direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Page Content

There is no English translation for this web page.

Studium & Lehre

Die Stadt ist nicht allein fürs Auto da

Freitag, 14. Oktober 2011

Studierende suchen nach Verkehrsplanungsideen, die allen Mobilität garantieren

Für alle Nicht-Autofahrenden ist die Möglichkeit, mobil zu sein, in Neukölln unzureichend
Lupe

Wenn Verkehrsplanung sich ausschließlich an den Interessen des autofahrenden, vollzeiterwerbstätigen, männlichen Berufspendlers orientiert, dann kommen die Mobilitätsbedürfnisse all jener unter die Räder, die kein Auto fahren. Die Teilnahme am sozialen Leben wird ihnen erschwert. Das ist ein Fazit der Studie "Verkehrsplanung unter Berücksichtigung von Genderaspekten am Beispiel Neukölln", die Studierende am Institut für Land- und Seeverkehr unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Solveigh Janssen 2010/11 durchführten.

Und die Gruppe der Ausgeschlossenen ist gar nicht so klein: Kinder, Jugendliche, Behinderte und ältere Menschen sowie all diejenigen, die kein Auto zur Verfügung haben, die als Fußgänger, Radfahrende oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Ziel der Studierenden war es, zu analysieren, welche Mobilitätsbedürfnisse die einzelnen Bevölkerungsgruppen haben und wie mobil sie im untersuchten Gebiet um die Sonnenallee, Pannierstraße und Wildenbruchstraße sein können. Die Studierenden erstellten ein Kataster von Mängeln und erarbeiteten Maßnahmen zu deren Beseitigung.

Zu den augenfälligsten Schwachpunkten gehört, dass es zu wenig gesicherte Straßenquerungen für Fußgänger gibt, es an abgesenkten Borden fehlt, die es Rollstuhlfahrenden ermöglichen würden, sich ungehindert zu bewegen, es an Radwegen und Radabstellanlagen mangelt und Busse für Mütter oder Väter mit Kinderwagen oder für ältere Menschen mit Rollator ungenügend ausgelegt sind. Die Studierenden konstatierten, dass das Untersuchungsgebiet mit Autos zugeparkt ist, obwohl dort nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung selbst ein Auto besitzen. Ausreichend Alternativen für Nicht-Autofahrende fehlen. Auf Schritt und Tritt spürten die zukünftigen Verkehrsplanerinnen und -planer bei ihren Vor-Ort-Besuchen das Nachwirken einer Verkehrsplanung der Vergangenheit, die in Schlagworten wie verkehrsgerechte und autogerechte Stadt sowie stadtgerechter Verkehr ihren Ausdruck fand und deren Leitbild der erwerbstätige, vollzeitbeschäftige, autofahrende Bürger war mit all den negativen Auswirkungen. Zwar sind diese Konzepte obsolet und es fehlt auch nicht an Wissen für eine integrierte Verkehrsplanung. In der Praxis aber mangelt es dann oftmals an der Umsetzung und dem Bewusstsein, dass alle davon profitierten, würden die vielfältigen Mobilitätsbedürfnisse aller umgesetzt werden, so Solveigh Janssen. Wenn Mütter und Väter sicher sein könnten, dass ihre Kinder sich gefahrlos im öffentlichen Raum bewegen können, würde das auch ihren Alltag erleichtern. Mancher Chauffeurdienst der Eltern würde sich erübrigen.

Die Studierenden kamen zu dem Ergebnis, dass die Möglichkeit, mobil zu sein, für alle Nicht-Autofahrenden im Untersuchungsgebiet unbefriedigend ist. Sie entwarfen ein integriertes Maßnahmenkonzept, das eine hohe Verkehrssicherheit, eine dichte ÖPNV-Erschließung und eine Verbesserung der sozialen Sicherheit beinhaltet. In dem Konzept unterbreiten die Studierenden Vorschläge, wo Fußgängerüberwege eingerichtet werden sollten und wie diese ausgestattet sein müssten, damit ein Zuparken verhindert wird. Sie schlagen den Einsatz von Gelenkbussen vor, um mehr Platz für Kinderwagen zu haben. Und sie befürworten, den Radverkehr im Bezirk zu stärken, indem Autostraßen in Fahrradstraßen umgewandelt werden, auf denen der ADAC-Slogan von 1973, "Freie Fahrt für freie Bürger", keine Gültigkeit mehr hat.

Sybille Nitsche / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 10/2011

Zusatzinformationen / Extras

Quick Access:

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

This site uses Matomo for anonymized webanalysis. Visit Data Privacy for more information and opt-out options.