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TU Berlin

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Lehre und Studium

Verantwortung und Ethik – die Mission der Universität

Die TU Berlin hat ein Leitbild für die Lehre vorgelegt

Der Informatiker Prof. Dr. Hans-Ulrich Heiß ist als Vizepräsident der TU Berlin für die Lehre, Digitalisierung und Nachhaltigkeit zuständig sowie für die Zentraleinrichtung Wissenschaftliche Weiterbildung und Kooperation (ZEWK)
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Herr Professor Heiß, warum war es für die TU Berlin wichtig und sinnvoll, ihrer Lehre ein neues Leitbild voranzustellen?

Die Welt hat sich in den letzten 20 Jahren sehr verändert: Die geopolitischen Schwerpunkte haben Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Die Studierendenquote hat sich dramatisch erhöht auf fast die Hälfte eines Altersjahrganges, ebenso die Zahl der internationalen Studierenden. Nicht immer ist mehr die Wissenschaft das Ziel, sondern oft nur eine ordentliche Berufsausbildung für einen zunehmend akademisierten Arbeitsmarkt. Der Bologna-Prozess hat die Berufsbefähigung stärker ins Blickfeld genommen. Die Zeit war reif für uns, diesen Wandel zur Kenntnis zu nehmen, uns neu zu positionieren und unsere Mission als Universität zu überdenken. Zeitgleich wurde auch das deutsche Akkreditierungssystem neu geordnet, der Wissenschaftsrat forderte eine „Lehrverfassung“ für jede Universität ein.

In wenigen Worten: Was ist der konkrete Inhalt?

Die ursprüngliche Intention, nämlich Grundlagen zu schaffen, von denen sich alle anderen Ordnungen einer Universität ableiten lassen, zeigt der Begriff „Verfassung“. Ähnlich wie das deutsche Grundgesetz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ festschreibt, so haben wir in dieser „Lehrverfassung“ unser Grundverständnis akademischer Lehre niedergelegt. Wir verstehen unser Leitbild also so, dass es sich in allen weiteren an der Universität gültigen Ordnungen widerspiegelt.

Die Studierenden sollen außerdem, so das Leitbild, ihre Handlungen in einen sozialen Kontext stellen und die ethischen Folgen ihres Handelns bedenken.

Was ist das Neue gegenüber dem Gründungsauftrag der TU Berlin von 1946, in dem Ethik und Humanismus bereits eine tragende Rolle spielten?

Das neue Leitbild bestätigt in der Tat diese erste Idee und erweitert sie. Es geht eben nicht nur um verantwortungsvolle akademische Ausbildung, sondern auch um die Bildung von Persönlichkeit, Kritikfähigkeit, Urteilskraft. Wissenschaftliche Redlichkeit und weitere gesellschaftliche Werte werden ins Zentrum gestellt.

Wie soll Eigenverantwortlichkeit herangebildet werden, wie vermittelt man den Studierenden, die ethischen Folgen ihres Handelns zu bedenken?

Eine spannende Frage. Genau zu diesem Thema hatten wir im November einen mehrtägigen Workshop mit Lehrenden und Lernenden, an dem sich auch das Präsidium stark beteiligt hat (in Ziethen, siehe Artikel unten auf dieser Seite, Anm. d. Red.). Bereits jetzt haben wir fachübergreifende Studienangebote, die sich wie ein „Studium generale“ an Studierende aller Fachrichtungen wenden, sowie das Zertifikatsprogramm „Gender Pro MINT“ oder „Nachhaltigkeit“ oder „Digitaler Wandel“, das gerade in Vorbereitung ist. Bestimmte freie Wahlmodule könnte man verpflichtend in die Curricula aufnehmen. Mit dem bereits angeschobenen „Shift from Teaching to Learning“ geht ja bereits ein Stück Verantwortung auf die Studierenden über, zum Beispiel in Projektwerkstätten. „Akademische Freiheit“ meint also nicht nur die Freiheit der Professorinnen und Professoren, sondern auch die der Studierenden. Doch: Je mehr Freiheit man hat, desto mehr Verantwortung muss man auch tragen.

Ein profilbildendes Merkmal im Leitbild ist das projektorientierte Lernen …

In Projekten, einer wunderbaren Veranstaltungsform, können viele der übergreifenden Kompetenzen, von denen wir sprachen, erarbeitet und erworben werden: Arbeiten in Teams, Stecken konkreter Ziele, selbstständiges Füllen theoretischer Defizite, forschendes Lernen, Gestaltungsinteresse, kritisches Denken und Urteilskraft werden gefördert. In Ziethen haben wir ebenfalls diskutiert, dass mindestens ein Projekt in jedem Studiengang verpflichtend sein sollte.

Studierende sind immer auch an politischer und gesellschaftlicher Mitgestaltung interessiert. Was sagt das Leitbild dazu?

Partizipation war uns als Universität auch vorher schon wichtig, und sie wird nun weiter gefördert. Studierende bestätigen in Gesprächen, dass sie die TU Berlin als eine Art „Mitmach-Uni“ wahrnehmen, sowohl im AStA als auch bei der Mitgestaltung von Lehre. Insbesondere die Projektwerkstätten sind ziemlich einmalig in der Universitätslandschaft. Wir haben uns ernsthaft mit der Frage beschäftigt: Was wird in den nächsten 20 bis 30 Jahren wichtig werden in der Welt? Wie muss man Absolvent*innen und Absolventen ausbilden, damit sie für Herausforderungen der kommenden Dekaden gewappnet sind? Klima, Ernährung, Energie, Globalisierung, digitaler Wandel, Internationalisierung. In vielen Bereichen können wir derzeit nur ahnen, worauf es hinausläuft. Die Frage, die wir uns stellen, ist: Welche Grundkompetenzen müssen wir hier vermitteln, damit diese Probleme angegangen werden können? Gerade dabei müssen die Studierenden, um deren zukünftige Welt es schließlich besonders geht, unbedingt in der Mitgestaltung einbezogen werden.

Das Gespräch führte Patricia Pätzold

Leitbild für die Lehre der TU Berlin

Am 7. November 2018 wurde das neue Leitbild Lehre der TU Berlin im Akademischen Senat verabschiedet. Fast genau ein Jahr vorher, Ende 2017, wurde auf der Klausurtagung in Ziethen der Grundstein dafür gelegt. Nach und nach entstand auf der Basis der dort formulierten Eckpunkte ein „Leitbild für die Lehre“. Präsidium, Gremien und Fakultäten erhielten diverse Entwürfe zur Stellungnahme. So konnte die breite Universitätsöffentlichkeit bei der Ausformulierung partizipieren: beste Voraussetzungen, das Leitbild in der Universität zu verankern. So gelang es fast exakt ein Jahr später, den Entstehungsprozess mit dem einstimmigen Beschluss des AS zu einem Happy End zu führen. Doch damit beginnt die eigentliche Arbeit erst: Die Umsetzung der erarbeiteten „Lehrverfassung“ in den Fakultäten und den zentralen Einheiten, denn das Leitbild Lehre soll gelebt werden. Dazu wurden auf der diesjährigen Tagung in Ziethen erste Ideen entwickelt. Lesen Sie auch den Bericht unten auf dieser Seite.

Das Leitbild für die Hosentasche (TU intern 12-2018, Seite 10)

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