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Forschung

Was die Politik aus Fukushima lernen kann

Freitag, 14. November 2014

Katastrophen können unerwartete Auswirkungen auf Menschen an weit entfernten Orten haben

Lupe

Es war die zweitschlimmste Katastrophe in der Geschichte der zivilen Nutzung der Kernenergie nach Tschernobyl. Fukushima, 11. März 2011: In Folge eines starken Unterwasserbebens und eines Tsunamis kam es im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi an der Ostküste Japans zu einer Kernschmelze in gleich drei Reaktoren. Tausende Menschen wurden evakuiert, weite Gebiete um das Kernkraftwerk verstrahlt – sie werden bis auf absehbare Zeit unbewohnbar bleiben. Obwohl sich die Katastrophe im japanischen Atommeiler mehr als 5000 Kilometer weit entfernt abspielte, waren die Menschen in Deutschland dennoch betroffen. Ihr körperliches Wohlbefinden war zwar nicht beeinträchtigt, „aber der Anteil der Menschen, die sich sehr um die Umwelt sorgen, stieg um 20 Prozent“, erklärt Christian Krekel.

Der Wirtschaftsforscher untersuchte einen bisher weitgehend unbeachteten Aspekt der Katastrophe von Fukushima: ihre Auswirkungen auf die Sorgen und das Wohlbefinden von Menschen an weit entfernten Orten. Er erhielt dafür den Preis für den besten Vortrag auf der Jahrestagung der renommierten European Economic Association (EEA). Der junge Ökonom promoviert bei Prof. Dr. Gert G. Wagner – Vorstandsmitglied beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und TU-Professor für Empirische Wirtschaftsforschung und Wirtschaftspolitik – und arbeitet am Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) des DIW Berlin.

Die Auswirkungen der Katastrophe auf die Energiepolitik in Deutschland waren drastisch: Trotz anderslautender Planungen wurden die sofortige Stilllegung der ältesten Reaktoren sowie die Verkürzung der Laufzeiten aller übrigen Atommeiler beschlossen. Darüber hinaus wurde die „Energiewende“ verkündet – die Abkehr von nuklearen und fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien. Diese Kehrtwende in der Energiepolitik fand breite Zustimmung in der Bevölkerung und trug wesentlich zu einem signifikanten Rückgang der durch Fukushima verursachten Umweltsorgen bei, insbesondere bei Menschen, die in der Nähe der abgeschalteten Atommeiler wohnen. „Unsere Forschung zeigt, dass eine Katastrophe negative Auswirkungen auf Menschen in einem anderen Land haben kann, selbst wenn diese Katastrophe das Risiko einer ähnlichen Katastrophe in dem anderen Land nicht objektiv erhöht. Eine schnelle und glaubwürdige Reaktion der Politik kann solche negativen Auswirkungen aber vermindern“, sagt Christian Krekel.

Doch seine Forschung greift noch weiter. „Ganz allgemein interessieren mich die Auswirkungen von Großereignissen und Infrastruktur auf das Wohlbefinden von Menschen. Welche Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben zum Beispiel Grün- oder Brachflächen in einer Stadt, oder der Bau von Windkraftanlagen oder Stromtrassen?“ Außerdem untersucht er, welche Auswirkungen die Olympischen Spiele 2012 in London auf das Lebensgefühl der Menschen vor Ort hatten. Die Ergebnisse sollen unter anderem Politiker in die Lage versetzen, die Effekte von Großereignissen und Infrastruktur auf das Wohlbefinden von Menschen monetär zu quantifizieren, um so bessere Entscheidungen fällen zu können. Mit der Zusammenarbeit zwischen DIW Berlin und TU Berlin ist er sehr zufrieden. „Das DIW Berlin bietet Doktoranden und jungen Wissenschaftlern eine sehr gute Forschungsinfrastruktur. Die TU Berlin ergänzt diese durch den Zugang zu jungen Forschenden mit ähnlichen Interessen. Und vor allem hat sie ein offenes Ohr für unkonventionelle Forschungsvorhaben. Das ist in der deutschen Wissenschaftslandschaft leider viel zu selten der Fall.“

Patricia Pätzold "TU intern" November 2014

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