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Mittelalterdichtung für breites Publikum

Montag, 28. Januar 2013

Zum Tod des Germanisten Peter Wapnewski

Bis zuletzt war Peter Wapnewski wissenschaftlich aktiv – hier im Wissenschaftskolleg Berlin
Lupe

Als der Mediävist Peter Wapnewski 1982 an die TU Berlin berufen wurde, an das Institut Walter Höllerers und Norbert Millers, lag schon fast ein ganzes Gelehrtenleben hinter ihm. Was ihn damals zur Rückkehr nach Berlin bewogen hatte – in den Jahren 1966 bis 1969 hatte er bereits in politisch unruhigen Zeiten einen Lehrstuhl für Altgermanistik an der Freien Universität innegehabt –, war die Aufgabe, eine dem Institute for Advanced Study in Princeton vergleichbare Einrichtung internationalen Ranges als Gründungsrektor auf den Weg zu bringen. Dass dies mit dem Wissenschaftskolleg in kurzer Zeit gelang, gehört zu Wapnewskis herausragenden und bleibenden Leistungen.

An der TU Berlin setzte Peter Wapnewski, der dem gleichen Jahrgang wie Walter Höllerer entstammte, die Reihe geisteswissenschaftlicher Professoren fort, die der TU Berlin seit der Nachkriegszeit ihr weithin sichtbares Gepräge im Sinne eines den Forderungen des „technischen Zeitalters“ entsprechenden Bildungsgedankens verliehen hatten. In einem anlässlich des 125-jährigen Jubiläums im Jahr 2004 unter dem Titel „Meine TU“ im Berliner Tagesspiegel erschienenen Beitrag sah der seit 1990 Emeritierte und anlässlich seines achtzigsten Geburtstags zum Ehrenmitglied der TU Berlin Ernannte allerdings die politisch erzwungenen Streichungen und Umstrukturierungen in seiner Fakultät mit Sorge.

Die 2005/06 in zwei Bänden unter dem Titel „Mit dem anderen Auge“ veröffentlichten Lebenserinnerungen sind das kühle, stilistisch gleichwohl kunstvolle Protokoll eines an akademischen Aufgaben und Begegnungen fast überreichen Lebens. 1949 promovierte Peter Wapnewski in Hamburg zum Dr. phil. Der Habilitation an der Universität Heidelberg mit einer Arbeit zu Wolfram von Eschenbachs Parzival folgte 1959 die Übernahme des dortigen Lehrstuhls für Mediävistik. 1969 wechselte er von der FU Berlin, wohin er 1966 gegangen war, an die Universität Karlsruhe. Neben seinen wissenschaftlichen Publikationen bemühte sich Wapnewski immer wieder auch in Rundfunk und Hörbuch als Kommentator und Rezitator mittelalterlicher Dichtung um deren Vermittlung an ein breiteres Publikum. Geleitet durch die Frage der Mittelalterrezeption in der Moderne wandte er sich zudem Richard Wagners Musikdramen zu und wurde ein kritischer Begleiter des „Neuen Bayreuth“ der Wagner-Enkel Wieland und Wolfgang. Von 1972 bis 1979 war Wapnewski Vizepräsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, von 1977 bis 2002 Erster Vizepräsident des Goethe-Instituts München. Seit 1986 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, erhielt er 1996 deren Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa. Im selben Jahr erfolgte die Aufnahme in die Berliner Akademie der Künste. Zu den zahlreichen weiteren Auszeichnungen, die ihm zuteilwurden, gehören neben den Ehrenpromotionen durch die Universitäten Heidelberg und Freiburg die Helmholtz-Medaille, die Ernst-Reuter-Plakette sowie das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Am 21. Dezember ist Peter Wapnewski neunzigjährig in Berlin gestorben.

Hans-Christian von Herrmann / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 1/2013

Der Autor leitet an der TU Berlin das Fachgebiet Literaturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Literatur und Wissenschaft.

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