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TU Berlin

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Horst Bamberg

Verstorben am 2. März 2020

Horst Bamberg war über mehr als drei Jahrzehnte als Leiter der Fachbereichsverwaltung Informatik und nach der Vereinigung der Fachbereiche Elektrotechnik und Informatik als Leiter der Fakultätsverwaltung Elektrotechnik und Informatik an der TU Berlin tätig. Wesentliche Aufgaben waren die persönliche Unterstützung der Dekane bei ihrer Amtsführung, die Kommunikationsschnittstelle zwischen der Fakultät und der zentralen Universitätsverwaltung und die Personalverantwortung für die Angestellten in der Fakultätsverwaltung.

Er war eine der tragenden Persönlichkeiten bei der Gründung des neuen Fachbereichs Informatik und beim Aufbau des neuen Studiengangs Informatik. Ab Juli 1970 wurde der Aufbau der Informatik vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 36,1 Mio. DM im Rahmen des Forschungsprogramms Informatik bis 1977 gefördert. Von allen Universitäten erhielt die TU Berlin die höchste Fördersumme. Der Auf- und Ausbau der Informatik erforderte dringend, dass die damit verbundenen umfangreichen Verwaltungstätigkeiten in verantwortungsvolle Hände gelegt wurden. Hierzu wurde die Verwaltungsleiterstelle des Fachbereichs Informatik mit dem Juristen Horst Bamberg besetzt.
Horst Bamberg war verwaltungsmäßig an der Ausschreibung der Stellen für die neuen Forschungsgruppen bis hin zur Besetzung der Stellen, der räumlichen Unterbringung der Forschungsgruppen und der Überwachung der Finanzen beteiligt. Ebenso war er beteiligt an der Vertretung der vom Fachbereich beschlossenen Prüfungsordnung in den Universitätsgremien und in der Senatsverwaltung.

Diese Anfangsphase, in der die ganzen Verwaltungsprozesse erst definiert werden mussten, erforderte ganz besondere Arbeitsleistungen, die oft über die reguläre Arbeitszeit hinausgingen. Horst Bamberg war sich diesen Anforderungen mehr als gewachsen und zeigte stets größtes Engagement. Dabei ermöglichte ihm seine solide juristische Ausbildung jederzeit, Verwaltungsprozesse und Verwaltungsrecht in Einklang zu bringen.

Die eng mit ihm zusammenarbeitenden Dekane schätzten diese verwaltungstechnische Sicherheit sehr. Horst Bamberg war bei der Anwendung des neuen Berliner Universitätsgesetzes absolut sattelfest. Bei Entscheidungen zu Personalfragen, zur Weiterentwicklung des Fachbereichs oder zur Gestaltung der Studien- und Prüfungsordnung vertrat er als aufrechter Demokrat gegenüber allen Gesprächspartnern offen seine eigene Überzeugung. Wurden in der Fakultät dann mehrheitlich Entscheidungen getroffen, die mit seiner Überzeugung nicht übereinstimmten, vertrat er diese gleichermaßen loyal nach außen. Diese absolute Verlässlichkeit wurde von allen Mitgliedern der Universität hochgeschätzt. Und so gab es durchaus Dekane, die ganz klar sagten, dass sie dieses Amt ohne die Unterstützung von Horst Bamberg nie angetreten hätten.
Als später die Verteilung von Personal- und Sachmitteln nicht mehr gleichmäßig auf die Forschungseinheiten erfolgen sollte, sondern eine leistungsgerechte Verteilung durchgesetzt wurde, war Horst Bamberg außerordentlich hilfreich bei der Entwicklung von Modellen zur Messung von Mitarbeiterleistungen. Dank seiner Hilfe konnte die Fakultät als erste an der TU Berlin das Budgetierungsmodell realisieren. Auch andere Fakultäten suchten seinen Rat, um dieses Modell anschließend ebenso erfolgreich zu implementieren. Und so war zu dieser Zeit bei Gesprächen mit anderen Fakultäten nicht selten zu hören: „Ihr habt’s ja leicht. Ihr habt ja den Bamberg!“

Horst Bamberg unterstützte auch entscheidend bei der von der Politik beschlossenen Umstellung der Diplomausbildung zur Bachelor/-Master-Ausbildung. Parallel dazu stiegen die Drittmittel-Einwerbungen der Fakultät und der Ausbau mit neuen Professuren und Mitarbeiterstellen drastisch an. Horst Bamberg sorgte dafür, dass die damit enorm angewachsenen Verwaltungsaufgaben in der Fakultät durch Personalerweiterung und Umstrukturierung beherrschbar blieben.

Horst Bamberg war in den langen Jahren seiner Tätigkeit an der Fakultät stets ein hochgeschätzter, integrer, engagierter und kooperativer Mitarbeiter und Kollege, dem die Fakultät in der schwierigen Phase eines rasanten Auf- und Ausbaus viel zu verdanken hat. Die Fakultät trauert mit seiner Familie und wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Günter Hommel

Ein persönlicher Nachruf auf den Kollegen Bamberg und den Freund Horst

Am 2. März 2020 ist Horst Bamberg im Kreis seiner Familie gestorben. Diese Nachricht hat alle, die ihn kannten, hart getroffen, sie kam für viele überraschend.

