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Abschied von Professor Rudolf Burkhardt

Prof. Dr.-Ing. Rudolf Burkhardt
Prof. Dr.-Ing. Rudolf Burkhardt
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Am 7. Januar 2009 ist Dr.-Ing. RUDOLF BURKHARDT, emeritierter ordentlicher Professor für Photogrammetrie und Kartographie an der Technischen Universität Berlin, verstorben. Er war mit nahezu 98 Jahren das älteste Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformation (DGPF) und seit 1982 ihr Ehrenmitglied.

RUDOLF KARL BRUNO BURKHARDT wurde am 23.2.1911 in Seidenberg in der Oberlausitz geboren. Nach dem Abitur in Görlitz begann er 1930 mit dem Studium des Vermessungswesens an der Technischen Hochschule Berlin, wo gerade der erste Lehrstuhl für Photogrammetrie eingerichtet worden war. Nach sechs Semestern legte er die 1. Staatsprüfung für Vermessungsingenieure in Preußen ab und begann im Januar 1934 beim Katasteramt Görlitz mit der weiteren Ausbildung als "Kandidat des höheren Vermessungsfaches". Aber schon nach wenigen Monaten stieg er aus dem vorgezeichneten Weg aus, um 1935 nach einem Vertiefungsstudium an der TH Berlin die Diplomprüfung für Vermessungsingenieure abzulegen, die damals noch nicht allgemein üblich war. Vorübergehend war er bei der Zeiss-Aerotopograph GmbH in Jena tätig, um schon 1936 endgültig nach Berlin zurückzukehren. Er trat als wissenschaftlicher Mitarbeiter in die Hansa Luftbild GmbH ein, damals die größte Luftbildfirma der Welt. Dort lagen die Schwerpunkte seines Wirkens in der Passpunktbestimmung sowie in Studien zur Radialschlitztriangulation. Sein wissenschaftliches Interesse galt ferner der Stereoskopie, was 1941 zur Promotion an der TH Berlin mit der Arbeit "Untersuchungen zur Frage der Bildtrennung beim stereoskopischen Messen" führte.

Seine akademische Laufbahn begann Professor BURKHARDT kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als seine frühere Hochschule nunmehr als "Technische Universität" wieder eröffnet wurde. Sein akademischer Lehrer und Doktorvater, Prof. Dr.-Ing. OTTO LACMANN, gewann ihn als Mitarbeiter für die schwierige Zeit des Neuaufbaus. Danach erklomm er die akademische Stufenleiter in einem beeindruckenden Zwei-Jahres-Rhythmus: 1946 Assistent, 1948 Oberingenieur, 1950 Habilitation, 1952 apl. Professor und 1954 als Nachfolger von LACMANN nach dessen Emeritierung ordentlicher Professor für Photogrammetrie und Kartenkunde (später Kartographie).

In seinen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten knüpfte BURKHARDT an die von LACMANN geprägte Tradition an und widmete sich schwerpunktmäßig den so genannten Sonderanwendungen der Photogrammetrie. Das brachte vielfältige interdisziplinäre Kontakte mit sich. Hervorzuheben sind vor allem die Arbeiten zur photogrammetrischen Auswertung elektronenmikroskopischer Bilder, die wegen der speziellen Abbildungsgeometrie eigene Gerätekonstruktionen erforderlich machten. Vielseitig und umfangreich waren auch die Arbeiten zur Architekturphotogrammetrie sowie zur Lösung von Messaufgaben im Bauingenieurwesen. Mit besonderer Hingabe widmete sich BURKHARDT der Verbesserung des Anaglyphendrucks und der zughörigen Filterbrillen. Neben vielen anderen theoretischen, praktischen und auch organisatorischen Arbeiten ist vor allem sein literarisches Hauptwerk zu nennen, die grundlegende Neubearbeitung des Teiles "Photogrammetrie" des Handbuchs der Vermessungskunde von Jordan/Eggert/Kneissl. Rund ein Drittel des dreibändigen Werkes hat BURKHARDT selbst verfasst und gemeinsam mit KARL RINNER leistete er die Herausgeberarbeit. Es kennzeichnet die Bedeutung des Werks, dass es auch in chinesischer Sprache erschienen ist.

Als er nach seiner Emeritierung im Frühjahr 1979 von den Lasten und Pflichten des Hochschullehrers befreit war, widmete sich Professor BURKHARDT neuen fachwissenschaftlichen Aufgaben. Dazu gehörten u.a. photogrammetrische Arbeiten zur Augenmedizin und zur numerischen Auswertung von elektronenmikroskopischen Stereobildern. Daneben war er als Obmann des DIN-Ausschusses für "Photogrammetrie und Fernerkundung" tätig. Mit großem Eifer widmete er sich der Geschichte des Fachs und schrieb ein Buch über die Entwicklung der photogrammetrischen Instrumente, das in sieben Sprachen veröffentlicht wurde. Die hohe Anerkennung, die seine fachlichen Leistungen gefunden haben, kommt auch darin zum Ausdruck, dass ihm außer der Deutschen Gesellschaft für Photogrammetrie und Fernerkundung auch der Deutsche Verein für Vermessungswesen und die Deutsche Gesellschaft für Stereoskopie die Ehrenmitgliedschaft verliehen haben.

Neben seinem Engagement als Hochschullehrer und seinen wissenschaftlichen Leistungen schätzten seine Studenten, Mitarbeiter und Kollegen an Professor BURKHARDT immer auch sein bescheidenes, ausgeglichenes Wesen und seine stets positive Lebenshaltung. Charakteristisch für ihn war, dass er seinen Mitarbeitern immer großen Freiraum gab und sie zu eigenen Leistungen motivierte. Diese unverwechselbaren Eigenschaften sind ihm erhalten geblieben und wahrscheinlich haben sie viel dazu beigetragen, dass er bis ins hohe Alter (das Bild zeigt ihn nach seinem 95.Geburtstag) seine optimistische Lebendigkeit behalten hat. Die photogrammetrische Fachwelt hat mit ihm eine profilierte Persönlichkeit verloren, die allen, die ihn kannten, als fachliches und menschliches Vorbild in Erinnerung bleiben wird.

Jörg Albertz

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