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Menschen

Queen’s Lecture: Wem gehört eigentlich das Netz?

Freitag, 14. November 2014

Dame Wendy Hall erforscht das Internet interdisziplinär

Lupe

Wendy Hall hat eine Vision. Ihrer persönlichen Website steht deshalb der salomonische Vers voran: „Where there is no vision, the people perish“ – ohne Visionen verkümmern die Menschen. Die britische IT-Spezialistin und Computerwissenschaftlerin beobachtet die Entwicklungen im Netz der Netze, dem Internet, und erforscht deren gesellschaftliche Auswirkungen.

„Vor allem Mädchen“, sagt sie, „müssen stärker an all diesen Prozessen beteiligt werden.“ Die Frau, die 2009 von Queen Elizabeth II. geadelt wurde und die kürzlich von einer Fachjury der angesehenen IT-Zeitschrift „Computer Weekly“ zur „Number One“ unter den Top 25 der einflussreichsten Frauen der Branche in Großbritannien erkoren wurde, weiß, wovon sie spricht: Durch ihre engagierte Arbeit in international einflussreichen Institutionen wie dem Globalen Rat für künstliche Intelligenz und Robotik im Weltwirtschaftsrat oder dem Europäischen Forschungsrat hat sie selbst bereits mehr als eine „gläserne Decke“ durchbrochen, die Frauen bekanntermaßen an der Karriere hindern. Und sie wünscht sich viele, die ihr nachfolgen. Am 24. November 2014 wird Wendy Hall die traditionsreiche Queen’s Lecture an der TU Berlin halten und fragen: „Wem gehört eigentlich das Netz?“

„Das Internet umspannt die Welt. Doch es ist eine sehr kritische globale Infrastruktur“, sagt Dame Wendy Hall, Professorin für „Electronics and Computer Science“ (ECS) der Universität Southampton an der Südküste Englands. „Seit seinen Anfängen in den 1990er-Jahren hat es sich explosionsartig vergrößert und erfasst heute mit mehreren Hundert Milliarden Seiten fast alle Aspekte des modernen Lebens. Es revolutioniert Medien, Banken, das Gesundheitssystem und die Verwaltung ganzer Staaten.“ Deshalb dürfe seine Entwicklung nicht planlos verlaufen und auch nicht einigen wenigen überlassen bleiben, die daraus wirtschaftlichen Nutzen ziehen. Gewaltige Datenmengen tummeln sich mittlerweile im Netz oder werden online übertragen. Allein Facebook-Nutzerinnen und -Nutzer laden heute, so wird geschätzt, pro Stunde 15 Millionen Fotos hoch. Suchmaschinen wie „Google“ werden täglich auf die Suche nach drei Milliarden Fragen geschickt.

„Bislang wird allerdings zu wenig beachtet, dass das Netz mehr ist als die Summe seiner Seiten und seiner technischen Protokolle“, sagt Wendy Hall. „Neue Möglichkeiten wie soziale Netzwerke, Crowdsourcing oder kollektive Intelligenz ver ändern die Gesellschaft von Grund auf.“ Die britische Wissenschaftlerin widmet sich einer neuen Forschungsdisziplin der Netzwissenschaft. Sie ist gleichzeitig Direktorin des international agierenden „Web Science Trust“, dessen globaler Auftrag es ist, die Entwicklung der Forschung und Lehre im Bereich Netzwissenschaft zu fördern. Sie nähert sich dem neuen Forschungsfeld Netzwissenschaft interdisziplinär. Für die Erforschung des Internets seien neue Methoden wie „Netz-Observatorien“ oder verteilte Techniken zur Analyse riesiger Datenmengen notwendig. „Denn die Einflüsse, die das Internet auf unsere Gesellschaft hat, wie es sich entwickelt und wer seine Zukunft bestimmt, wird entscheidend davon abhängen, dass wir die Zusammenhänge verstehen.“ Zudem sei ein Mangel an weiblichem Blick auf die Informationstechnologie für die weitere Entwicklung kontraproduktiv. Ihren weitreichenden Einfluss nutzt sie auch, um für mehr Frauen in der Branche zu werben. Gern übernimmt sie daher die Rolle des „role model“ in dieser Disziplin. Die fatale Entwicklung der Abkoppelung der Mädchen vom Computer-Enthusiasmus habe in den 80er-Jahren begonnen, hat Wendy Hall beobachtet. „Väter kauften Computer für sich und ihre Söhne. Die Folge war, dass in der Schule, die sich irgendwann des Themas annahm, ebenfalls die Jungen das Sagen hatten und die Mädchen sich nach und nach zurückzogen.“ Sie selbst wurde in ihrem Leben in ihrem Computer-Interesse nicht beeinträchtigt. So setzt sie sich heute in Gremien, Akademien, wissenschaftlichen und politischen Kreisen dafür ein, den Mangel an Frauen in der Informationstechnologie zu beheben. „Denn“, so Wendy Hall, „die Frauen sind schon heute und werden künftig noch mehr betroffen sein von allem, was die Zukunft des Internets für uns bereithält. Deshalb müssen sie an der Entwicklung teilhaben.“

Der Vortrag wird in englischer Sprache gehalten. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten.

www.tu-berlin.de/queenslecture

Patricia Pätzold "TU intern" November 2014

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