Horst Bamberg und ich sind uns an der TU Berlin in der Runde der Fachbereichsverwaltungsleiter Ende der 90er Jahre zum ersten Mal begegnet - er als Vertreter der Informatik, während ich die Elektrotechnik vertrat. Das wichtigste Thema dieser Runde war die Zusammenlegung von mehr als zwanzig Fachbereichen zu nur noch acht Fakultäten, die der damalige TU-Präsident Prof. Dr. Hans-Jürgen Ewers aus Einsparungsgründen vorgeschlagen hatte. Aus der Zusammenführung der Fachbereiche Elektrotechnik und Informatik ging die neue Fakultät IV Elektrotechnik und Informatik hervor, die ihre Arbeit am 1. April 2001 aufnahm.

Die folgende Zeit war geprägt von einer kompletten Neuordnung der bestehenden Strukturen. Der damalige Dekan Prof. Dr.-Ing. Adam Wolisz sowie Prodekan Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Günter Hommel besprachen mit uns in wöchentlichen Sitzungen alle notwendigen Schritte und so hatten wir alle Hände voll zu tun, die vielen sprudelnden Ideen des Dekans auch umzusetzen. Horst Bamberg brachte in dieser Zeit außerordentlich viele wichtige Strukturänderungen auf den Weg, darunter Institutsgründungen oder die Finanzmittelverteilung und Personalausstattung von Fachgebieten und IT-Gruppen. Zudem entwarf er in wesentlichen Zügen Struktur und Aufgabenaufteilung unseres Verwaltungsteams.

Die ersten Fakultätsratssitzungen der neuen Fakultät IV waren äußerst spannend und von gegenseitiger Neugier und Bestaunen der unterschiedlichen Gesprächsstrukturen beider neuer Partner geprägt. Adam Wolisz und Horst Bamberg waren souveräne Sitzungsleiter und in allen Fragestellungen zu möglichen gesetzlichen Vorgaben war Horst Bamberg der ruhende und stets auskunftsbereite Ratgeber.
Im Laufe der ersten zwei, drei Jahre ist viel von der langen selbst erstellten Agenda umgesetzt worden. Horst Bamberg und ich hatten uns die Arbeit in „Lehre und Studium“ und „Organisation und Personal“ aufgeteilt. Das klappte ganz großartig und bereitete nie Probleme.

Das Highlight seiner beruflichen Tätigkeit für die TU Berlin war meines Erachtens, dass Horst Bamberg um das Jahr 2007 herum die Initiative ergriff, dem damals bereits 88-jährigen Hochschullehrer, Ingenieur und Unternehmer Dimitri Stein zu ermöglichen, seine Promotion auf dem Gebiet der Regelungstechnik nach 66 Jahren nachzuholen. Denn zu promovieren wurde Stein ursprünglich seitens der früheren Technischen Hochschule Charlottenburg allein aufgrund seiner jüdischer Wurzeln verwehrt. Im Zuge der Kriegswirren war dieser Vorgang jedoch in Vergessenheit geraten und erst im Jahr 2007 nur zufällig auf dem Schreibtisch von Horst Bamberg aufgetaucht. Was tun? Die Idee von Horst Bamberg war es, ein reguläres Promotionsverfahren zu eröffnen und Dimitri Stein noch nach all den Jahren mit dem Ablegen einer erfolgreichen Prüfung zum Dr.-Ing. zu ernennen. Die schwere Aufgabe der Bewertung der im Krieg verloren gegangenen Dissertation hatte Prof. Dr.-Ing. Jörg Raisch, der sich nur anhand einer Fachzeitschriftsveröffentlichung Steins ein Urteil bilden konnte. Die Prüfung fand statt, der Prüfling bestand und der Vorgang konnte dank Horst Bamberg erfolgreich beendet werden. Ein großartiger Vorgang.

Von seinen großen Verdiensten im Fachbereich Informatik bis 2000 habe ich viel gehört aber nicht selbst erlebt. Das werden andere ehemalige Informatiker würdigen. Ich rege an, über eine bleibende Erinnerung an Horst Bamberg durch die Namensgebung einer fakultätsspezifischen Einrichtung nachzudenken.
Im Verwaltungsteam der ersten Stunde halten die Kontakte bis heute an, was ein sicheres Zeichen dafür ist, dass es Horst Bamberg verstanden hat, einen guten Teamgeist aufzubauen, der uns ein nachhaltiges Zusammenhaltsgefühl gegeben hat.

Nach den Fakultätsratssitzungen hatten Horst Bamberg und ich immer noch den Bedarf an einer Nachsitzung beim Griechen unweit der TU, die dann später zur festen Gepflogenheit wurde. Unsere gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelte sich immer mehr zu einer großen Freundschaft, die über das Ausscheiden aus der TU Berlin hinaus bis jetzt anhielt und nun ihr jähes brutales und schmerzliches Ende genommen hat.

Es war einfach ein großes Glück, mit Horst Bamberg nach wunderbaren knapp 10 Jahren das nahezu gleichzeitige Ende unserer Berufsleben in der Fakultätsverwaltung erlebt zu haben.

Lutz Haase, Gabriela Ernst, Marianne Ludwig, Eveline Werner
im März 2020

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