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"Nicht die Sprache ist das Werkzeug, sondern das Denken"

Dienstag, 07. April 2009

Humboldt-Stipendiatin erforscht, welche deutschen Ordnungen und Systeme in die chinesischen Traditionen passen

LI Yuan auf dem grünen Campus der Zhejiang-Universität in Hangzhou
LI Yuan auf dem grünen Campus der Zhejiang-Universität in Hangzhou
Lupe

Es hat sie immer wieder nach Deutschland gezogen. Seit 1998 war Dr. LI Yuan immer wieder im kühlen Land der Germanen, das ihrer Heimat so unähnlich ist. Ihr Fleiß hatte ihr Stipendien des Goethe-Instituts eingebracht, des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, das TU-Stipendium zur Promotion und das Alexander-von-Humboldt-Stipendium für Postdoktoranden. Und immer wieder zog es sie an die TU Berlin.

Inzwischen ist sie in ihrem Heimatland stellvertretende Direktorin am Institut für German Studies der Zhejiang-Universität in Hangzhou, China, und zurzeit mit einem Alexander-von-Humboldt-Forschungsstipendium wieder bis Ende November an der TU Berlin. Bei Professor Ulrich Steinmüller im Fachgebiet Deutsch als Fremdsprache erforscht sie, wie Literatur als Gegenstand der Landeskunde eine Brücke bilden kann zwischen Tradition und Innovation.

"Als ich anfing, Deutsch zu lernen, war noch gar nicht abzusehen, dass China und Deutschland einmal so eng zusammenarbeiten würden“, sagt die zierliche Professorin in fließendem Deutsch. “Es war damals bei uns eine sogenannte ,kalte Sprache‘, also eine Sprache, die kaum jemand spricht und die nur auf dem Papier vorhanden ist." Die junge Li aber wollte die Welt sehen und hatte die Hoffnung, mit einer wichtigen europäischen Sprache dieses Ziel erreichen zu können.

"Germanistik in China ist anders strukturiert als in Deutschland. Naturgemäß wird zunächst viel Wert auf die Sprachausbildung gelegt, danach folgen erst Landeskunde und Literatur", erklärt LI Yuan. Die berufliche Perspektive ist dagegen keineswegs auf Kultur und Literatur eingeschränkt. Gebraucht werden Germanisten im Außenhandel, in der Diplomatie, als Übersetzer oder in Joint-Venture-Unternehmen. Interkulturelle Kompetenz ist eine gefragte Fähigkeit.

In Hangzhou ist LI Yuan deshalb bei der Umstrukturierung des Studiengangs, die von Prof. Dr. FAN Jieping, ebenfalls ein TU-Alumnus, initiiert worden ist, aktiv mit dabei. Viel Wert wird dort auf Landeskunde, auf Politik und Geschichte, auf Ökonomie und Medienwissenschaft gelegt. Ihre Dissertation beschäftigte sich entsprechend diesen Zielen auch mit integrativer Landeskunde. Sie entwickelte ein Modell für das Fach Deutsch als Fremdsprache in China, am Beispiel des Einsatzes von Werbung. Die Stadt Hangzhou hat ihrem Institut mehrfach Projekte übertragen, die auf den ersten Blick gar nichts mit Sprache zu tun haben, wie die "Internationalisierung der öffentlichen Beschriftungen". Wochenlang liefen LI Yuan und ihre Kollegen mit einer Kamera durch Deutschland und fotografierten Straßenschilder, Autobahnauffahrten, Hausnummern, Hinweisschilder und machten Vorschläge, wie Hangzhou durch Beschriftungen nach deutschem Vorbild Ordnung in das Chaos des Verkehrs und des öffentlichen Lebens bringen könnte.

"Ich habe mit den Forschungen hier die Chance, eine Brücke zu schlagen", sagt die chinesische Forscherin. "Für mich ist nicht die Sprache das Werkzeug zur Veränderung, sondern das Denken. Wenn ich die Sprache beherrsche, verstehe ich Denkprozesse, Systematisierungen, Ordnungen." Um schon junge Leute in China für Deutschland zu interessieren und umgekehrt, ist LI Yuan eine Partnerschaft mit der Bettina-von-Arnim-Schule in Berlin-Reinickendorf eingegangen. Auch die Deutschen sollen Chinesisch dabei nicht nur als Sprache, sondern als Kultur begreifen. Bereits im April wird der erste Austausch stattfinden.

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 4/2009

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