TU Berlin

TUB-newsportaltui0413: Algorithmik, Psychiatrie und Massenspektrometrie

Page Content

to Navigation

There is no English translation for this web page.

Menschen

Algorithmik, Psychiatrie und Massenspektrometrie

Freitag, 12. April 2013

Vier Stipendiaten der Alexander von Humboldt-Stiftung wollen die Welt verändern - jeder in seinem Fach

Gerhard J. Woeginger; die vernetzte Welt verständlich machen
Lupe

Gerhard J. Woeginger Wie stellt man aus 300 Ingenieuren vierköpfige Teams zusammen, die jeweils ein konkretes Kompetenzprofil erfüllen? Wie findet man den effizientesten Weg, Züge im Bahnhof von Den Haag zu rangieren? Prof. Gerhard J. Woeginger, Algorithmiker von der TU Eindhoven (Niederlande), der seit Oktober 2012 am Fachgebiet Algorithmik und Komplexitätstheorie der Fakultät IV Elektrotechnik und Informatik an der TU Berlin als Humboldt-Forschungspreisträger forscht, beschäftigt sich mit der Lösung derartiger kombinatorischer Optimierungsprobleme.

Woeginger erhält diesen mit 60 000 Euro dotierten Preis in Anerkennung seiner herausragenden zwanzigjährigen Forschungsleistung auf dem Gebiet der Algorithmik.

Seine Arbeiten leisten einen wichtigen Beitrag in zahlreichen Anwendungsfeldern, darunter das „Job Scheduling“, das als softwaregestützte Ablaufplanung hohe Relevanz in der industriellen Produktion und im Verkehrswesen besitzt, sowie die algorithmische Analyse und Handhabung sozialer, biologischer oder technischer Netzwerke. Woeginger ist damit ein international führender Experte, dessen Arbeit die zunehmend computergesteuerte und vernetzte Welt besser verständlich und handhabbar macht.

Woeginger promovierte 1991 an der TU Graz in Technischer Mathematik und wurde 2001 an die TU Twente sowie 2004 als Professor für Kombinatorische Optimierung an die TU Eindhoven berufen. Neben vielen Auszeichnungen erhielt er 1997 den START-Preis des Österreichischen Forschungsfonds FWF und 2004 den VICI-Preis der Niederländischen Organisation für Wissenschaften NWO. „Vor allem aber ist Woeginger eine Koryphäe seines Faches mit enorm hoher Kreativität, Schaffenskraft und Tiefe“, erklärt Rolf Niedermeier, TU-Professor und Leiter des Fachgebiets Algorithmik und Komplexitätstheorie am Institut für Softwaretechnik und Theoretische Informatik, an dem der Preisträger zurzeit forscht. 

Mona Niebur

www.tu-berlin.de/?id=119703

 

 

Elisabetta Basso: Begriffe von Individualität und Kategorie in der Geschichte der Psychiatrie
Lupe

Elisabetta Basso Michel Foucault, der französische Philosoph, Psychologe und Soziologe, faszinierte und polarisierte in den 1960er-Jahren die Linke. Er untersuchte die Begriffe „Wahnsinn“ oder „Wissen“ und die Entstehung von Wissen und Macht. Auch die junge Philosophin Elisabetta Basso, PhD, ist von diesem großen Denker der europäischen Geschichte beeindruckt. Doch zunächst konzentrierte sie sich auf die Bedeutung, die Foucault für die Entwicklung der „phänomenologischen Psychiatrie“ im Frankreich der Vierziger- und Fünfzigerjahre hatte. Das klingt intellektuell und anspruchsvoll – ist es auch. So sehr, dass die Italienerin sich schon in ihrer philosophischen Abschlussarbeit an der venezischen Università Ca’ Foscari mit dem „Transzendental als Paradox“ in den frühen Arbeiten von Michel Foucault beschäftigte. Derzeit hält sie sich als Humboldt-Stipendiatin im Fachgebiet Theoretische Philosophie von Prof. Dr. Günther Abel am Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte der TU Berlin auf. Einige Schritte weiter ging sie in ihrer doppelt betreuten Doktorarbeit – an ihrer Heimatuniversität und an der Université de Paris 1/Sorbonne –, in der sie die Foucault’sche Beziehung zur „Daseinsanalyse“ unter die Lupe nahm. Diese spielte in den frühen Schriften bei der Interpretation von Traum und Wirklichkeit in der menschlichen Imagination eine große Rolle, wurde später aber von Foucault selbst relativiert. Nun, nach mehreren Lehr- und Forschungsaufenthalten in Frankreich, Deutschland und den USA, geht Elisabetta Basso an der TU Berlin in ihrem Projekt „Phänomenologie und Psychiatrie: eine epistemologische Geschichte des Begriffs der Struktur“ zu den Anfängen der deutschen und schweizerischen Psychiatrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurück, um die damals allgemein übliche Auffassung zu hinterfragen. „Ich will damit zeigen“, so Basso, „inwiefern die erkenntnistheoretische Debatte um ,Objektivität’ und ,Wissenschaftlichkeit’ sich in der Geschichte der Psychiatrie entwickelt hat.“

