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TU Berlin

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Studium & Lehre

In Glas gepackt

Montag, 18. Juni 2012

Studenten entwarfen eine riesige Klimahülle. Sie soll vor dem Fluglärm des neuen Berliner Airports schützen

Geschützt gegen Lärm: In der Klimahülle, die Masterstudenten der TU Berlin vorschwebt, ist es um 30 Dezibel leiser als draußen
Lupe

So, wie sich alles windet und schlängelt und in die Höhe strebt, erinnert die Öko-City Blankenfelde-Mahlow an die Schönheit von Terrassenlandschaften. Das Außergewöhnliche an ihr aber ist, dass sich über das gesamte Viertel mit begrünten Hochhäusern, unterirdischem Bahnhof, Wasserflächen, botanischem Garten und Zoo ein elegant geschwungenes Glasdach wölbt – wie ein von leichter Hand hingeworfenes Tuch. Dabei ist die Stahlgitterkonstruktion ein wahrer Koloss. Fast 300 Meter breit, 415 Meter lang und am höchsten Punkt 90 Meter hoch, hat die Glashülle eine Fläche von 222 000 Quadratmetern. Das sind ungefähr 30 Fußballfelder. Die bebaute Fläche beträgt 160 000 Quadratmeter.

Entstanden ist die Öko-City im Seminar „Energie- und klimaoptimierte Architektur: Leben im Glashaus“ am Institut für Architektur der TU Berlin. Der Entwurf der beiden Master-Studenten Mohamad W. Almattar und Johannes Gritsch ist visionär. Die Gründe, die zu ihm führten, sind dagegen sehr real. „Die Aufgabe war, eine Idee zu entwickeln, wie die Einwohner von Blankenfelde-Mahlow vor dem Fluglärm geschützt werden können“, sagt der 27-jährige Johannes Gritsch.

Blankenfelde-Mahlow ist jene Gemeinde, die am stärksten vom Fluglärm des neuen Berliner Großflughafens betroffen sein wird. Wobei der längst nicht die einzige Lärmquelle ist. Die Siedlung liegt buchstäblich im Fadenkreuz von Eisenbahnlinien, Autobahn und Flughafen.

Die Studenten konzipierten eine Klimahülle. Die grüne Oase – 82 Prozent des gesamten Areals sind Grünflächen und sieben Prozent Wasser – ist als Rückzugsgebiet vor den Zumutungen der modernen Mobilität gedacht. Etwa 30 Dezibel des Verkehrslärms kann sie schlucken. Das ist viel. Laut Lärmdaten des Brandenburger Infrastrukturministeriums erreicht etwa eine Boeing 737 in einer Höhe von 500 Metern einen Lärmwert von 80 Dezibel. In reinen Wohngebieten gelten 50 Dezibel am Tag als Richtwert.

Die Klimahülle kommt auch ohne Kohlendioxid-Emissionen aus. „Im Sommer besteht die Gefahr, dass sich der Raum unterhalb des Glasdaches extrem aufheizt. Wenn dann Temperaturen von 40, 50 Grad Celsius herrschen würden, wäre die Idee von einem Rückzugsort hinfällig“, erklärt der 26-jährige Mohamad W. Almattar.

Aber nicht Erdöl schluckende Klimaanlagen regulieren Heizung, Kühlung und Lüftung im Inneren der Glashülle, sondern ein ausgeklügeltes System aus adiabater Kühlung (Befeuchtung von Luft, ohne Energie zu- oder abzuführen), Erdkanälen und Erdsonden, Solarthermie und Fotovoltaik. So bleibt das Raumklima unter der Hülle auch an heißen Sommertagen angenehm.

Herzstück der Klimatisierung sind vier zwischen 70 und 80 Meter hohe Kühltürme. Zu sehen sind sie nicht. Mohamad W. Almattar und Johannes Gritsch haben sie in jeweils einem Gebäude „versteckt“. Die Stromversorgung der Öko-City ist zudem völlig autark. Fotovoltaik-Module, die 25 Prozent des Glasdaches bedecken, produzieren fast den gesamten Strom der Stadt, in der sich am Tag bis zu 15 000 Menschen aufhalten können. Über sechs Schleusen gelangt man in und aus der Öko-City, die übrigens genau an jener Stelle geplant ist, wo die Gemeinde durch zwei sich kreuzende Eisenbahnlinien in vier Teile zerschnitten wird. „Mit unserer Öko-City entstünde gleichzeitig auch ein Ortskern, der die vier Areale verbindet“, so Gritsch.

Welcher komplexen Aufgabe sich die Architektur-Studenten stellten, zeigt sich auch in der Form des Daches als doppelt gekrümmte Fläche. Sie ist das Resultat akribischer Berechnungen. „Wir mussten eine Form finden, die Wind und Schnee trotzt sowie der Eigenlast und der Reinigungsprozedur standhält“, erläutert Almattar. Dass sie auch noch ästhetisch ist, ist das Können und die Kunst der zwei, die von den Professoren der drei Fachgebiete Gebäudetechnik und Entwerfen, Städtebau und nachhaltige Stadtentwicklung sowie Tragwerksentwurf und -konstruktion betreut wurden.

Sybille Nitsche / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 6/2012

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