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TU Berlin

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Studium & Lehre

Mister einhundertzehn Dezibel

Freitag, 11. November 2011

Uwe Nestmann war bei der 1. Berliner Professorennacht an den Reglern und zeigte sich den Studierenden einmal anders

Lupe

Die Sportstudierenden der HU Berlin bringen sich in Stimmung. "Heinicke, Heinicke", skandieren sie den Namen ihres Hochschullehrers im Fritzclub am Ostbahnhof. Doch jetzt, eine Stunde nach Mitternacht, gehört die Bühne erst einmal Uwe Nestmann. Der Professor lehrt an der TU Berlin Theoretische Informatik, ein Fach, das für manchen Studienanfänger im ersten Anlauf Schweiß und Tränen bedeutet. In dieser Novembernacht aber geht es nur um Schweiß und laute Kehlen. Uwe Nestmann ist einer von acht Hochschullehrenden, die an der 1. Professorennacht in Berlin teilnehmen, vom Hörsaal an die Turntables in den Clubs wechseln, ihre Musik auflegen - unter Anleitung eines Profi-DJs - und zeigen: Wir können auch anders.
Die 1. Professorennacht fand 2007 in Tübingen statt; seither auch in Halle, Hamburg, Jena. Jeweils zwei Professoren treten gegeneinander an. Die Lautstärke des Applauses entscheidet über den Sieg. Neben Uwe Nestmann sind zwei Hochschullehrer der HTW Berlin, der HU Berlin, der FU Berlin und einer von der Charité dabei. Nestmanns Herausforderin ist Prof. Dr. Debora Weber-Wulff von der HTW Berlin, bekannt als die "Plagiatsjägerin".

Nestmann strahlt, als er ins Scheinwerferlicht tritt. Er trägt ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift "define & conquer" - "definiere & herrsche". Nestmann hebt beide Arme in die Höhe und animiert das Publikum zum Mitklatschen. Er wirkt ziemlich cool, unangestrengt, und dafür, dass er noch nie in einem Club aufgelegt hat und nur in wenigen Minuten ein paar Basics an den Reglern von DJ Caniggia aus Miami vermittelt bekommen hat, ist er gar nicht schlecht am Plattenteller. Keiner der acht bekommt die Übergänge zwischen den Titeln so fließend hin. Auf seiner Playlist stehen "I love Rock' n' Roll" von Joan Jett & The Blackhearts, "What else is there? (Trentemøller Remix)" von Røyksopp, "Fight for your right" von den Beastie Boys und "99 Luftballons". Da legt er das unvermeidliche Nena-Stirnband an und lässt drei Luftballons in den Saal fliegen. Der Dancefloor kreischt, der 44-Jährige hat seinen Spaß und die Studis auch. Sie tanzen, schwenken die Arme und singen mit. 110 Dezibel ist "sein" Beifall laut. Damit gewinnt er gegen Weber-Wulff und liegt am Ende im Mittelfeld. Seine Playlist aber, befindet DJ Caniggia, ist die "mit Abstand beste" an diesem Abend. HU-Professor Reinhard Singer bekommt mit 118 Dezibel schließlich den stärksten Applaus.

Uwe Nestmann liebt fast jede Art von Musik - zuweilen beginnt oder endet auch seine Vorlesung mit Musik. Warum er mitmacht? - "Einfach aus Spaß", sagt er, aber ein bisschen Imagepflege für den Professor im Allgemeinen und den Informatiker im Besonderen sei es auch. Der eine gelte als alt und ehrwürdig, der andere als "Nerd", als Langweiler, der nicht über seinen fachlichen Horizont hinausblickt. In Wirklichkeit sei es in der Regel nicht ganz so schlimm, lacht Nestmann.

Die Stimmung wird halbstündlich besser. Zum großen Erstaunen gehen die Studierenden beim "Holzmichl" und bei "Alt wie ein Baum" so richtig aus sich heraus. Die ersten entern die Bühne, Jacken werden geschwenkt.

Gegen vier Uhr morgens sinkt in der Garderobe ein Jurastudent in die Sessel. Er ist völlig hinüber. War es so anstrengend? "Ja", sagt er. "Ich habe mir die Seele aus dem Leib geschrien für meinen Prof, aber er hat es verdient, der ist echt klasse", krächzt er noch. Dann sackt sein Kopf auf die Schulter. Das Urteil gilt für alle acht Professoren. 

Sybille Nitsche / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 11/2011

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