Patricia Pätzold

 

 

Xian-Nan WU: auf der Suche nach dem "Heiligen Graf der Chemie", der die Energieprobleme der Welt lösen hilft
Lupe

Xiao-Nan WU Auf der Suche nach dem „Heiligen Gral der Chemie“ ist Dr. Xiao-Nan WU, der seinen PhD am Institut für Chemie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (ICCSA) erworben hat. Er sucht ihn in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Drs. h. c. Helmut Schwarz. „Wenn ich ihn finde, dann in dieser vielversprechenden Gruppe“, so Xiao-Han WU. „Sie hat besonders viele exzellente Ergebnisse im Bereich der Massenspektrometrie sowie in der Gasphasenchemie und der organometallischen Chemie hervorgebracht, besonders in der Forschung zur Aktivierung von Kohlenwasserstoffen. Ich hoffe, hier sehr viel zu lernen.“ Er erklärt, warum die gezielte Aktivierung und Funktionalisierung von Kohlenwasserstoffverbindungen in der chemischen Wissenschaft gern als „Heiliger Gral“ bezeichnet werden: Der molekulare Umbau saturierter Kohlenwasserstoffe aus fossilen oder biologischen Quellen in energetisch wertvollere Rohstoffe sei eine der zentralen Herausforderungen zur Lösung der globalen Energieprobleme. Konkret beschäftigt sich Xiao-Nan WU an der TU Berlin derzeit mit massenspektrometrischen Studien zur Reaktivität und Struktur von gasförmigen Metalloxid-Clustern, um Modellierungssysteme zur Aktivierung von Kohlenwasserstoffverbindungen und anderen katalytischen Oxidationsprozessen zu entwickeln.

Patricia Pätzold

Nicole Rijs: Die Katalyseforschung der Australierin wird künftig in Medizin, Landwirtschaft und Materialwissenschaft bedeutsam
Lupe

Nicole Rijs „Nachdem ich Professor Helmut Schwarz in Melbourne getroffen hatte, wo wir uns über seine wissenschaftliche Arbeit und über die Arbeit in der Alexander von Humboldt-Stiftung unterhalten hatten, wusste ich, ich muss nach Deutschland kommen!“, sagt Dr. Nicole Rijs, ausgezeichnete Chemikerin von der Universität Melbourne in Australien. Seit Februar arbeitet sie nun in der TU-Arbeitsgruppe des TU-Chemikers und Präsidenten der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH). Mit ihrem AvH-Postdoc-Stipendium wird sie zwei Jahre bleiben, um sich mit Fluorverbindungen zu beschäftigen. Fluor ist ein Halogen, das sich mit den meisten anderen Elementen verbinden kann, sogar mit Edelgasen. Fluoride kommen in geringen Mengen natürlicherweise auch in Nahrungsmitteln, im Wasser, in der Luft und vor allem in Mineralien vor.

Wie sich organische Moleküle verhalten, die zusätzlich zu Elementen wie Wasserstoff und Kohlenstoff auch noch Fluor enthalten, das will Nicole Rijs nun näher erforschen. Insbesondere will sie Wege finden, wie diese Moleküle gezielt durch Metall-Katalysatoren oder Metall-Reagenzien zu synthetisieren sind. Künstliche Fluorverbindungen werden heute bei der Herstellung von Schmerz- und Betäubungsmitteln in der Medizin, von Düngemitteln in der Landwirtschaft oder von Polymeren in der Industrie beziehungsweise den Materialwissenschaften verwendet. Die Forschung hat also, neben dem Erwerb von Grundlagenwissen, auch eine besondere Bedeutung für die Entwicklung einer effizienten und kostengünstigen Verarbeitung dieser Stoffe.

Patricia Pätzold

 

 

Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 4/2013

Navigation

Quick Access

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe