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Statt Weltreise zurück an die Uni

Montag, 29. Juli 2019

„Joint Programmes“ ermöglichen Gastprofessuren für Frauen aus der ­Wirtschaft – für mehr Nachwuchsförderung und Chancengleichheit

Die Gastprofessorinnen Enriqueta Martinez-Rojas (l.) und Katja Ninnemann möchten ihre Passion für die Wissenschaft an die Studierenden weitergeben
Lupe [1]

Frauen machen häufiger Abitur als Männer, beginnen ebenso häufig ein Studium wie diese und fast die Hälfte aller Promotionen stammt aus ihren Federn. Doch danach öffnet sich die Schere und weniger als ein Drittel der Frauen beginnt mit einer Habilitation. Die Folge: Nur etwa jede fünfte Professur in Deutschland ist derzeit mit einer Frau besetzt. Um Akademikerinnen nach der Promotion im Wissenschaftssystem zu halten, bietet das Projekt „Joint Programmes for Female Scientists & Professionals” an der TU Berlin weiblichen Führungskräften aus der Wirtschaft die Möglichkeit, als Gastprofessorinnen in Voll- oder Teilzeit zu lehren und zu forschen. Dies wirkt sich nicht nur positiv auf die Gleichstellungsstrukturen der Hochschule aus, sondern auch auf die Nachwuchsförderung und Kompetenzvermittlung.

„Manch eine geht auf Weltreise, um den Kopf vom Arbeitsalltag frei zu bekommen. Mich haben die Rückkehr an die Universität und das Arbeiten im wissenschaftlichen Umfeld gereizt“, erklärt Katja Ninnemann, die seit dem Sommersemester 2019 am Fachgebiet Landschaftsbau/Objektbau der Fakultät VI Planen Bauen Umwelt als Gastprofessorin für zwei Semester in Teilzeit tätig ist.
Nach ihrem Architektur- und Städtebau-Studium an der TU Darmstadt und dem Instituto Superior Politécnico José Antonio Echeverría (ISPJAE) in Havanna arbeitete Katja Ninnemann als Architektin zunächst bei einem großen Logistikkonzern sowie in der Geschäftsführung der Internetplattform WarenBund. 2011 gründete sie ihr Büro 47ig und begann für verschiedene Hochschulen und Unternehmen Lern- und Arbeitsumgebungen zu entwickeln. Durch ihre Promotion an der TU Wien über Innovationsprozesse bei der Gestaltung des Lernraums Hochschule rückte aber wissenschaftliches Arbeiten zunehmend in den Fokus. Seit 2018 ist Katja Ninnemann für den Bereich Corporate Learning Architecture an der SRH Higher Education verantwortlich, wo sie sich mit der strategischen Konzeption und Evaluierung von sich stetig wandelnden Lern- und Arbeitsumgebungen im SRH-Hochschulnetzwerk beschäftigt.
„Durch die Gastprofessur habe ich nun die Möglichkeit, mein disziplinübergreifendes Themenfeld Corporate Learning Architecture in Forschung und Lehre zu vertiefen und mich mit der Scientific Community zu vernetzen.“ Mit ihren Studierenden widmet sich Katja Ninnemann vor allem dem Campus als Lernort. Ausgangspunkt dafür ist das Campusgestaltungskonzept von Herta Hammerbacher, der ersten Professorin an der TU Berlin, die in den 1950er/1960er-Jahren die Außenanlagen als Kommunikations-, Experimentier- und Lehrobjekt entwickelte.

„Meine Leidenschaft für angewandte Mikrobiologie an die Studierenden weitergeben zu können, ist eine tolle Erfahrung“, führt Enriqueta Martinez-Rojas als eine ihrer Motivationen für die Bewerbung für das Gastprofessorinnen-Programm der TU Berlin an. Sie studierte Chemie, Biologie und Pharmazie in Mexiko und kam 2004 nach Deutschland, um an der TU Berlin zu promovieren. Seit 2014 koordiniert und leitet sie Forschungsprojekte im Analytik- und Mikrobiologielabor des Zentrums für Ernährung und Lebensmitteltechnologie (ZELT GmbH) in Neubrandenburg. Bei Martinez-Rojas’ Arbeit geht es vor allem um bioökonomische, ökoeffiziente und ressourcenschonende Prozesse in Brauereien, der Getränke- sowie Lebensmittelindustrie. „Gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit sind mir sehr wichtig, weshalb ich auch die ‚Scientists for Future‘-Bewegung unterstütze.“ In ihrer Lehrveranstaltung „Advanced Brewing Technology“ im Sommersemester 2019 am Fachgebiet Brauwesen der Fakultät III Prozesswissenschaften geht es daher auch um nachhaltige Bierproduktion. Was sie ihren Studierenden in den zwei Semestern mit auf den Weg geben möchte: „Habt Mut zur Gründung eines eigenen Unternehmens, denn die TU Berlin und die Stadt Berlin bieten tolle Möglichkeiten, diesen Schritt erfolgreich zu wagen.“

Joint Programmes for Female Scientists & Professionals

Zielsetzung des seit 2014 beim Koordinationsbüro für Frauenförderung und Gleichstellung der TU Berlin angesiedelten Projekts ist es, alternative Karrierewege von Frauen sowie intersektorale Mobilität zu fördern. Einerseits ermöglichen Gastprofessuren Frauen aus Wirtschaftsunternehmen eine stärkere Vernetzung in die akademische Welt, um perspektivisch den Frauenanteil an Hochschulen zu erhöhen. Andererseits sollen durch die Joint Programmes „Role Models“ aus der Wirtschaft ihre Erfahrungen in (Karriere-)Veranstaltungen an Studentinnen und Nachwuchswissenschaftlerinnen weitergeben und die Lehre mit praxisnahem Unterricht bereichern. Das Projekt wurde vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft mit der Hochschulperle des Monats Februar 2017 ausgezeichnet.

www.jointpro.tu-berlin.de/?165087 [2]

Romina Becker, "TU intern" Juli 2019
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