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Exzellente Deutschlandstudien

Montag, 15. Oktober 2007

Opferbegriff wandelte sich durch Wohnungspolitik der Alliierten

Clara Oberle
Clara Oberle
Lupe

Zunächst sehr orientierungslos waren die Alliierten 1945, als sie vor die Aufgabe gestellt waren, die Wohnungsfrage in Deutschland, insbesondere in Berlin, zu lösen. Das fand Dr. Clara Oberle von der Princeton University in New Jersey als Stipendiatin des Berliner Abgeordnetenhauses bei der Beschäftigung mit der Alliierten-Häuserpolitik in der deutschen Nachkriegszeit heraus. Ihre Forschungen betrieb sie am Zentrum für Metropolenforschung der TU Berlin, betreut von Prof. Dr. Heinz Reif. 500000 Wohnungen waren damals unbewohnbar, ein Drittel der Berliner Wohnungen, immer wieder wurden Trümmerlandschaften beschrieben, das kaputte Straßenbild, die Obdachlosigkeit der Bevölkerung.

Die Besatzungsmächte wussten nicht wirklich, wo die Berliner wohnten; sie wollten die Stadt zunächst überschaubar und regierbar machen, Großstadt-Aufstände, die sie aus der eigenen Geschichte kannten, verhindern. Denn sie wurden noch im Frühjahr 1946 für Nachkriegschaos, Unordnung und schlechteren Lebensstandard verantwortlich gemacht. Dagegen wehrten sie sich zum Beispiel mit großen, stadtweit ausgehängten Plakaten, die Hitler und Goebbels zitierten: "Ihr werdet Berlin nicht wiedererkennen." Andererseits ermächtigten sie die deutsche Verwaltung, Wohnraum zu beschlagnahmen, und konnten so Tausende Wohnungslose vermitteln, vor allem Benachteiligte des NS-Regimes. Das führte dazu, dass die Antragsteller regelrecht wetteiferten, wer am meisten gelitten hatte und benachteiligt war, führte schließlich zu einer Wandlung des Opferbegriffs: Vom "Opfer der alliierten Bombenangriffe", über "Opfer des Krieges", zu "Opfer Hitlers" und "Opfer des Faschismus". „Ob dies die innere Gesinnung wandelte, zu einer ersten politischen Umerziehung führte oder die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Geschichte sogar verhinderte, bleibt noch zu diskutieren“, so Clara Oberle, der für ihre Leistungen vom Vorstand der Studienstiftung noch ein Leistungsstipendium verliehen wurde.

pp / Quelle: "TU intern", 10/2007

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