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TU Berlin

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Lehre & Studium

Die Rückkehr des Geistes

Freitag, 16. Januar 2015

Im Sommer 2014 wurde im vietnamesischen Hochland eine Kirche geweiht – am Anfang stand die Diplomarbeit

Zur Weihe der Kirche im Sommer 2014 durch Erzbischof Girelli, Vertreter des Vatikans, waren Priester und Bischöfe aus allen Landesteilen erschienen und viele Hundert Gläubige. Oben rechts der erste Gottesdienst im neu erbauten Gotteshaus, das auch als soz
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Zur Weihe der Kirche im Sommer 2014 durch Erzbischof Girelli, Vertreter des Vatikans, waren Priester und Bischöfe aus allen Landesteilen erschienen und viele Hundert Gläubige. Oben rechts der erste Gottesdienst im neu erbauten Gotteshaus, das auch als soz
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Zur Weihe der Kirche im Sommer 2014 durch Erzbischof Girelli, Vertreter des Vatikans, waren Priester und Bischöfe aus allen Landesteilen erschienen und viele Hundert Gläubige. Oben rechts der erste Gottesdienst im neu erbauten Gotteshaus, das auch als soz
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Eines Tages gerieten die Bauarbeiten ins Stocken. So bat Pfarrer Joseph Duc Ngoc Nguyen im Gottesdienst um Hilfe. In den nächsten drei Tagen erschienen zwei kleine Kinder mit ihrem Sparschwein, um die Bauarbeiten zu unterstützen – und etwa 300 Menschen, die mit Schaufeln und Muskelkraft 99 je anderthalb Meter tiefe und zwei Meter breite Gruben für die Fundamente ihrer neuen Kirche aushoben.

„Das waren für mich sehr bewegende Momente“, sagt Architekt Tuan Dung Nguyen. Ein paar Jahre zuvor, 2008, hatte er mit seiner Projektpartnerin und heutigen Ehefrau Thi Thu Huong Vu seine Diplomarbeit abgegeben: „Rückkehr des Genius Loci – Entwurf zum Neubau der Pfarrkirche Kadon im Zentralhochland Vietnams“.

Prüfer waren die Architekturprofessoren Finn Geipel und Klaus Zillich. Da die Lösungsansätze des Entwurfs, die den tatsächlichen Bedürfnissen und der Not der Pfarrgemeinde entsprachen, einleuchtend und überzeugend schienen, wurde das Ergebnis der Arbeit zur Realisierung als Selbstbauprojekt ausgewählt. „Wir brauchten natürlich außer fachlicher Unterstützung auch Geld“, erzählt Tuan Dung Nguyen. „So waren wir überaus dankbar, dass wir als Mentoren sowohl die beiden Prüfer Finn Geipel und Klaus Zillich als auch Prof. Rainer Mertes und Prof. Dr.-Ing. Eddy Widjaja gewinnen konnten. Außerdem wurden wir dank der wertvollen Empfehlung unserer Professoren durch das Internationale Katholische Missionswerk MISSIO e.V. mit 130 000 Euro gefördert.“ Das Projekt wurde mit dem „European Award for Sacred Architecture“ ausgezeichnet, da das geplante Gotteshaus aufgrund der einfachen Konstruktion aus lokalen Baustoffen wenig wartungsanfällig ist und außerdem die Kultur der Churu widerspiegelt, einer ethnischen Minderheit, der die meisten Gemeindemitglieder in Kadon angehören.

Zum Diplomkolloquium war sogar der vietnamesische Pfarrer selbst nach Deutschland gereist und die TU-Professoren sagten ihr umfangreiches Projektmentoring zu. „Wir fühlten uns, als hätten wir Flügel zum Fliegen und Weiterträumen bekommen“, sagt Nguyen. So standen die beiden TU-Alumni monatelang abwechselnd auf der Baustelle in Vietnam, planten, koordinierten und zeigten den Menschen vor Ort zusammen mit einem Bauleiter die notwendigen Arbeiten. Ihre Mentoren unterstützten sie bei Konzeptentwicklung, Statik, Tragwerkskonstruktion, Wirtschaftlichkeitsrechnungen oder Antragstellungen.

Bereits während der Bauzeit entwickelte sich die Kirche über einen reinen Ort der Seelsorge hinaus zu einer soziokulturellen Anlaufstelle. So konnten freiwillige Ärzte unter dem Dach der Kirche Gesundheitsuntersuchungen vornehmen.

Am 13. Juli 2014 war den beiden vietnamesischen Architekten dann noch ein weiterer, besonders bewegender Moment beschieden: Eine lange Prozession weiß gekleideter Priester und Bischöfe aus allen Landesteilen zog über das Baugelände, vorbei an begeisterten und andächtigen Menschen, an der Spitze Erzbischof Leopoldo Girelli, der Vertreter des Vatikans für Südostasien. Er weihte die neue Pfarrkirche von Kadon. Selbstverständlich waren auch die Berliner Professoren als Ehrengäste zugegen, und sie hatten eine Überraschung im Gepäck: eine persönliche Grußbotschaft des Kölner Erzbischofs Kardinal Rainer Maria Woelki, der bis zum Sommer Erzbischof in Berlin gewesen war.

Tuan Dung Nguyen und Thi Thu Huong Vu sind seit November 2014 als freischaffende Architekten Mitglieder der Berliner Architektenkammer. Derzeit arbeiten sie an der energetischen Sanierung der Deutschen Botschaft in Kambodscha sowie an weiteren vietnamesischen Projekten. „Wir sind sehr dankbar, dass es uns beschieden war, ein Studienprojekt in die Realität umzusetzen“, sagt Tuan Dung Nguyen. „Unser Ziel ist jetzt der Aufbau einer Brücke zwischen Deutschland und Vietnam, um deutsches Know-how auf die lokalen Techniken und Bedingungen in Vietnam zu übertragen und damit zu einer nachhaltigen interkulturellen Entwicklung beizutragen.“

Patricia Pätzold

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