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Lehre & Studium

Monumentale Silhouette

Freitag, 14. November 2014

Das Ullstein-Druckhaus – eine kunsthistorische Analyse

Lupe

Am Mariendorfer Damm in Berlin-Tempelhof hebt sich ein monumentaler Bau aus der Stadtsilhouette heraus. Es ist das Druckhaus des Ullstein Verlages. Der Architekt Eugen Georg Schmohl hatte es zwischen 1924 und 1927 unter Anwendung modernster Ingenieurtechnik entworfen und gebaut. Bislang stand das Werk von Schmohl in keiner wissenschaftlichen Publikation im Mittelpunkt. Ziel einer kunsthistorischen Analyse des Ullstein-Druckhauses war es, dieses Bauwerk in den vorhandenen Stil des Expressionismus einzuordnen.

Bei Schmohl zeichnet sich in Annäherung an das Neue Bauen eine Entwicklung hin zur kühlen, minimalen Expressivität ab. Es werden räumliche wie zeitliche Assoziationen hervorgerufen, ohne dabei ein direktes Zitat darzustellen. In seiner Idee folgte Schmohl der Berliner Bautradition und formte stilisierte Reminiszenzen. Die signifikante Kontur und eine ausdrucksstarke Komposition gaben dem Gesamtkomplex eine repräsentative Form. Im Inneren wurden, dem amerikanischen Vorbild entsprechend, die stützenfreien Produktionshallen sachlich und funktional organisiert. Mit seiner modernen Grundhaltung schuf Schmohl eine ästhetisch-innovative neue Spielart des Expressionismus der 1920er Jahre.

Nach Magdalena Bushart, Professorin an der TU Berlin, kam es 1912–1924 zu einer Gotik-Begeisterung bei Künstlern und Theoretikern. Sie führt den Begriff des expressionistischen Historismus ein. In der Frühphase griffen Architekten Bauformen der Vergangenheit auf, wobei dazu die ideologische Einstellung in der Vorstellungswelt der Gotik gefunden wurde. Später hatte das geistige Prinzip der Gotik ausgedient, nicht aber, wie Bushart schreibt, als dekoratives Element.

Tatsächlich finden sich beim Druckhaus, abgesehen vom Eingang der Arbeiter, nur abstrahierte gotische Elemente. Ein einfaches Gesimsband und ein schmuckloser horizontaler Abschluss akzentuieren die schlichte Klinkerfassade. Die Eingangshalle beeindruckt zwar durch ihre sakrale Wirkung. Von einer mystischen Assoziation kann aber nicht gesprochen werden. Hier wurde nicht verweilt, sondern Tausende von Arbeitern strömten zu den Umkleideräumen. Der vom Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt eingeführte Begriff der metaphysischen Strömung kann bei Schmohl ebenfalls nicht herangezogen werden. Das Ullstein-Druckhaus ist nicht auf eine dreidimensionale Wirkung hin konzipiert, sondern eindeutig auf eine Schauseite.

Schmohl modellierte den Baukörper auf subtile Weise: Abstrahiert gotische Elemente akzentuieren die Fassade. Die rhythmische Gliederung der abgestuften Pfeiler führt zu einer sachlichen Wahrnehmung der Architektur. Erst beim Umrunden des Gebäudes lässt sich beobachten, dass sich diese strenge Form hin zu einer plastischen Raumskulptur verändert. Je nach Standort und Tageszeit kommt es zu einem anderen Seherlebnis.

Mit dem Konzept der monumentalen Silhouette als unverwechselbare Erscheinung schuf Schmohl ein markantes Zeichen. Hier verschmelzen ästhetische Gestaltung und rationale Tendenzen seiner Zeit zu einer eigenständigen Einheit aus Modernität, Funktionalität und Repräsentationsarchitektur.

Die Autorin beschäftigte sich in ihrer BachelorArbeit „Das Ullstein Druckhaus: ein Repräsentationsbau der 20er Jahre. Eine kunsthistorische Analyse“ am Institut für Kunstgeschichte und Historische Urbanistik mit dem Berliner Bauwerk

Ulrike Kohl "TU intern" November 2014

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