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TU Berlin

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Studium & Lehre

Diplomatisch und wissenschaftlich kompetent

Montag, 22. Februar 2010

Die größere Autonomie der Hochschulen stellt andere Anforderungen an die Personalauswahl des Universitätsmanagements

Cort-Denis Hachmeister ist Diplom-Psychologe und seit Oktober 2000 als Projektleiter beim Centrum für Hochschulentwicklung tätig
Lupe

Herr Hachmeister, das Centrum für Hochschulentwicklung hat in einer neuen Studie durch eine systematische Befragung ermittelt, welches die Aufgaben und wichtigsten Eigenschaften von Dekaninnen und Dekanen sowie Fakultätsmanagerinnen oder –managern sind. Was war der Hintergrund dieser Befragung?

Fachkenntnisse eines Kandidaten erfasst man im Gespräch und aus Unterlagen. Persönlichkeitseigenschaften kann man aber nicht so direkt messen. Hier hat sich das Instrument der Verhaltensbeobachtung zum Beispiel im Rahmen eines Assessment-Centers durchgesetzt, um diese zu erfassen. Doch welche Eigenschaften braucht ein Dekan oder eine Fakultätsmanagerin? Auf diese Frage fokussierte unsere Studie ganz speziell. Mit den Ergebnissen wollen wir dazu beitragen, empirische Grundlagen für eine noch professionellere Personalauswahl für diese für die Entwicklung einer Universität wichtigen Funktionen zu schaffen. Dazu haben wir eine größere Anzahl Stelleninhaberinnen und -inhaber selbst befragt, welche Eigenschaften sie am wichtigsten finden, und auch, in welchen Situationen diese besonders zum Tragen kommen.

Welches sind nun die wichtigsten Eigenschaften, die ein Hochschulmanager haben sollte?

Die Befragten konnten die Wichtigkeit auf einer Skala von eins – unwichtig – bis fünf – sehr wichtig – bewerten. Es fielen dabei 13 Eigenschaften auf, deren Wert insgesamt bei über 4,5 lag. Das waren zum Beispiel: Diplomatie und Verhandlungsgeschick, Überzeugungskraft, kommunikative Fähigkeiten, Führungskompetenz und Konfliktfähigkeit. Als etwas weniger wichtig wurden zum Beispiel Methodenkenntnisse aus der empirischen Sozialforschung, breites Allgemeinwissen oder Rechtskenntnisse eingeschätzt. Vorgegeben waren erst einmal nur grundsätzlich für die Position relevante Eigenschaften. Die Studie zeigt eine Rangliste dieser notwendigen Eigenschaften.

Unterscheiden sich die Ergebnisse zum Beispiel nach Fachbereichen voneinander?

Das haben wir bisher nicht untersucht. Denkbar ist aber, dass es Unterschiede vor allem abhängig von der Größe der Fakultäten gibt. Sicherlich braucht ein Manager beispielsweise einer großen und komplexen medizinischen oder naturwissenschaftlichen Fakultät mit vielen Professoren, Beschäftigten und Studierenden noch andere Fähigkeiten als die Leiterin einer kleineren, überschaubareren.

Die Schlüsselrolle für den Erfolg des "Unternehmens Hochschule" nehmen heute nicht mehr allein die Professorinnen und Professoren als Träger der Kernaufgaben ein. Auch die Funktionen in den Führungsebenen der Fakultäten werden immer wichtiger und sind entscheidend für den Erfolg mit verantwortlich. Was hat diese Erweiterung von Verantwortung ausgelöst?

Die Wissenschaftsministerien haben in den letzten Jahren immer mehr Aufgaben und Entscheidungsbefugnisse an die Hochschulen übergeben. Das betrifft die interne Geldverteilung genauso wie die Besetzung von Forschungsgebieten oder die Neuentwicklung oder Schließung von Studiengängen. Mit der größeren Autonomie der Hochschulen geht die Steuerung, beispielsweise die Mittelvergabe des Ministeriums an die Hochschule anhand des "Outputs", einher. Die Ziele werden dabei zwischen Universitäten und dem Ministerium in Zielvereinbarungen festgelegt. Diese Entwicklung zwingt die Hochschulen zu einer noch sorgfältigeren Personalauswahl. Es kann überlebenswichtig sein, wer an diesen "Schalthebeln" sitzt.

Anfang der 90er-Jahre forderte die Hochschulrektorenkonferenz mehr Autonomie und wurde von der Kultusministerkonferenz unterstützt. Die Ministerien gewährten dann in den einzelnen Bundesländern mehr Autonomie in jeweils unterschiedlichen Bereichen. Beispielsweise wird über die Kriterien der Studierendenauswahl in einigen Bundesländern – im Rahmen der Vorgaben des Hochschulrahmengesetzes – von den Hochschulen allein entschieden, in anderen werden vom Ministerium genauere Vorgaben gemacht.

Sind zukünftig für diese universitären Schlüsselpositionen eher Personen geeignet, die mehr unternehmerisch als wissenschaftlich kompetent sind?

Das kann man sicher so nicht sagen. Natürlich sind zum Beispiel für die Mittelbewirtschaftung betriebswirtschaftliche Kenntnisse nötiger als fachliche. Wer aber die Strategie eines Fachbereichs entwickeln oder eine Studienordnung reformieren möchte, muss etwas vom Fach verstehen, schon um Akzeptanz zu finden. Ein BWLer könnte kaum sachkompetent entscheiden, welche Module ein Chemiestudiengang sinnvollerweise enthalten sollte. Je größer allerdings der zu regulierende Bereich ist, bis hin zu einer ganzen Universität, desto mehr spielt nicht das Wissen um ein einzelnes Fach eine Rolle, sondern die Kenntnis der Abläufe in der akademischen Welt. Desto mehr geht es um klassische Führungskompetenzen, darum, eine Vision zu haben, Leute begeistern zu können.

Vielen Dank!

Das Gespräch führte Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 2/2010

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