber alle sind eingeladen.

Vielen Dank!
Das Gespräch führte Patricia Pätzold

Koordiniert werden die Projekte und Ideen zur Transdisziplinarität von Kester von Kuczkowski, Referent für strategische Projekte im Büro der Vizepräsidenten

T 030/314-2 99 04

"TU intern" Dezember 2015

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Matomo für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.