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TU Berlin

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Menschen

Ahoi London!

Mittwoch, 04. April 2012

TU-Student Linus Lichtschlag will sich für die Olympischen Spiele 2012 qualifizieren

Surrrrrrrrrrrrrrrrrrr. Klack. Surrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr. Klack. Surrrrrrrrrrrrrrrr. Klack. Gleichmäßig ziehen die Arme den Seilzug des Ruderergometers in Richtung Körper („Surrrrrrrrrrrrrr“), die Beine werden durchgedrückt, bevor der Körper auf dem beweglichen Schlitten nach vorne rauscht („Klack“) und der Bewegungsablauf erneut beginnt. „Da verbringen wir pro Tag schon ein paar Stunden, und wenn der Winter vorbei ist, kennen wir das Radioprogramm auswendig“, sagt Linus Lichtschlag. Der TU-Student bereitet sich auf Olympia 2012 in London vor.

Linus Lichtschlag (hinten) und sein Teamkollege Lars Hartig rudern Richtung Olympia
Lupe

Es ist 10.30 Uhr, ein kühler Februarmorgen in Berlin. Die deutsche Olympia-Hoffnung im Leichtgewichts-Doppelzweier hat ihr Krafttraining an den Gewichten hinter sich und wird sich nach dem Frühstück dem Ergo-Training widmen – zu seinem großen Leidwesen ist der Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal noch immer mit Eisschollen übersät. Der 23-Jährige studiert im 7. Semester Maschinenbau an der Technischen Universität Berlin. Für die Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele in London hat er ein Urlaubssemester eingelegt. Anders wäre sein derzeitiges Trainingspensum nicht zu bewältigen. Trainingslager in Frankreich, Heimtraining im Leistungszentrum Rudern am Jungfernheideweg, Trainingslager in Ratzeburg, dann in Portugal. Ab Mitte April steht die erste Qualifizierung im Einer für die deutschen Ruderer an, die Linus Lichtschlag wie in den vergangenen beiden Jahren gewinnen will. „Aus den besten beiden im Einer wird dann der erste Zweier zusammengestellt, Platz 3 und 4 werden der zweite Zweier und so weiter“, beschreibt er das Prozedere und hofft, dass sein Zweier-Partner Lars Hartig ebenfalls wieder mit im Boot ist. Es folgen Zweier-Qualifizierungen und im Mai/Juni die Welt-Cup-Rennen – erst dann trifft der Deutsche Ruderverband die endgültige Entscheidung über die Auserwählten, die Deutschland bei der Olympiade vertreten werden.

„Ab 5. August, wenn die Ruderer in London fertig sind, kann ich dann erst mal wieder essen, was ich will“, sagt der Leichtgewichts-Skuller mit leicht sehnsüchtigem Blick zum frischen Räucherlachs und den Nürnberger Rostbratwürstchen auf dem üppigen Frühstücksbuffet im Ruderzentrum. Er darf – bei einer Größe von 1,88 Meter – bei jedem Wettkampf höchstens 70 Kilogramm wiegen. Vor zehn Jahren hat Linus Lichtschlag an der Schule in einer Ruder-AG mit seinem Sport begonnen, sein Lehrer brachte ihn dann zum Verein, dem Ruderklub am Wannsee. Nach der Juniorenkarriere war schnell klar, dass Linus über einem Gewicht von 79 Kilogramm keine Muskelmasse mehr aufbaut. Seit 1996 ist das Rudern als Leichtgewicht im Doppelzweier und Vierer ohne Steuermann über 2000 Meter olympische Disziplin – so war es für den Teenager eine logische Folge, lieber ein paar Kilogramm abzunehmen und als Leichtgewicht durchzustarten.

Während sein Team-Kollege Lars Hartig als Soldat der Sportfördergruppe immerhin über seinen Bundeswehrsold verfügen kann, ist der TU-Student auf die Unterstützung seiner Eltern und des Vereins angewiesen. „Meine Eltern kommen für den Lebensunterhalt auf, der Verein kümmert sich um die Kosten, die durch den Sport entstehen“, sagt Linus Lichtschlag. Allein sein Boot hat 10 000 Euro gekostet. Und auch an der TU erhält der Ruderer Unterstützung, kann Klausurtermine flexibler legen und zum Beispiel die Kraftsport- und Fitness-Räume kostenlos nutzen. „Leider gibt es beim Rudern kaum große Sponsoren-Verträge – das Fernsehen überträgt nur die Ruderwettbewerbe bei Olympischen Spielen“, bedauert er.

Allerdings geht es dem Athleten bei seinem Sport nicht um das große Geld, wenn er pro Woche bis zu 37 Stunden trainiert und seine Handflächen an gegerbtes Leder erinnern. „Es ist einfach unbeschreiblich schön, morgens über den spiegelglatten Wannsee zu gleiten“, schwärmt er. Und von der Gemeinschaft unter den Ruderern. Dafür fehlt er seit neun Jahren auf Familienfesten und sein Geburtstag fällt genau in die Weltmeisterschaftszeit – eine Geburtstagstorte ist somit tabu. Wenn er dann aber ein großes Rennen gewinnt, wie den Weltmeistertitel im Doppelvierer 2010 oder den Europameistertitel im Doppelzweier im gleichen Jahr – dann haben sich alle Strapazen gelohnt. Und dafür klettert Linus Lichtschlag nach dem Frühstück auch wieder für einige Stunden auf das Lieblings-Foltergerät aller Ruderer: das „Ergo“.

Andrea Puppe / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 4/2012

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