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TU Berlin

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Innenansichten

Skulpturen aus Klang

Freitag, 14. November 2014

Vor 30 Jahren entstand der Ton-Raum der TU Berlin als experimentelle „Kunst am Bau“ – und lädt noch heute zum kurzen Innehalten ein

Lauschen und Raumbewegung spüren: Nach 30 Jahren besuchte Bernhard Leitner wieder „seinen“ Ton-Raum in der TU Berlin
Lupe

Es ist eine Insel. Sie liegt im zweiten Stock des TU-Hauptgebäudes. Man betritt sie aus einem der Wandelgänge rund um den Lichthof kommend – und taucht von einem Schritt auf den anderen plötzlich in eine andere Welt ein: in eine Klangwelt, die die übliche quirlige Akustik des Unibetriebs augenblicklich weit zurückweichen lässt. Seit mittlerweile 30 Jahren bietet der „Ton-Raum“ einen kleinen Ort der Kontemplation, fordert auf zu einem kurzen Innehalten, Lauschen und Entspannen auf dem Weg zum nächsten Termin. Im Frühjahr 1984 konnte der Architekt und Tonraumkünstler Bernhard Leitner die Dauerinstallation aus 24 Breitband- und 18 Hochfrequenzlautsprechern, die hinter Lochmetall in den Wänden versteckt sind, im Rahmen eines Kunst-am-Bau-Wettbewerbs in der TU Berlin realisieren. Bis heute verschafft sie Kunstkennern und Laien ein unerwartetes sinnliches Erlebnis im Unialltag.

Bernhard Leitner, geborener Österreicher, lehrte damals Städteplanung an der Universität New York, hatte auch schon mit seiner tonalen Experimentalkunst auf der „documenta“ in Kassel Furore gemacht. 1968 definierte er erstmalig Ton als skulpturales Material und entwickelte daraus seine „TonRaumSkulpturen“: „Ton ist das Medium, das Material, mit dem ich Raum forme, gestalte und Raumbewegung komponiere“, sagt er. In New York stellte er 1969 einen begehbaren Klangwürfel mit 384 Lautsprechern vor, experimentierte in den Siebzigern mit Anordnungen von Lautsprechern an Toren, Schleusen, Röhren, ja sogar mit einer „Ton-Liege“ und einem „Ton-Anzug“. Zwei wichtige Stationen waren die Einzelausstellungen 1999 und 2008 in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof in Berlin. Deren Leiter Prof. Dr. Eugen Blume erinnerte während der festlichen Erinnerungsstunde zum 30. Jubiläum des Ton-Raums in der TU Berlin an die originäre Leistung Bernhard Leitners: „Er hat erkannt, dass Klang weder Ton ist noch Musik. Dass er vielmehr eine Erweiterungsmöglichkeit unseres biologischen Apparats, unserer Wahrnehmung ist und auf diese Weise bewusstseinsverändernd wirkt. Aus diesem Zusammenspiel von Physik und Philosophie hat Bernhard Leitner große Kunst gemacht.“ Bescheiden dankte Leitner dann selbst dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, der das Projekt damals mit finanzierte, aber vor allem „den Menschen, die es vor 30 Jahren möglich gemacht haben, und denjenigen, die dafür gesorgt haben, dass das Kunstwerk noch heute lebt“, zum Beispiel dem damaligen TU-Bauleiter Gottfried Kupsch, dem Architekten Hans-Joachim Tunnat sowie dem derzeitigen Leiter der Bauabteilung Martin Schwacke, die alle anwesend waren. „Damals haben wir die Tonspuren vom Computer abgespielt, dann von CDs, heute sind sie auf Memory Chips gespeichert, aber immer noch sind es die gleichen räumlich in sich verschlungenen Bewegungen des Ton-Materials ,Hauchen‘, die Zungen-, Mund- und Gutturallaute, die sich im Raum verteilen, das gezupfte, gerissene Gitarrenmaterial, das sich zu einem Klanggewebe verdichtet, das in den Raum hineinprojiziert wird und die sinnliche Wahrnehmung von Bewegung im Raum erzeugt.“ So wird auch zukünftig eine von mittlerweile 35 digital gespeicherten Ton-Raum-Kompositionen Uni-Mitglieder und Besucher erfreuen und entspannen, wenn sie – oft unbeabsichtigt – den Durchgangspavillon im zweiten Stock des TU-Hauptgebäudes betreten.

Patricia Pätzold "TU intern" November 2014

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