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TU Berlin

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Studium und Lehre

TU Berlin hilft Geflüchteten

„Immer nur Deutsch im Kopf“

Ein Jahr In(2)TUBerlin – eine intensive Erfahrung

Mit Recht stolz: Alexander Tome (l.) und Hassan Al Jamal aus Syrien mit der Leiterin des Studienkollegs Claudia Börsting bei der Zeugnisübergabe.
Lupe

Zugegeben, er hat auch öfter daran gedacht, einfach aufzuhören: „Gefühlt hatte ich die letzten Monate nur Deutsch im Kopf, jeden Tag immer nur Deutsch, Deutsch, Deutsch – es gab einfach keine Pause. Jetzt bin ich froh, dass ich durchgehalten habe“, so Alexander Tome, 20-jähriger Syrer, der zu den ersten Teilnehmern des Programmes In(2)TU Berlin gehört und soeben seine Feststellungsprüfung Deutsch geschrieben und bestanden hat. Entwickelt wurde das Programm von dem Studierenden-Service gemeinsam mit der Zentraleinrichtung Moderne Sprachen (ZEMS) und dem Studienkolleg der TU Berlin.

150 Bewerber gab es vor einem Jahr für die ersten 25 Plätze in dem speziell entwickelten MINT-Sprachkurs für Ge-flüchtete. „Wir haben uns von Anfang an dafür entschieden, bei der Auswahl einen Leistungsansatz zu wählen. Das bedeutete, Teilnehmer und Teilnehmerinnen auszuwählen, die entweder in ihren Heimatländern schon angefangen hatten, ein MINT-Fach zu studieren, oder eindeutiges Interesse an einem MINT-Studienfach hatten“, erläutert Dr. Almut Schön, Geschäftsführerin der ZEMS. Dementsprechend bestand die Aufnahmeprüfung aus einem englisch-sprachigen Mathematiktest auf Abiturniveau. „Die 25 besten Teilnehmer haben einen Platz in dem Kurs bekommen. Inzwischen läuft der vierte Kurs, sodass wir bereits 100 Teilnehmer und Teilnehmerinnen in unseren Deutschkursen haben“, freut sich Claudia Börsting, Leiterin des Studienkollegs.

„Ich habe das Angebot im Internet gefunden und mich sofort angemeldet. Mir war klar: Das ist meine einzige Chan-ce, hier einen Studienplatz zu bekommen“, beschreibt Hassan Al Jamal, der bereits in Syrien einen Bachelor in Elekt-rotechnik erworben hat und jetzt an der TU Berlin seinen Master in Automotive Systems machen will. „Die Sprache ist der Schlüssel zu Deutschland“, das war ihm von Anfang an klar. Auch Alexander Tome hat vor seiner Flucht schon zwei Semester Elektrotechnik und Telekommunikation in Damaskus studiert. „Mathe, Physik, Technik – kein Problem für mich, aber ich habe Schwierigkeiten mit Sprachen.“ Eine Problematik, die tendenziell auf viele Teil-nehmer zutraf: „In den ersten drei Monaten gab es sechs Stunden Deutschunterricht am Tag, dazu gehörten zwei bis vier Stunden Hausaufgaben – da war die Motivation der hauptsächlich naturwissenschaftlich interessierten Kursteil-nehmer zwischenzeitlich ziemlich am Boden“, berichtet auch Sylvie Guschel, Deutschlehrerin und – laut Hassan Al Jamal – so etwas wie die „Mutter der Kompanie“. „Alle Lehrer waren toll, freundlich und engagiert. Frau Guschel hat uns immer wieder aufgebaut, wenn die Motivation mal am Boden war“, so der 25-jährige Syrer aus Lattakia.

„Im Vorfeld haben wir uns sehr viele Gedanken über potenzielle Schwierigkeiten gemacht, sei es aufgrund des unter-schiedlichen kulturellen Hintergrunds, der Erfahrungen mit Flucht und Vertreibung oder unterschiedlicher religiöser Auffassungen. Zum Glück sind diese Themen aber in unseren MINT-Kursen wesentlich weniger problematisch als oft in den Medien dargestellt“, berichtet Dr. Almut Schön. Die Atmosphäre in der Gruppe sei immer freundschaftlich und offen gewesen, bestätigen sowohl Geflüchtete wie Lehrer und Lehrerinnen.

Ein Thema führte allerdings immer wieder zu Diskussionen: Pünktlichkeit und Präsenz. „Es stimmt, Pünktlichkeit bedeutet in Syrien und in Deutschland nicht das Gleiche. Das müssen wir noch lernen“, sagt Hassan Al Jamal und lacht. „Allerdings hat es in den Anfangsmonaten auch sehr viel Zeit gekostet, die notwendigen Unterlagen beim LA-GeSo oder anderen Berliner Ämtern zu besorgen“, ergänzt Alexander Tome. Da musste auch mal ein Unterrichtstag ohne ihn stattfinden. Einen Optimierungsvorschlag haben beide: „Während des Unterrichts sprachen wir Deutsch, aber Zu Hause oder im Freundeskreis – nur Arabisch. Es gab kaum eine Möglichkeit, Kontakt zu anderen Studieren-den aufzunehmen oder die Uni besser kennenzulernen“, bedauern sie – um gleich darauf realistisch einzuschränken: „Vermutlich hätten wir dazu auch keine Zeit gehabt.“

„Seit Ende September steht fest: 19 Teilnehmer haben die Feststellungsprüfung bestanden und können ein Studium an einer deutschen Hochschule aufnehmen – ein tolles Ergebnis für das erste Jahr In(2)TUBerlin“, da sind sich Almut Schön und Claudia Börsting einig.

Alexander Tome und Hassan Al Jamal sind einfach nur glücklich: „Endlich können wir normal studieren und leben.“ Und Alexander Tome fügt noch hinzu: „Berlin und die TU Berlin werden immer einen Platz in meinem Herzen haben, weil sie mich willkommen geheißen haben.“

kj, "TU intern" Oktober 2016

Was ist In(2)-TUBerlin?

Im September 2015 legte die TU Berlin als eine der ersten Universitäten in Deutschland ein Programm für die Integration Geflüchteter in den Universitätsalltag auf: „In(2)TUBerlin“. Es ermöglicht Geflüchteten, die in ihrer Heimat bereits eine Hochschulzulassung erworben haben, eine umfassende Studienberatung sowie die Teilnahme als Gasthörer an TU-Veranstaltungen. Seit dem Wintersemester 2015/2016 nehmen 307 Personen an dem Programm teil. 100 Personen besuchen den MINT-Sprachkurs, den die ZEMS und das Studienkolleg speziell entwickelt haben. Ziel ist es, innerhalb von elf Monaten so viel Deutsch zu lernen, dass die Sprach-Feststellungsprüfung bestanden wird, die zur Aufnahme eines Studiums an der TU Berlin berechtigt. „Ein wirklich ehrgeiziges Ziel, bedenkt man, wie viel Unbekanntes die Studierenden in spe in dieser Zeit zu bewältigen haben“, weiß Dr. Almut Schön, Geschäftsführerin der ZEMS. Der erste Kurs wurde vom Berliner Senat finanziert. Jetzt gibt es eine Finanzierungszusage über 1,2 Millionen Euro bis zum Jahr 2019 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

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