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TU Berlin

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Studium & Lehre

TUtopia – die Arbeitswelt von morgen

Dienstag, 05. April 2011

TU-Studierende verschiedenster Studiengänge entwickeln Visionen für das Leben in der Zukunft

Studierende, betreut von der Wissenschaftlerin Sonja Cornelißen (links), präsentieren futuristische Konzepte zu Arbeitsorganisation und Work-Life-Balance
Lupe

Auf dem Weg zur Arbeit steckt Paula P. ihre Brain Card in das Terminal des Brain Train und nutzt die halbe Stunde Fahrtzeit für ein individuell auf sie abgestimmtes Vokabeltraining. Morgen steht eine Dienstreise nach London an. Zum Glück hat das Social Service Department ihrer Firma die Betreuung ihres fünfjährigen Sohnes Felix in der betriebseigenen Kita so organisiert, dass der Junge auch die nächste Nacht dort verbringen kann. Gegen 10.00 Uhr checkt Paula P. elektronisch im Jahresarbeitskonto der Firma ein und begibt sich an ihren Arbeitsplatz im Großraumbüro. Vor der Teamkonferenz hat sie die Daten ihres BlackBerry und des Laptops mit dem Firmenrechner synchronisiert – nach zwei Tagen Arbeit im Home Office. Felix hatte eine leichte Grippe, die alleinerziehende Mutter hatte es deshalb vorgezogen, zu Hause zu arbeiten. Paula P. hält inne und denkt an die Erzählungen ihrer 76-jährigen Großmutter: 40-Stunden-Wochen, Anwesenheitspflicht am Arbeitsplatz und keine Kinderbetreuung in der Firma. Kaum vorstellbar, diese Arbeitswelt im Jahre 2011!

Die Arbeitswelt der Paula P. – eine schöne Utopie? Es handelt sich um eine TUtopie: Die Abschlusspräsentation der 100 Studierenden der Lehrveranstaltung „Grundlagen der Arbeitswissenschaft I“ der TU Berlin zeigt Ideen zur Aufgabenstellung „Entwickeln Sie Ihr Ideal einer zukünftigen Arbeitswelt!“. In sieben Gruppen erdachten die Studierenden Szenarien und entwarfen Modelle für die sieben Teilaspekte Ausbildung/Weiterbildung, Berufseinstieg/Berufswahl, Abgrenzung/Verbindung von Privat- und Berufsleben, erfüllende Arbeit, dynamische Berufslaufbahn, Work-Life-Balance und Arbeitsorganisation. „Wir haben die Gruppen möglichst interdisziplinär zusammengestellt“, berichtet Sonja Cornelißen, die die Studierenden als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Arbeitswissenschaft und Produktergonomie bei Prof. Dr. Wolfgang Friesdorf betreut hat.

Und so ergab die Zusammenarbeit von Maschinenbauern, Soziologen, Wirtschaftsingenieuren, Human-Factors- und Verkehrswesen-Studierenden verschiedener Semesterstufen einen ebenso bunten In- wie Output. Mit der Vereinbarkeit von Familienleben und Beruf setzte sich die Unit „Abgrenzung/Verbindung von Privat- und Berufsleben“ auseinander. „Uns war es wichtig, auch ältere Menschen mit einzubeziehen, die dem ehemaligen Unternehmen als ,Silverworker‘ zur Verfügung stehen könnten“, berichtet Unit-Manager Konstantin Gänge. Die Gruppe analysierte zunächst aktuelle Bevölkerungsprognosen. „Künftig wird es an Fachkräften mangeln“, sagt Gänge. Auch Familienstrukturen verändern sich. Die Lösung der Studierenden: ein Konzept, das soziale Bedürfnisse berücksichtigt. In den Abteilungen „Child Care Institution“ und „Elder Care Facility“ sorgt das Unternehmen für die Kinder seiner Mitarbeiter und ehemalige Firmenangehörige. „Diese könnten als kurzfristig einsetzbare Fachleute zur Verfügung stehen oder sich im ,Social Service Department‘ engagieren – selbstverständlich auf freiwilliger Basis“, erläutert Gänge. Im Pflegeheim („Elder Care Facility“), das der Firma angeschlossen ist, gibt es auch Aufgaben für die Pensionäre, die ihren Abschied vom aktiven Berufsleben zum Beispiel mit dem Engagement im Pflegealltag älterer Kolleginnen und Kollegen kompensieren können.

Andrea Puppe / Quelle: "TU intern", 4/2011

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