direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Studium & Lehre

Die Dörfer des „Alten Fritz“

Montag, 18. Juni 2012

Kolonisierungspolitik Friedrichs II. in Berlin und Brandenburg – eine Ausstellung

Das Ausstellungsmodul mit Plakatflächen, Vitrinen und Schubladen fand am ersten Ausstellungswochenende gleich großen Anklang.
Lupe

Die erste große Migrationsbewegung in Berlin und Brandenburg löste der preußische König Friedrich II., der „Alte Fritz“, aus. Die Residenzstädte Berlin und Potsdam boten besonders gute Absatzmöglichkeiten für das von ihm stark geförderte Textilgewerbe. In beiden Städten siedelten sich größere textilverarbeitende Betriebe an. Doch die Manufakturen und späteren Industriebetriebe benötigten auch immer mehr Spinner und Weber. Diesen Bedarf wollte Friedrich durch die Ansiedlung von Kolonisten in der Nähe Potsdams und Berlins sicherstellen. Eine Ausstellung, an der Studierende der TU Berlin mitgearbeitet haben, zeigt nun den großen Einfluss auf Bevölkerungsentwicklung und Kultur der heutigen Metropole.

Ein restauriertes Kolonistenhaus in Friedrichshagen
Lupe

Der ehrgeizige Preußenkönig lockte mit Toleranz, Technik und Talent Glaubensflüchtlinge aus vielen Teilen Europas in das dünn besiedelte, rückständige Preußen. Sie erhielten zweckmäßige Wohnhäuser, ein Stück Land, Gemeinschaftsbauten, eine Kirche und weitere Privilegien. Darüber hinaus wollte Friedrich II. kostbare Seide produzieren. Einige Tausend Maulbeerbäume sollten den kulturellen Aufstieg Preußens fördern und teure Importe vermeiden. Doch machten dem König die für den ostasiatischen Baum ungeeigneten Witterungsverhältnisse und auch das Desinteresse der Kolonisten einen Strich durch die Rechnung. Noch heute bezeugen vereinzelte alte Maulbeerbäume im Berliner Umland diesen Versuch.

Die aus dieser Siedlungspolitik entstandenen Kolonistendörfer stehen nun im Mittelpunkt der mobilen Ausstellung „FRITZ | DORF | STADT – Kolonistendörfer in der Metropolregion“. Sie zeigt, wie die Förderung von Zuwanderern und Glaubensflüchtlingen im Textilhandwerk zur Entwicklung der Metropolregion Berlin-Brandenburg beitrug und welche Bedeutung die überkommenen Dorfstrukturen in den Städten heute haben. Viele Kolonistendörfer sind inzwischen Berliner Stadtteile geworden, doch einige haben sich inmitten verdichteter Berliner und Potsdamer Mietshäuser bis heute als wertvolle Kulturdenkmale erhalten und können wichtige Impulse für deren zukünftige Entwicklung liefern.

Die Ausstellung zeigt Produkte der damaligen Zeit, etwa Baumaterialien, Textilien oder Maulbeererzeugnisse, Bild- und Text-Dokumente sowie Artefakte, die das Leben in den Kolonistendörfern dokumentieren. Beleuchtet wird zudem, inwieweit die Ortsgeschichte heute das Handeln und Denken der Bewohner und Gewerbetreibenden beeinflusst. Der Erhaltungszustand der in traditioneller Bauweise errichteten Architektur wird ebenso in den Blick gerückt wie die heutige Lebensweise in den etwa 250 Jahre alten Wohnhäusern. Im Zentrum stehen als historische Siedlungsbeispiele zwei ehemalige Kolonistendörfer im Land Brandenburg (Nowawes, Potsdam-Babelsberg sowie Erkner, Landkreis Oder-Spree) und zwei im Land Berlin (Friedrichshagen, Treptow-Köpenick sowie Rixdorf, Neukölln).

Das zentrale Ausstellungsmodul, ein transportabler Würfel mit beleuchteten Glasvitrinen und 24 Schubladen, wird im Rahmen eines Stadtfestes nacheinander an den vier Orten präsentiert. Das Spezifische der jeweiligen Orte wird durch Live-Interviews mit Bewohnern und durch verschiedene Produktangebote erlebbar. Die Befragungen werden von Studierenden des Center for Metropolitan Studies der TU Berlin durchgeführt. Sie haben auch bereits für die Ausstellung vier „Hausgeschichten“ mit den heutigen Bewohnern erarbeitet, die nach der Vergangenheit eines Hauses und den Lebensweisen seiner Bewohner fragen und ein zentrales Element der Ausstellung bilden.

Noch bis zum 18. Dezember 2012 wird die Ausstellung zu sehen sein. Sie wurde kuratiert durch das „team [best] Dr. Nicola Bröcker, Dr.-Ing. Celina Kress und Dr. Simone Oelker“ in Zusammenarbeit mit Studierenden des Center for Metropolitan Studies der TU Berlin.

ehemalige Kolonistenhäuser um 1900 in Nowawes (links) und Rixdorf (rechts)
Lupe

Kolonistendorf Nowawes, Kulturhaus Babelsberg, Potsdam: bis 9. August 2012

Kolonistendorf Erkner, Museumshof am Sonnenluch, 9. September 2012 bis 3. Oktober 2012

Kolonistendorf Friedrichshagen, Berlin, altes Rathaus Friedrichshagen: 6. Oktober bis 31. Oktober 2012

Kolonistendorf Rixdorf/Neukölln, Berlin, Galerie im Saalbau: 2. November bis 18. Dezember 2012

www.tu-berlin.de/?id=120212

Patricia Pätzold / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 6/2012

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Matomo für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.