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Fundgrube der Sitten und Gebräuche

Donnerstag, 16. Juli 2009

Linguistin spürt Historie in Redensarten auf

Dr. Barbara Komenda-Earle
Dr. Barbara Komenda-Earle
Lupe

Wie "aus dem Ärmel geschüttelt" läuft seit September 2007 an der Arbeitsstelle für Semiotik der TU Berlin die Arbeit am Forschungsprojekt "Kulturelle Implikationen der Phraseologie (KIM)" von Dr. Barbara Komenda-Earle, Linguistin und Dozentin am Germanistischen Institut der Universität Stettin.

Im Rahmen eines Forschungsstipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung sortiert sie bildhafte deutsche Redensarten nach einem semiotischen Schlüssel, die anschließend sprachlich und kulturgeschichtlich aufbereitet werden. "Die Phraseologie ist für die Forschung eine wahre Fundgrube aktueller und vergangener Sitten, Bräuche, Einsichten, Gewohnheiten", erklärt die Linguistin. "Die Redensarten komprimieren alte Traditionen, Rechtsvorschriften, Aberglauben, aussagekräftige Mimik, Gestik und Körperhaltung." Das bloß metaphorische, der sprachlichen Kreativität entstammende Sprachgut wird von dem realhistorisch fundierten getrennt, es handelt sich also nicht um einfache bildmalerische Ausdrücke wie "Berge versetzen können" oder "das Blaue vom Himmel herunterlügen", sondern um solche, die ihre tatsächlichen Entsprechungen in den Lebensformen und Werthaltungen vergangener Jahrhunderte haben. Beispiele sind "jemandem aufs Dach steigen, Hände ringen, mit Haut und Haaren, am Hungertuch nagen, jemandem den Kopf waschen".

Der wissenschaftliche Gastgeber des Projekts ist Prof. Dr. Roland Posner, mit historischem Wissen wird Barbara Komenda-Earle unterstützt von Promovend Ronald Rüdiger: "Jede Redensart muss historisch belegt sein, will sie ein Höchstmaß an Authentizität zugesprochen bekommen", sagt er, ",Jemanden um die Ecke bringen‘ hat es historisch-symbolisch nie gegeben, während der Ausdruck ,auf die Barrikaden steigen‘ uns historische Wirklichkeiten vermitteln kann." Die Sammlungen des Archivs der Arbeitsstelle für Semiotik bieten der Forscherin interessante Anregungen. Das nächste Projekt wird voraussichtlich Recherchen barocker und gestischer Embleme einschließen.

Barbara Komenda-Earle promovierte 2001 an der Adam-Mickiewicz-Universität Posen. Neben der Arbeit "Sekundäre Bedeutungen von Nationalitäts- und Länderbezeichnungen im Deutschen und Polnischen" und dem begleitenden Wörterbuch "Holländern mit englischem Humor" hat sie mehrere Aufsätze unter anderem zu Lexikologie, Lexikografie, Stereotypenforschung und Phraseologie veröffentlicht. Das laufende AvH-Stipendium ermöglichte ihr außer ergiebiger Vertiefung des Projektthemas sehr wertvolle Kontakte mit internationalen Linguisten, Semiotikern und Kulturforschern.

Barbara Komenda-Earle promovierte 2001 an der Adam-Mickiewicz-Universität Posen. Neben der Arbeit "Sekundäre Bedeutungen von Nationalitäts- und Länderbezeichnungen im Deutschen und Polnischen" und dem begleitenden Wörterbuch "Holländer mit englischem Humor" hat sie mehrere Aufsätze unter anderem zu Lexikologie, Lexikografie, Stereotypenforschung und Phraseologie veröffentlicht. Das laufende AvH-Stipendium ermöglichte ihr außer ergiebiger Vertiefung des Projektthemas sehr wertvolle Kontakte mit internationalen Linguisten, Semiotikern und Kulturforschern.

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 7/2009

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