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Kunst ohne Grenzen in Nordeuropa

Montag, 28. Januar 2013

Kristoffer Neville erforscht die gegenseitige Durchdringung in Kunst und Architektur der nördlichsten Höfe

Kristoffer Neville auf Schloss Borgholm/Südschweden. Die Büste König Carls X. Gustaf von Schweden – hier eine Kopie – stammt von Georg Schweigger (Nürnberg 1649)
Lupe

Acht Sprachen spricht und liest Kristoffer Neville. Das habe sich so ergeben, je tiefer er in die Forschung der nordeuropäischen Kunstgeschichte eingestiegen sei, erklärt der 37-jährige Assistant Professor von der University of California, Riverside, der derzeit als Alexander von Humboldt-Stipendiat im Fachgebiet Kunstgeschichte von Prof. Dr. Adrian von Buttlar forscht. Seine Mutter ist Schwedin, er besuchte eine deutsch-französische Schule und wollte eigentlich die italienische Renaissance erforschen. Als er dabei immer öfter auf die Zusammenhänge und die gegenseitige Durchdringung speziell der nordeuropäischen Kunst und Architekturszene stieß, ergaben sich Latein, Niederländisch, Dänisch und Spanisch fast wie von selbst. Derzeit arbeitet er an einem Buch mit dem Arbeitstitel „Denmark, Sweden and the German World 1550–1720“, in dem auch das royale Berlin eine wesentliche Rolle spielt.

Vor allem der Dreißigjährige Krieg (1618–1648), so die gängige Lehrmeinung, habe die Kunstentwicklung gekappt, deren Niedergang mit dem Tod Albrecht Dürers begonnen und die sich erst im 18. Jahrhundert mit Johann Bernhard Fischer von Erlach, Johann Sebastian Bach und anderen Künstlern wieder erholt habe. „Ich glaube, dass man die reichhaltige Kunst und Architektur dieser politisch stark fragmentierten, dezentralisierten Region viel zusammenhängender betrachten muss, als das bisher geschehen ist“, sagt Kristoffer Neville. Er nimmt eine kontinuierliche Exzellenz in der Kunstproduktion Nordeuropas während des 17. Jahrhunderts an. Insbesondere die Höfe von Kopenhagen und Stockholm förderten große Kunstprojekte. Diese waren zugleich die nördlichsten Höfe eines kunstschaffenden Netzwerks, zu dem auch München, Wien, Prag, Dresden und Berlin gehörten. Diese Höfe standen in engem Kontakt und tauschten und schenkten untereinander vielfältige Kunstprodukte wie Gemälde, Skulpturen oder kunsthandwerkliche Arbeiten. Auch ihre Künstler und Architekten wanderten quer durch Europa von einem Auftraggeber zum nächsten und streuten so die Ideen über den Kontinent, unabhängig von nationalen Grenzen. Dass eine solch umfassende Sichtweise bisher nicht gängig ist, hätten neben dem Denken in nationalen Kategorien auch Sprachbarrieren im sprachlich zerklüfteten Europa verhindert, so Neville. Interessante Ergebnisse bringe nämlich auch die alternative Betrachtung der frühen europäischen Stämme von Vandalen, Goten oder Franken. Für diese Forschungen findet der Kunsthistoriker, der unter anderem für seine Dissertation an der Princeton University ausgezeichnet wurde und in den letzten Jahren neben Deutschland bereits in Schweden, Dänemark, England und den Niederlanden geforscht hat, an der TU Berlin fruchtbaren Boden. „Die Universität ist traditionell stark in der Baukunstforschung. Das hat mich sehr gereizt“, sagt Kristoffer Neville. Herausragend in Deutschland seien auch die Berliner Bibliotheken im Bereich Nordeuropa-Forschung sortiert. Und andere warten bereits auf Kristoffer Nevilles Ergebnisse. Unter anderem in den USA und Schweden ist er schon jetzt für 2013 und 2014 auf Symposien eingeladen, um sie vorzustellen.

http://arthistory.ucr.edu/people/faculty/neville

Patricia Pätzold / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 1/2013

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