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TU Berlin

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Studium & Lehre

Grau ist alle Theorie

Freitag, 16. Dezember 2011

Studierende beschäftigen sich mit der nachhaltigen Nutzung von Wasser im arabischen Raum

Deutsche und syrische Studierende während einer Exkursion
Lupe

Die deutschen und syrischen Studierenden haben in den vergangenen Monaten heftig darüber gestritten, welches der richtige Weg ist, Wasser in trockenen Regionen nachhaltig zu nutzen. Die Debatte vollzog sich innerhalb des Projektes "Wasser - Nachhaltige Nutzung eines besonderen Kulturgutes im arabischen Raum". War es für die deutschen Studierenden selbstverständlich, geklärtes Abwasser wieder in den Wasserkreislauf einzubringen und es für die Toilettenspülung oder die Bewässerung von Gärten und Feldern zu verwenden, lehnten die syrischen Studierenden solche Konzepte kategorisch ab. Abwasser klären - ja, und am besten in großen, technisch anspruchsvollen Anlagen, aber eine Wiederverwendung schon einmal benutzten Wassers war für sie nicht vorstellbar.

Das Projekt gehört zum Förderprogramm "Deutsch-Arabisch/Iranischer Hochschuldialog", das der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) 2008 ins Leben rief, um den nach den Anschlägen des 11. September 2001 zusammengebrochenen Dialog zwischen westlicher und islamischer Welt wieder zu beleben. Die Idee ist, über den fachlichen Austausch und die akademische Kooperation auf der Grundlage gemeinsamer wissenschaftlicher Interessen Menschen unterschiedlicher Kulturen miteinander ins Gespräch zu bringen. Ziel ist es, das Verständnis gegenüber der jeweils anderen Kultur zu verbessern und interkulturelle Erfahrungen zu sammeln.

Im Jahr 2009 bewarben sich die beiden TU-Fachgebiete Hydrogeologie von Prof. Dr. Uwe Tröger und Siedlungswasserwirtschaft von Prof. Dr.-Ing. Matthias Barjenbruch gemeinsam und bekamen den Zuschlag. "Gefördert werden solche Vorhaben, die für die arabischen Länder und den Iran gesellschaftliche und wissenschaftliche Bedeutung haben. Wasser ist ein solches Thema", sagt Florian Bauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Hydrogeologie und in dem Projekt.

In den arabischen Ländern wird Wasser zunehmend eine knappe Ressource, verursacht durch das rasante Bevölkerungswachstum in Nordafrika und Nahost. Die Kooperationspartner auf arabischer Seite sind die Al-Balqa' Applied University in Jordanien, die Universität Aleppo und die Universität Damaskus in Syrien sowie die Sfax-Universität in Tunesien. Den Praxistest mussten die beiden studentischen Ansätze dann in zwei ausgewählten syrischen Dörfern im Westen des Landes bestehen. "Für beide Dörfer sollten die Studierenden ein autarkes Trinkwasserversorgungs- und Abwasserentsorgungssystem ausarbeiten mit dem Ziel, jedes Haus daran anzuschließen und mit fließendem Wasser zu versorgen", erklärt Bauer. Bislang beziehen die Menschen ihr Wasser aus nahe gelegenen Quellen, das in Kanistern oder Tankwagen herangeschafft wird.

Als die 40-köpfige Studierendengruppe dann im Frühjahr nach Syrien reiste, stellte sie fest: Grau ist alle Theorie. Weder stieß das Konzept aufbereiteten Abwassers bei den Dorfbewohnern auf Akzeptanz, noch würde sich der Bau technisch aufwendiger Kläranlagen umsetzen lassen. "Die angehenden deutschen Ingenieure mussten lernen, dass noch so kluge Technologien keine Chance haben, wenn kulturelle oder soziale Gepflogenheiten einem Einsatz entgegenstehen", sagt Stefan Rettig, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft, "und die syrischen Studierenden mussten lernen, dass es nicht klug ist, Technologien umzusetzen, wenn zum Beispiel geografische Gegebenheiten dagegensprechen oder infrastrukturelle Voraussetzungen fehlen." Vielmehr erkannten die Studierenden, dass das Zauberwort angepasste Lösungen heiße, so Rettig.

Dafür musste in mehrstündigen Befragungen der Bürgermeister und der Bewohner herausgefunden werden, was die drängendsten Probleme sind und was die Bewohner sich am meisten wünschten: Es waren sauberes fließendes Trinkwasser und eine durchgehende Versorgung, ohne tägliche Abschaltungen.

Sybille Nitsche / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 12/2011

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