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TU Berlin

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Menschen

Pfeife und Zigarre als Zeichen

Karin Hausen zum 80. Geburtstag

Von 1978 bis 1995 war Karin Hausen Professorin für Wirtschafts- und Sozialgeschichte am Institut für Geschichtswissenschaft, 1995–2003 Professorin für „Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung“ an der TU Berlin
Lupe

Von Prof. Dr. Petra Lucht, ZIFG, FG „Gender in MINT und Planung/Feminist STS“

Prof. Dr. Karin Hausen feierte am 18. März ihren 80. Geburtstag. 1995 hatte sie das Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG) der TU Berlin gegründet, wurde unter anderem 2017 mit der Louise-Schroeder-Medaille vom Abgeordnetenhaus Berlin und 2015 mit dem Margherita von Brentano Preis der FU Berlin für den von ihr mitbegründeten „Arbeitskreis Historische Frauen- und Geschlechterforschung“ ausgezeichnet, sie etablierte Förderprogramme für Frauen in der Wissenschaft, wirkte in Beiräten und war Mitherausgeberin internationaler Zeitschriften, die sich mit feministischer Geschichtswissenschaft beschäftigen. Zeit für uns, „Danke“ zu sagen.

Für eine Wiederbegegnung mit der Wissenschaftlerin Karin Hausen beschließe ich, nochmals in ihren Publikationen zu stöbern, und ziehe mich schließlich mit ihrer Aufsatzsammlung „Geschlechtergeschichte ist Gesellschaftsgeschichte“ (Hausen 2012) zurück. Ihrer Einladung folgend betrachte ich diese Auswahl aus ihren Aufsätzen wie Szenen einer „Werkschau“: Die 1. Szene zeigt ihren sehr beachteten und bis heute auch in unseren Seminaren unterrichteten Aufsatz „Die Polarisierung der ‚Geschlechtscharaktere‘. Eine Spiegelung der Dissoziation von Erwerbs- und Familienleben“ (1976) und resümiert seine Rezeption über die Jahrzehnte hinweg. In der 2. Szene schließen sich humorvoll betitelte Veröffentlichungen wie „… eine Ulme für das schwankende Efeu“, „Häuslicher Herd und Wissenschaft“ oder „Große Wäsche“ an, die auf eine Geschichte von Alltäglichem zu verweisen scheinen. Ich werde unruhig. Handelt es sich um ‚Alltagsgeschichte‘? In der 3. Szene dann präsentiert Karin Hausen ihre historischen Analysen zum „Wirtschaften mit der Geschlechterordnung“ oder zur „Normierung der Geschlechterverhältnisse“, die auch juridisch in Arbeits- und Sozialrecht festgeschrieben wurde. Spätestens in der 4. und 5. Szene ihrer ‚Werkschau‘ bringt Karin Hausen dann unmissverständlich auf den Punkt, dass es ihr auch um nichts Geringeres geht als darum, Zusammenhänge von hegemonialer Geschichtsschreibung und Nationalstaat kritisch zu analysieren. So werden von ihr die Feiertage „Muttertag“ und „Volkstrauertag“ als Beiträge zur Institutionalisierung von Geschlechterverhältnissen mit Bezug auf nationalstaatliche Kriege und deren Bewältigung untersucht. Ich verlasse die Bibliothek, um an meinem Schreibtisch die 5. Szene der ‚Werkschau‘ dokumentieren zu können. Denn unschwer ist zu erkennen: Es geht Karin Hausen zwar um einen leichten Zugang zur Wissenschaft mit humorvoll gerahmten geschichtswissenschaftlichen Analysen des Alltags und von dessen Gestaltung oder um „Pfeife und Zigarre“ als Insignien ge-schlechtspolitischer Zeichen von Grenzüberschreitungen. In der 5. Szene offeriert Karin Hausen aber auch einen deutlich programmatischen Vorschlag für eine Historiografie der „vielen Geschichten“, der an Aktualität nichts eingebüßt hat:

„Es ist an der Zeit, endlich die Nicht-Einheit (der Geschichte) als Programm genauer zu reflektieren, offensiv zu bearbeiten und dabei die primäre Orientierung am Nationalstaat aufzugeben. Neue historiografische Orientierungen sind notwendig, um den säkularen Prozessen der Globalisierung und Universalisierung von Märkten und Nutzungsweisen für Güter, Arbeit und Kapital, von Wissenschaft, Technik und Kommunikation verstärkt Rechnung zu tragen; um außer den Nationen und Nationalstaaten auch die Internationalität, Regionalität und Ethnizität mit der ihnen angemessenen Bedeutung auszustatten; um für Menschen, die unter den Bedingungen der historischen Zeit ihr Leben ausgestalten, in der Geschichtsdarstellung ausreichend Platz frei zu halten gegenüber den historiografisch häufig übermächtig herausgestellten Strukturen, Institutionen, Kollektivsubjekten und Einzelpersönlichkeiten“ (Hausen 2012, S. 383).

Liebe Karin Hausen: Wir gratulieren sehr herzlich zum 80. Geburtstag und sagen: „Danke schön!“
   
www.karin-hausen.de

"TU intern" 13. April 2018

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