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TU Berlin

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Studium & Lehre

Von der Notwendigkeit zum Statussymbol

Montag, 19. November 2012

Wie die „Ingenieure ohne Grenzen“ in Tansania aus der Not eine Tugend machen

Die Trenntrockentoilette wird von Einheimischen besichtigt. Die richtige Benutzung der Trenntrockentoilette wird vor Ort und in Workshops erklärt.
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„Dringende Bedürfnisse“ sind so universal, dass nicht einmal sittenstrenge Moralisten an der Notwendigkeit ihrer Befriedigung zweifeln. Die Entsorgung der menschlichen Exkremente ist jedoch alles andere als universal. Milliarden von Menschen verwenden diesbezüglich mehr oder weniger hübsch verkleidete Erdlöcher, viele haben nicht einmal das. Hygienemängel und Grundwasserverschmutzung, die die Menschen schwächen oder sogar töten, sind die Folge. Diese Situation zu verbessern, daran arbeitet die Hilfsorganisation „Ingenieure ohne Grenzen e.V.“ im Rahmen des Projekts „Carbonization and Sanitation“ (CaSa).

Die Trenn- trockentoilette
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In ihrer Diplomarbeit am TU-Fachgebiet Ökologie, auf der das CaSa-Projekt beruht, untersuchte Ariane Krause, ob in Tansania durch die Kopplung von Energie- und Sanitärversorgung gleichzeitig die Bodenqualität verbessert werden kann. Abholzung führt in Tansania zu Bodenerosion und mindert die Ernteerträge. Die sonst achtlos weggespülte Materie sollte dafür als Ressource für die Landwirtschaft begriffen werden. Anfang 2012 bauten die „Ingenieure ohne Grenzen“ in Zusammenarbeit mit der tansanischen Nichtregierungsorganisation MAVUNO-Project eine entsprechende Pilotanlage.

Um dem zweiten Teil des Problems beizukommen, wurde nun im Dorf Chonyonyo im Norden Tansanias ein „Toilettenhäuschen“ mit besonderer Funktion errichtet. Kot und Urin werden in einer Trenntrockentoilette separiert und in Auffangbehältern gelagert. Aus dem Urin entsteht nach einer Weile Ammonium, das ihn stark basisch macht, mögliche Krankheitserreger abtötet und ihn schließlich als Stickstoffdünger nutzbar macht. Der Kot wird durch mehrstündige Trocknung bei 80 Grad in einem Hygienisierungsofen keimfrei gemacht. Der Ofen wird entweder mit einem effizienten Holzvergaser oder mit einer Biogasanlage betrieben, die Erntereste verarbeitet. Zusammen mit Küchenabfällen, Biokohle aus dem Holzvergaser und speziellen Mikrokulturen landet dieses Trockenprodukt schließlich in einem Kompost aus der besonders nährstoffreichen Schwarzerde Terra Preta. Sie wurde schon vor Jahrhunderten von indigenen Völkern Südamerikas hergestellt und auf Felder ausgebracht, wo sie die Fruchtbarkeit erhöht und der Bodenerosion entgegenwirkt. Terra Preta stellt im Übrigen auch eine vielversprechende Möglichkeit dar, große Mengen Kohlenstoff dauerhaft aus der Atmosphäre zu entfernen.

Der überdachte Hygienisierungsofen
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Die „Ingenieure ohne Grenzen“ greifen bei ihrer Arbeit so gut wie möglich auf lokale Ressourcen zurück. „Darum versuchen wir hier in Tansania weitestgehend sogenannte Lowtech-Lösungen zu verwirklichen“, erläutert Natalie Rzehak, die an der TU Berlin Technischen Umweltschutz studiert und neben ihrem Engagement bei „Ingenieure ohne Grenzen“ auch Tutorin im Bauraum für Lowtech-Ideen an der TU Berlin ist. „Die Menschen in Tansania sind sehr interessiert an unserem Konzept“, sagt Ariane Krause. „Wenn die Begutachtung positiv ausfällt, kann das CaSa-Konzept als Sanitärversorgung für ein Mädcheninternat verwendet werden. Das Internat benötigt Sanitäranlagen für 1200 Menschen.“ Auch veranstaltet das CaSa-Team Workshops, damit die Farmer ihr Wissen an andere Bauern und andere Dörfer weitergeben können. So sollen die CaSa-Toiletten ihr Image von der lästigen Notwendigkeit zum schicken Statussymbol wandeln.

Peter Vach, Ingenieure ohne Grenzen e.V./ tui / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 11/2012

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