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TU Berlin

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Studium & Lehre

Von A wie Abrogans bis Z wie Zeitung

Donnerstag, 20. Januar 2011

Deutsche Sprachgeschichte visuell erfahrbar machen

Der erste Eintrag in dem Glossar des Deutschen Abrogans lautet "abrogans-dheomodi" (= demütig)
Lupe

Im achten Jahrhundert trug ein Mönch in einem kleinen Vokabelheft die folgenschweren Wörter "abrogans-dheomodi" (= demütig) ein. Damit begann nun ein lateinisch-althochdeutsches Glossar, das zu den frühesten seiner Art zählt. Nach diesem ersten Eintrag wird das Werk in der Germanistik „Abrogans“ genannt. 1200 Jahre später sollen das erste lateinisch-deutsche Glossar, der Sachsenspiegel als erstes deutschsprachiges Rechtsbuch, die erste gedruckte Zeitung und viele andere Texte, die Studierende der deutschen Philologie meist nur aus Beschreibungen und modernen Editionen kennen, in einer „Deutschen Sprachgeschichte in Bildern und Dokumenten“ visuell erfahrbar gemacht werden. So die Idee, die Prof. Dr. Herbert Wolf von der Universität Marburg jahrzehntelang vorschwebte. Die vielen Dokumente, die er zur deutschen Sprachgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart in Kopien sammelte, warteten lange in Zettelkästen auf eine ambitionierte Projektgruppe, die diesen Plan ausführen sollte. 2001 griff Prof. Dr. Rudolf Bentzinger von der TU Berlin den Plan auf und bald schon bildete sich um das Herausgeberteam, die Professoren Norbert Richard Wolf, Wolf Peter Klein, Rudolf Bentzinger und Dr. Annemarie Heyder, eine Gruppe von TU-Studierenden und Absolventen, die als Autoren und Redakteure ihren Beitrag zu dem Buchprojekt leisten.

Ziel ist es, eine DVD mit digitalisierten Bildern und Dokumenten zu den fünf Themenschwerpunkten der "äußeren" Sprachgeschichte, Medienwandel, Sprachkontakt, Fach- und Sondersprachen, Deutschunterricht und Diagliederung des Deutschen zu erstellen. Kommentare geben Auskunft über die Quellen der Digitalisate, die Inhalte der Dokumente, ordnen sie sprachgeschichtlich ein und geben Literaturhinweise für Studierende. Zu der DVD wird ein Begleitbuch in Überblickskapiteln in die Themenkomplexe einführen. Das auf privater Initiative beruhende Projekt wird besonders unterstützt durch das Forschungskolloquium der Älteren Deutschen Philologie, bisher von Prof. Dr. Jürgen Wolf geleitet. Der Verlag S. Hirzel in Stuttgart will es als Supplement zu Wilhelm Schmidts auflagenstarker "Geschichte der Deutschen Sprache" veröffentlichen.

Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Verknüpfung von Sprachgeschichte und Kulturgeschichte sowie fachübergreifend auch auf Themen wie dem Medienwandel. Hier wird nach sprachlichen Auswirkungen von Handschrift, Buchdruck oder Computer gefragt, die die Medien revolutionierten, sowie nach sozialen und kulturellen Veränderungen, die wiederum auf die Sprache einwirken. Besonders das junge elektronische Medium "Computer" kann Prozesse des Medienwandels sichtbar machen. So präsentiert die DVD zur "Geschichte der Zeitung" neben Flugblatt und Flugschrift auch die frühen handschriftlichen Zeitungen. So können die Studierenden nebeneinander die Reproduktion einer Seite der frühesten erhaltenen deutschen Zeitung "Aviso" (1609) und eine zeitgleich verfasste handschriftliche Zeitung betrachten. Sprachgeschichtliche Informationen wie die Entwicklung des Zeitungsstils werden so neben technischen wie der formalen Ausgestaltung des neuen Mediums im frühen 17. Jahrhundert im wahrsten Sinne des Wortes "vor Augen geführt". Die Drucklegung ist für Ende 2011 geplant.

Ronny F. Schulz, M. A., Doktorand im Fachgebiet Ältere Deutsche Philologie / Quelle: "TU intern", 1/2011

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