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Vermischtes

Der Mann, der fast alle Mörder überführte

Freitag, 14. November 2014

Überraschendes aus den Matrikeln der Technischen Hochschule: Kriminalist Ernst Gennat

Ernst Gennat (2. v. l.) in seinem Büro am Berliner Alexanderplatz mit seinen Mitarbeitern
Lupe

Nur wenige Matrikelbücher der Königlichen Technischen Hochschule Charlottenburg, der Vorgängereinrichtung der TU Berlin, haben den 2. Weltkrieg überstanden. Sie werden seit 2007 im Universitätsarchiv aufbewahrt und halten für die Forschung durchaus noch Überraschungen bereit. Viele der hier ausgebildeten Studierenden aus dem In- und Ausland wurden später zu bedeutenden Forschenden oder gelangten in Politik, Wirtschaft und Kultur zu großer Berühmtheit. Dazu zählten nicht nur der Raketeningenieur Wernher von Braun, der Ägyptologe und Architekt Ludwig Borchardt, der Elektroingenieur und Nobelpreisträger Ernst Ruska oder der Architekt Walter Gropius, dessen Vater Walter Gropius senior schon die Bauakademie absolviert hatte, sondern auch der Philosoph Ludwig Wittgenstein oder der spätere erste israelische Staatspräsident Chaim Weizmann. Doch viele wurden auch vergessen. Fast nur noch literarischer Berühmtheit erfreut sich der seinerzeit international angesehene Berliner Kriminalist Ernst Gennat, geboren am 1. Januar 1880. Schon im Kaiserreich hatte er erfolgreich zahlreiche Kapitalverbrechen aufgeklärt. Er war ein fähiger Psychologe, publizierte über seine Fälle und prägte den Begriff „Serienmörder“. Er leitete die 1926 eingerichtete „Zentrale Mordinspektion des Landeskriminalpolizeiamtes für Preußen“ bis zu seinem Tod am 20. August 1939. Ernst Gennat wusste auch die Medien zu nutzen. Das neue Medium Fernsehen nutzte er sofort für die erste Fernsehfahndung, die im November 1938 ausgestrahlt wurde.

Zahlreiche Neuerungen, die er in der Ermittlungstechnik einführte, ließen die Aufklärungsrate der Mordinspektion bis 1931 auf über 94 Prozent steigen, das heißt, 108 von 114 Tötungsdelikten wurden aufgeklärt. Zu diesen Neuerungen zählten die „Todesermittlungskartei“, eine verbindliche Festlegung, welche Arbeitsschritte am Tatort durchzuführen seien, sowie das „Mordauto“. Diese Mercedes-Benz-Limousine war stadtbekannt. Sie war umgebaut und mit den für Tatortuntersuchungen notwendigen büro- und kriminaltechnischen Materialien ausgestattet worden. Dazu zählten auch Laborgeräte wie Pipetten und Deckelgläser zur Sicherstellung von Flüssigkeiten.

Ernst Gennats Biografie gibt bis heute Rätsel auf: So gilt sein Verbleib in der Zeit zwischen seinem Abitur am 13. September 1898 und seiner Immatrikulation im Fach Jura an der damaligen Friedrich-Wilhelms-Universität am 18. Oktober 1901 als ungeklärt. Seine Biografen vermuten, dass er seinen Militärdienst absolvierte. Einzig das Wintersemester 1898/1899 ist nachweisbar. Am 11. November 1898 hatte er sich für ein Semester an der Königlichen Technischen Hochschule zu Berlin im Fach Chemie eingeschrieben. Vielleicht hat sein vorübergehendes Interesse an diesem Fach ihn für seine späteren Neuerungen bei der Tatortuntersuchung inspiriert?

Die Matrikeln der Technischen Hochschule zu Berlin können wegen ihres schlechten Erhaltungszustandes nicht im Original vorgelegt werden. Als Digitalisate sind sie aber im Archiv für die Forschung zugänglich.

Dr. Irina Schwab, Leiterin des Universitätsarchivs "TU intern" November 2014

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