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TU Berlin

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Menschen

Das Leben der anderen verstehen

IPODI-Fellow Nicole Dörr forscht zur Migration von Lesben, Schwulen, Transgendern und Frauen

Nicole Dörr fordert „politische Übersetzer“ für die Geflüchteten, die sich auch mit dem kulturellen Hintergrund der Herkunftsländer auskennen
Lupe

Deutschland hat eine große Chance verpasst, als 2015 Tausende Geflüchtete ins Land kamen. „Wir schaffen das“ hätte Realität werden können, wären nicht rechte Kräfte so stark geworden. Davon ist die Wissenschaftlerin Nicole Dörr überzeugt. Sie forscht zu Demokratie in sozialen Gesellschaften und hat unter anderem herausgefunden, dass mehrsprachig abgehaltene Meetings demokratischer sind als einsprachige. Aus ihrer Sicht war der Flüchtlingsstrom eine Chance für die Demokratie in Deutschland, da die Gesellschaft durch Zuwanderung immer mehrsprachiger wird.

Dazu braucht es jedoch Vermittler zwischen den Zugewanderten und der Mehrheitsgesellschaft. Das können beispielsweise Ehrenamtliche sein, die Geflüchteten helfen. Nicole Dörr nennt sie politische Übersetzer und Übersetzerinnen. „Sie verstehen die Kultur der Menschen, geben ihnen eine Stimme und ermöglichen so gleichberechtigte Partizipation“, sagt Dörr. Zum Beispiel in Diskussionsrunden und auf Versammlungen.

Die Wissenschaftlerin, Professorin an der Universität Kopenhagen, hat vier Semester Pause eingelegt, um an der TU Berlin am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung bei Prof. Dr. Sabine Hark die politische Partizipation von Geflüchteten aus der LGBTI-Community (Lesbian, Gay, Bisexual, Transexual/Transgender und Intersexual) und von geflüchteten Frauen zu erforschen. Seit zwei Jahren ist sie Teilnehmerin des IPODI-Fellowship-Programms für Frauen, das zurzeit von der EU kofinanziert wird. Elf internationale Wissenschaftlerinnen forschen an der TU Berlin. „Forscherinnen wie Nicole Dörr bietet IPODI die Chance, nach längerer Zeit im Ausland wieder in Deutschland Fuß zu fassen“, sagt Stefanie Schäfer, IPODI-Programm­managerin. „Für andere Forscherinnen wird die Zeit hier zum wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Professur.“ Die TU Berlin profitiere dabei von der fachlichen Expertise und den internationalen Kontakten, die die Frauen in ihre Fachbereiche einbrächten.

Nicole Dörr wird Ende Mai ihre Forschungsarbeit abschließen. Sie befragte für ihre Vergleichsstudie geflüchtete Frauen und LGBTIs in Dänemark und Deutschland nach ihren Erfahrungen, sie interviewte Menschen, die ihnen im Rahmen der Patenschaftsprogramme helfen. Ihre Erkenntnisse am Beispiel der LGBTI-Geflüchteten: Lesben, Schwule und Transmenschen sind unter den Geflüchteten eine Minderheit mit eigenen Codes. Kaum einer anderen Gruppe würden beispielsweise im Asylanhörungsverfahren so viele rechtswidrige Fragen gestellt, wie etwa nach Sexpraktiken oder Sexpartner*innen. In vielen Fällen führte eine falsch verstandene Antwort zur Abschiebung. „Auch hier können politische Übersetzer*innen intervenieren, die die Codes dieser Gruppe kennen und übersetzen.“

Ihre Auswertungen hat sie noch nicht abgeschlossen – doch ein Ergebnis kann sie schon heute kommunizieren: In Gesellschaften, wo der Rechtspopulismus auf dem Vormarsch ist wie in Deutschland oder etabliert ist wie in Dänemark, werden immer mehr asylsuchende Menschen aus der LGBTI-Community abgelehnt. Diesen Trend können nur politische Übersetzende stoppen, Menschen, die verstehen, intervenieren und vermitteln. www.tu-berlin.de/?171106

Dagmar Trüpschuch, "TU intern" 25. Juni 2018

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