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TU Berlin

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Studium & Lehre

Technik ohne Geschlechtergrenzen

Freitag, 13. Juli 2012

Studienprogramm zu Genderaspekten in Natur- und Ingenieurwissenschaften

Corinna Bath ist seit April 2012 Gastprofessorin am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG) der TU Berlin. Die Stelle wird für zwei Jahre aus dem Berliner Programm für Chancengleichheit finanziert.
Lupe

Frau Bath, wieso beschäftigen Sie sich als Mathematikerin und Informatikerin wissenschaftlich mit Geschlechterfragen?

Schon im Studium galt die hoch angesehene Mathematik als männliches Fach. Ich fragte mich, wie das gesellschaftliche Bild der Mathematik und die Unterrepräsentanz von Frauen mit den fachlichen Inhalten und Methoden zusammenhängen. In der Informatik wurde demgegenüber nach den gesellschaftlichen Auswirkungen von Informationstechnologien gefragt. In meiner Dissertation arbeitete ich heraus, auf welche verschiedenen Weisen Software und IT vergeschlechtlicht sein können und welche Methoden der Technikgestaltung sich im Sinne eines „De-Gendering“ dagegensetzen lassen.


Wie kann Technik „vergeschlechtlicht“ sein?

Geschlechterwissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Unterschiede in der Nutzung von Technologien nicht notwendig entlang der Geschlechtergrenzen verlaufen. Es gibt weder „die“ Frauen und „die“ Männer noch „weibliche“ und „männliche“ Nutzungsweisen. Viele dieser Studien empfehlen allerdings, die „Ich-Methodik“ zu überwinden. Technikgestaltende neigen dazu, ihre Vorstellungen der Realität, ihre eigenen Wünsche und technischen Kompetenzen in den Produkten umzusetzen. Das ist problematisch, wenn dies eine männlich geprägte Gruppe junger, westlicher Technikinteressierter ist. Es geht also nicht darum, „frauenfreundliche“ Produkte zu gestalten, zum Beispiel ein Auto mit mehr Platz für Einkäufe und Kinderwagen zu schaffen. So etwas würde qua technischem Design wieder für Haushalt und Kinder zuständig erklären. Vielmehr muss die Technikgestaltung aus Geschlechterforschungsperspektive darauf zielen, vielfältige Produkte mit unterschiedlichen Funktionalitäten für unterschiedliche Nutzerinnen und Nutzer zu entwickeln, ohne dass diese als „männlich“ oder „weiblich“ angesehen werden. Mittlerweile betont auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, dass gute Forschung Genderaspekte berücksichtigen muss. Das gilt für alle Fächer.


Sollten mehr Frauen Ingenieurinnen werden, um eine bessere Technik zu entwickeln?

Geschlechtsstereotype Differenzen im Ingenieurberuf lassen sich empirisch nicht nachweisen. Im Rahmen des TU-Studienprogramms „Gender Studies in den Ingenieurwissenschaften. Technik – Wissenschaft – Praxis“ versuchen wir Vorschläge zu entwickeln, wie sich bereits etablierte Methoden und Vorgehensweisen in den Ingenieurwissenschaften um Aspekte der Geschlechterforschung erweitern lassen. In der Informatik liegen beispielsweise mit „Participatory Design“ oder „Values in Design“ Methoden vor, die zur geschlechterkritischen Technikgestaltung genutzt werden können.


Was sind Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte?

Ich untersuche Modelle des Humanen, zum Beispiel die Menschenbilder, die in die Robotik einfließen, Vorstellungen von Sozialität, Gefühlen oder auch solche über Wissensproduktion, die dem Semantic Web und Linked Open Date zugrunde liegen, auf Geschlechteraspekte. Ich plane ein Forschungsprojekt, das Forschungsergebnisse zur Vergeschlechtlichung von Technik und den Ingenieurwissenschaften systematisch zusammenträgt sowie theoretische und empirische Forschungslücken in der geschlechterkritischen Technikgestaltung aufdeckt und exemplarisch bearbeitet.


Welche Ziele verfolgen Sie in der Lehre?

Die Studierenden sollen Kompetenzen entwickeln, Geschlechteraspekte in ihr natur- oder ingenieurwissenschaftliches Fach zu integrieren. Dazu begleite ich sie zusammen mit den Fachbetreuenden bei ihren Studien- und Abschlussarbeiten. Historische und gesellschaftstheoretische Aspekte spielen dabei ebenso eine Rolle wie Fragen nach wissenschaftlicher Verantwortung und Ethik. Es geht um geschlechterkritische Forschung und Gestaltung. Seit März haben sich fast 50 Studierende angemeldet, darunter etwa die Hälfte männliche. Die Reflexion über die eigenen Fachinhalte und ihren Zusammenhang mit der Kategorie Geschlecht wird offenbar von vielen als eine sinnvolle Ergänzung zu den Studieninhalten gesehen. Auch können sie sich wissenschaftlich mit gängigen Stereotypen auseinandersetzen, die ihren Erfahrungen widersprechen, zum Beispiel, dass Frauen Technik nicht kompetent bedienen können.

Das Gespräch führte Dipl.-Biol. Bärbel Mauss, Programmleitung und Genderberatung


Im Studienprogramm „Gender Studies in den Ingenieurwissenschaften. Technik – Wissenschaft – Praxis“ haben Studierende und Promovierende der Natur-, Technik- und Planungswissenschaften sowie der Informatik und Mathematik die Möglichkeit, sich grundlegend mit Gender-Studies-Inhalten zu befassen und diese in ihren jeweiligen Studienfächern anzuwenden. Das Programm wurde von Bärbel Mauss konzipiert. Es ist am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG) angesiedelt und startete im März 2012 mit großem Erfolg.


Tel.: 314–2 41 55

Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 7/2012

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