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TU Berlin

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Studium & Lehre

Schöner Sündenfall

Montag, 12. Juli 2010

Auf den Spuren Andrea Palladios im Veneto

In Palladios Villa Rotonda bei Vicenza erhebt sich das Wohnhaus zum weithin sichtbaren Tempel
Lupe

Seine große Wirkung erzielte der Renaissancearchitekt Andrea Palladio (1508–1580) mit sparsamsten Materialien und Bautechniken: bis auf wenige Haustein-Ornamente zumeist nur Ziegel, Holz und Verputz. Mit den Theorien des Bauens wurde Palladio mit seinen Stadtpalästen, öffentlichen Gebäuden und Monumenten in Oberitalien zum einflussreichsten Architekturtheoretiker der frühen Neuzeit. In zwei Seminaren und auf einer einwöchigen Exkursion untersuchten Studierende des TU-Masterstudiengangs "Kunstwissenschaft und Kunsttechnologie" der Fakultät I Geisteswissenschaften einige der wichtigsten Villenbauten dieses Künstlers und Architekten vor Ort im Veneto. Begleitet wurden sie von zwei Forschungsexperten in Sachen Architekturtheorie: dem Kunsthistoriker und Dekan der Fakultät, Prof. Dr. Adrian von Buttlar, und von dem derzeit am Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik arbeitenden Humboldt-Forschungspreisträger Prof. Dr. Dr. Branko Mitrovic aus Auckland in Neuseeland, der schwerpunktmäßig zu Palladio forscht (siehe TU intern 6/10). Die Studierenden befragten variantenreiche, bis in die Postmoderne des 20. Jahrhunderts wirkungsmächtige Prototypen des klassischen Formenkanons auf ihre mathematisch-harmonischen Proportionen und auf ihren Antikenbezug hin. In beiden Gestaltungsstrategien, so lernten sie, manifestiert sich ein neues Wissenschaftsverständnis der Renaissancearchitekten. Der repräsentative, aber zugleich funktionale Habitus, Palladios raffinierte Architektursprache und nicht zuletzt die reichen bildnerischen Ausstattungen spiegeln das Selbstverständnis des venezianischen Patriziats wider, das seinen gefährdeten Reichtum im 16. Jahrhundert zunehmend in die landwirtschaftliche Kultivierung des Hinterlandes investierte. So verbinde Palladios Villa rustica beispielhaft Gutsbetrieb und Kulturzentrum, so Professor von Buttlar. Der Extremfall der Villa Rotonda an der Peripherie Vicenzas gelte durch die Erhebung des Wohnhauses zum allansichtigen Tempel mit sakralem Kuppelmotiv eher als schöner "Sündenfall" einer autonomen – und kaum noch bewohnbaren – Architekturidee.

tui / Quelle: "TU intern", 7/2010

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